Musical Hairspray: Marlerin Marja Hennicke spielt ihre Traumrolle

Marja Hennicke steht ab Oktober im Musical Hairspray auf der Bühne | Foto :Thomas Jauk

In einer alten Lagerhalle bereitet sich Marja Hennicke gerade mit viel Energie und voller Vorfreude auf ihre Rolle vor: Ab dem 21. Oktober ist die Marlerin als Tracy in Hairspray im Opernhaus Dortmund zu sehen. Eine Traumrolle, die ihr viel abverlangt und ein Musical, das mehr ist, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Denn hinter der Fassade einer Geschichte rund um ein Mädchen, das versucht einen Platz in einer Fernsehtanzshow zu ergattern, geht es um Diskriminierung und Vorurteile in den USA der 60er Jahre. Das Opernhaus Dortmund hat sich ganz bewusst für ein Stück entschieden, das Ausgrenzung und den Kampf gegen soziale Missstände zum Thema hat. Nur einer der Gründe, warum Marja Hennicke sich freut, Teil von Hairspray zu sein. Über ihr Ruhrgebiet-Debüt hat sie mit Irmine Estermann gesprochen.

Wie viel bedeutet dir dein Ruhrpott-Debüt?

Das ist mit ein großer Grund, warum ich diese Rolle unbedingt wollte. Ich komme aus Marl und Dortmund ist für mich einfach Zuhause. Ich habe in Österreich gespielt und auch bei Shrek in Düsseldorf. Aber ins Ruhrgebiet zu kommen ist einfach wahnsinnig toll. Eigentlich ist Wien ja meine Herzensstadt, dort habe ich bis 2014 am Konservatorium studiert. Ich sage immer: Wien wäre perfekt, wenn da auch noch die Fördertürme wären. Ich könnte mir vorstellen dort wieder zu leben und zu arbeiten. Mein Herz wird aber immer für das Ruhrgebiet schlagen.

Bist du jetzt zurückgezogen aus Wien?

Meine Möbel wohnen noch dort. Ich bin jetzt erstmal zurück in mein altes Kinderzimmer gezogen. Das ist schon eine ziemliche Herausforderung, weil ich lange alleine gewohnt habe. Es ist aber auch schön, mal wieder bemuttert zu werden. Mein Job bringt es mit sich, dass ich eine moderne Nomadin bin. So hat man seine Freunde aber auch überall verstreut und kann sie besuchen. Die Welt wird dadurch plötzlich ganz klein.

Welche Rolle würdest du am liebsten spielen?

Meine Traumrolle ist tatsächlich Tracy. 2008 habe ich das Musical am Broadway gesehen und war total begeistert. Da war dieses Mädchen, das einfach gemacht hat und sich nicht hat einschüchtern lassen. Eine echte Herzensrebellin. Das war damals noch vor meinem Studium. Musicals haben mich zwar schon immer begeistert, aber ich hatte auch immer Gegenwind, wegen meiner Körperfülle. Ich bekam zu hören, dass ich ja nicht das zierliche Mädchen sei und ob ich nicht lieber etwas Vernünftiges lernen wollte. Das war übrigens dann später auch öfter bei den Aufnahmeprüfungen an den Unis in Deutschland so. Das Feedback war ,du bist toll aber bitte nimm ab‘. In Wien war das gar kein Problem.

Hast du deshalb vor der Rolle besonders viel Respekt?

Auf jeden Fall. Man möchte dem gerecht werden. Wer weiß, wer da vielleicht wie ich damals, im Zuschauerraum sitzt und den gleichen Traum hat. Ich freue mich, wenn ich dann jemanden inspirieren kann. Das sind schon sehr große Fußstapfen. Auch weil Tracy fast Nonstop auf der Bühne ist und ein sehr hohes Energielevel hat. Da kann man nicht kurz abschalten. Das ist sehr anstrengend für den Körper und für die Stimme. Tracy gibt mir aber auch viel. Ich bin nicht so impulsiv und bauchgesteuert wie sie. Ich merke immer nach der Probe, dass meine Stimmung sich aufhellt. Tracy ist eben sehr sonnig.

So fröhlich Hairspray eigentlich ist, so brisant ist auch der Stoff an sich. Für wie aktuell hältst du das Thema?

Das ist wahnsinnig aktuell und deshalb auch so wichtig. Bei Hairspray geht es um strickte Rassentrennung in den 60er-Jahren in den USA. Es gibt da zum Beispiel die Nachsitzszene. Tracy muss nachsitzen, weil ihre Frisur zu hoch ist – die anderen Jugendlichen im Raum, einfach weil sie schwarz sind. Der Rechtsruck, der durch Europa geht, macht mir wirklich Bauchschmerzen. Wir leben hier in einem geschützten Raum und einige wollen diejenigen ausgrenzen, die vor Krieg und Not fliehen. Auch wenn bei Hairspray die Musik so happypeppy ist, hat es auf den zweiten Blick sehr viel Tiefgang. Unsere Regisseurin und Choreografin, Melissa King, arbeitet das sehr gut heraus, finde ich. Die Atmosphäre ist toll, der Cast ist toll. Man merkt, da wächst gerade was ganz Tolles.

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