TV Noir: Kammermusik mit Kashmir und Chapeau Claque

Kashmir bei TV Noir | Foto: TV Noir

Ein goldgerahmtes Bild mit heimischer Waldlandschaft, ein altes Sofa und eine beschirmte Lampe. Genauso sieht es vermutlich bei vielen Ommas und Oppas und ihren Retro-Enkeln im Pott aus. In diesem Fall hat allerdings die Berliner Konzertreihe TV Noir ihr Wohnzimmer in der Zeche Bochum aufgebaut – Berliner und Bochumer Flair scheinen sich, zumindest in Sachen Inneneinrichtung, gar nicht so sehr zu unterscheiden, wie man meinen könnte. Eingezogen in dieses Musikzimmer sind am heutigen Abend die Kopenhagener Band Kashmir und Chapeau Claque aus Erfurt.

Isabelle, Peer und Maria von Chapeau Claque fügen sich in das Ambiente perfekt ein, es fehlen nur noch die Eltern und der Tannenbaum und man könnte meinen, drei brave Zöglinge würden an Cello, Keyboard und Mikrofon ein Gabenständchen bringen. Lautstärke, Qualität und Dramatik und nicht zuletzt die tänzerischen, fast schauspielerischen Einlagen von Sängerin Maria verwandeln das Wohnzimmer jedoch schnell in einen Konzertsaal – Immerhin ist ja auch reichlich Publikum gekommen, nur wenige Stühle bleiben frei und das wahrscheinlich auch nur, weil die Zeche in der hintersten Reihe noch Bänke bietet. Maria singt meist von der Liebe, die geht. In eindringlichen Texten, die oft wenig Worte brauchen. Ihre Stimme ist dabei glasklar und trifft exakt den Ton, den ihr Keyboard und Cello vorgeben. Letzterem werden Klagelaute streichelnd entlockt, es wird rumpelnd gezupft und rhythmisch geklopft.

Die beiden Kashmir Mitglieder Hendrik und Kasper kann man sich am besten in der aufgehängten Waldlandschaft vorstellen. Mit Holzfällerhemd, Mütze und Westerngitarre singt Kasper warme Lieder über Brüder, stille Jungen und aufrichtige Liebe: „And if you should die before I get close, I promise I will visit your grave.“ Seine warme Stimme wird von Halleffekten durch den Raum getragen. Kleine Anekdoten zu den einzelnen Liedern verstärken die Intime Atmosphäre. Hendrik sorgt an den Tasten mal für klassische Begleitung, meist aber für synthetische Soundausflüge.

Es ist das Konzept von TV Noir, dass sich die Bands abwechseln und zusammenspielen. Entsprechend ist jeweils nur ein Teil der Bands anwesend, alle drei Lieder gibt es einen Wechsel. Einmal unterstützt Isabelle die Dänen am Cello, einmal kommt Hendrik bei Chapeau Claque als zweiter Mann an den Tasten dazu. Eine aufregende Fusion entsteht dadurch nicht, das Cello fügt sich genauso gut in die Indie-Folk Klänge von Kashmir wie Hendriks Tastenspiel in den Klassik-Pop der Chapeus. Insgesamt also ein durchweg harmonischer Abend, der trotz gut zwei Stunden Spielzeit inklusive zweier Zugaben, gefühlt zu früh endet.

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