Captain Planet: Aufgabe und raus

Wie ein Schnappschuss

Emo-Punk aus der Mitte der Gesellschaft“ titelte die Süddeutsche anlässlich des neuen Captain-Planet-Albums TREIBEIS. Darauf angesprochen schüttelt sich Gitarrist Benni am anderen Ende der Leitung: „Also in der Mitte der Gesellschaft fühle ich mich nicht wohl. Das hört sich nach FDP-Punk an.“ Die musikalische Einordnung könne allerdings so stehen bleiben, wenngleich die Band sich nach weiteren Besprechungen in Welt und Zeit kurzerhand selbstironisch den Titel „Feuilleton-Punk“ einverleibt hat.

TREIBEIS, das dritte Album aus der Captain-Planet-Schmiede, erinnert vom Wesen her mehr an das ungestüme Debüt WASSER KOMMT, WASSER GEHT, als an den gesetzteren Nachfolger INSELWISSEN. „Wir wollten nicht möglichst sauber spielen, sondern es authentisch halten“, beschreibt Benni, noch leicht erkältet von der absolvierten Mini-Tour, den Ansatz der Aufnahmen. Ihm kamen vor allem die 14 Tage à 14 Stunden im Studio „wie eine Reise“ vor, während der man sich „in einen kleinen Wahnsinn stürzt“. Auch ohne Instrument in der Hand ließ den Lehrer die Produktion nicht los: „Es konnte dir passieren, dass du im Klassenzimmer stehst und denkst: Da muss jetzt der Akkord sitzen!“ Irgendwann war dann aber der Punkt gekommen, wo es hieß, loszulassen: „So eine Platte macht man nicht fertig, sondern gibt sie auf. Das ist wie ein Schnappschuss.“

Herauskommen sind elf Songs, die ihre Magie nicht zuletzt der markanten Stimme und den Texten von Sänger Arne zu verdanken haben. Natürlich existieren schon ausreichend Songs über Ängste, Sorgen und Verlust, doch die Möglichkeit, Geschichten aus dem Captain-Planet-Universum auf das eigene Leben zu beziehen, machen einen ganz besonderen Reiz aus. So sah sich in einer ersten Reaktion ein Fan des VfL Bochum bei den Zeilen „Wie gehst du nur mit den Niederlagen um? Wo üben die, die immer siegen?“ gleich an die derzeitige Situation seines Vereins erinnert. Wenn Arne z. B. in „Gehwegflackern“ vielsagend singt: „Was es ausmacht, jahrelang nicht zu wissen, was es heißt zu blinzeln, sich zu biegen und nur im Kopf mitzusingen“ vermag selbst Benni den genauen Hintergrund der Zeilen nicht zu deuten: „Ich gehe an die Texte genauso ran, wie jeder einzelne Hörer.“

Am Tag der Veröffentlichung Mitte Oktober wirkt der Gitarrist am Telefon überraschend entspannt. Und das nicht nur weil es für ihn der letzte Tag der Herbstferien ist. „Die ersten Reaktionen sind das Spannendste. Mittlerweile aber ist die größte Anspannung vorüber.“ Wird denn wenigstens am Abend standesgemäß gefeiert? „Wir proben heute, denn nächste Woche ist Release-Feierei und die will ordentlich vorbereitet sein.“ Das klingt jetzt aber arg erwachsen. „Mag sein, aber Organisation ist wichtig. Es gibt so viele gute Bands da draußen, die keiner kennt, weil es ihnen an der nötigen Organisation fehlt.“ Dann liegen also die Pläne für die Zukunft bereits griffbereit. „Neue Songs, nächste Platte, in drei Jahren sieht man sich wieder.“ Wie bitte? „Okay, wir hatten nie einen festen Plan und das soll auch so bleiben.“

TREIBEIS (Zeitstrafe)

captain-pla.net

 

Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Revolverheld in Bochum

Das Abschlusskonzert der "Immer in Bewegung" Tour war ein voller Erfolg. [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Uriah Heep in der Zeche Bochum

Nachdem bereits 21 Octyne und Voodoo Circle für ausreichend Stimmung [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Mönchengladbach

Konzertkritik: EA80 in Mönchengladbach

Seitdem im Sommer diesen Jahres das Aus des Horst-Festivals bekannt wurde, [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Cannibal Corpse in der Matrix Bochum

Fliegende Haare, harte Drums und Riffs - Das sind die Jungs Cannibal Corps! [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertkritik: Ignition in der Tonhalle

Die seit 2007 bestehende Konzertreihe „Ignition“ serviert regelmäßig einen [mehr...]