Technik, die begeistert: Helene Fischer in Köln

Bei der 180-Minuten-Show sitzt das Timing. | Foto: Sandra Ludewig / Universal

Ende dieser Woche werden über 80.000 Zuschauer Helene Fischer live in der Kölner Lanxess Arena gesehen – gar bewundert – haben. Das sind mehr als 15.000 Menschen pro Auftritt – eine Kleinstadt, kein Dorf. Die Konzertbesucher kommen als Fans und sie werden in dieser Rolle immer zufrieden nach Hause gehen – all jene Helene-Fischer-Ultras, wie auf einigen T-Shirts zu lesen war.

Denn sämtliche Hits wurden gespielt. Es konnte getanzt, geklatscht, gewippt, gesungen und aufgeregt-freudig bis sentimental mit den Kussmund verzierten Leuchtstäben gewunken werden. Bekundungen wie „Ich werde all die Jahre für euch da sein“ wurden wohlwollend applaudierend empfangen wie das mehrfach gerufene „Köln“, das sowohl zur Bestätigung des Ortes als auch zur Animation diente. Beim Einsatz das Wasserkleides wurde geübt gestaunt wie bei den mehrfachen akrobatischen Einlagen von Helene Fischer, bei denen sie mal fliegt, mal herumgewirbelt wird.

Das Menschliche soll draußen bleiben

Es werden Abende gewesen sein, bei denen weniger etwas erfahren, sondern vielmehr der Helene-Fischer-Standard abgenickt und durch Applaus und Jubel zertifiziert wurde. Das Überraschende, das Spontane, das Menschliche soll draußen bleiben: vor und auf der Bühne – am besten immer. So war der Übergang zur Pause bei vielen im Publikum ebenso eingespielt wie das Timing der 180-Minuten-Show, oder die Rede der Sängerin über ihren Freund und ihre Patenkinder.

Doch die Standardisierung hat einen Zweck: Sie ermöglicht nicht nur einen reibungslosen Ablauf der Show, sondern Helene Fischer erschafft eine „Safe Space“ für ihre Fans, die sich andere durch Retromanie oder Infantilisierung basteln. Und dieser Ort muss bestehen bleiben. Daher scheint es so, dass der Applaus in Köln insbesondere der Technik galt: jenen Körpertechniken, die Helene Fischer anwendet, um die anstrengende Show zu bewältigen (man beachte ihre Oberarme), jener Sicherheitstechnik, die so manche Showeinlage absichert und all jene Bühnentechnik, die für das Event notwendig ist.

Die Poparbeiterin der Nation

Applaus also für 35 Trucks, 8 Nightliner, 114 Tonnen Material unter der Hallendecke, für die 26 Meter breite Bühne, für das 360 Grad bewegliche Bühnenelement, für die 150 Personen auf Tournee und die 200 zusätzlich vor Ort und Applaus für die Poparbeiterin der Nation. Die Statistik lügt nicht. Das Lob an ihr Team ist andauernd.

Alle sind beglückt benommen. Einige halten Tüten in der Hand, wieder mit Kussmund, so als ob sie aus einem Einkaufszentrum kommen würden, leere Popcorn-Tüten wie nach einem Kinobesuch, Pizza- und Grillgeruch, Jahrmarkt-Feeling. Auf den Bildschirmen laufen Trailer für kommende Live-Events: „Boybands forever“, „Afrika, Afrika“, „Vanessa Mai“, „Helene Fischer – Die Stadiontournee 2018“.

„Ich werde all die Jahre für euch da sein“, sagte sie. Stefanie Roenneke

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