New Fall Festival 2013: Veranstalter Hamed Shahi im Interview

Live beim New Fall Festival 2013: Woodkid

Hamed Shahi ist ein vielbeschäftigter Mann. Als coolibri Mitte August bei ihm einen Interviewtermin anfragte, war der Geschäftsführer der Konzertagentur SSC die folgenden drei Wochen komplett ausgebucht. Berlin Music Week, unter anderem. Der Fragemarathon musste also per Mail über die Bühne gehen. Apropos Bühne, genau darum geht es. Zwischen dem 31.10. und 3.11. steigt nämlich die dritte Ausgabe des von Shahi erfundenen „New Fall Festivals“ in Düsseldorf. Diesmal, findet Alexandra Wehrmann, ist den Veranstaltern mit der Verpflichtung von Woodkid, Birdy, Billy Bragg und vielen weiteren Perlen ein exzellentes Booking gelungen.

„Man kann auch mit viel Geld schlechte Bands buchen“

Hamed, wie zufrieden wart ihr mit dem Gelingen der letzten beiden Festival-Ausgaben – einerseits künstlerisch, andererseits finanziell?

Im ersten Jahr war es schwer, die Künstler und deren Agenturen vom neuen Festivalkonzept zu überzeugen. Dennoch hatten wir einen großartigen Start, sodass es 2012 schon wesentlich einfacher war. Nach nunmehr zwei erfolgreichen Ausgaben genießen wir den Ruf, ein sympathisches Festival zu sein, das nicht mehr unbedingt vorgestellt werden muss. Wir sehen das auch an der inhaltlichen Entwicklung. Dieses Jahr konnten wir neben Element Of Crime weitere Headliner wie Birdy, Woodkid, Tocotronic oder Billy Bragg buchen... Welches Festival kann das schon im dritten Jahr von sich behaupten?

Wie viele Zuschauer hatte das Festival in 2011 und 2012 bzw. wie war jeweils die Kapazität?

Als wir 2011 mit dem Festival angefangen haben, besuchten insgesamt 4.500 Gäste die Konzerte. Im Jahr drauf steigerten sich die Zuschauerzahlen um mehr als 20 Prozent und wir konnten 5.500 Gäste begrüßen. Trotz dieses Zuwachses haben wir in beiden Jahren ordentlich draufgezahlt - ein Minus im fünfstelligen Bereich. Eine Investition, die sich aber, da bin ich sicher, lohnen wird!

Welche Gastspiele waren in der Vergangenheit ausverkauft?

Bisher keine einzige Show! Dieses Jahr hingegen rechnen wir mit vier ausverkauften Shows (Stand Anfang September, Die Red.) – schon vor Festivalbeginn. Für Element of Crime gibt es schon seit August keine Karten mehr.

Als wir uns vor zwei Jahren vor dem Debüt des NFF trafen, erzähltest du, dass das Festival eins für die ganze Familie werden soll, zu dem Eltern ihre Kinder getrost mitnehmen können. Ist der Plan aufgegangen?

Nein, nicht so ganz. Leider nehmen die Eltern ihre Kinder viel zu selten mit... Aber mehr als günstige Tickets, einen pünktlichen Konzertbeginn und ein dementsprechend frühes Showende anzubieten, kann ich nicht tun. Und leider konnte ich mein Team bisher nicht davon überzeugen, die Konzerte um 16 Uhr beginnen zu lassen.

Du hast selber auch zwei Söhne. Welche Konzerte hast du mit ihnen besucht?

Ich muss dich korrigieren: Mittlerweile habe ich sogar drei Kinder. Letztes Jahr waren meine Söhne mit bei Caligula und Dillon.

Und, wie fanden sie es? Konntest du sie musikalische auf den „richtigen“ Weg bringen?

Ich denke schon, dass meine Kinder ein Gespür für Musik haben. Der Geschmack wird sich bei ihnen schon entwickeln.

Rund um den Jahreswechsel kursierte das Gerücht, das New Fall Festival würde in diesem Jahr nicht stattfinden. Habt ihr ans Aufgeben gedacht?

Ist das so? Da würde ich aber gerne wissen, wie diese Gerüchte zustande kamen. Ich habe keinesfalls ans Aufgeben gedacht, sondern eher an einen Umzug des Festivals in eine andere Stadt, denn die Mietpreise für die Locations in Düsseldorf sind nicht marktfähig. Ich bin sehr froh, dass das Kulturdezernat des OB und die lokalen Parteien sich dafür eingesetzt haben, Sonderkonditionen für dieses Jahr zu bewilligen. Ohne diese Hilfe hätte es mit Sicherheit kein New Fall Festival in diesem Jahr gegeben. Auch die Unterstützung der Stiftung van Meeteren und die SK Stiftung haben ihren Anteil daran, das Festival sprichwörtlich auf die Bühne zu bringen.

Wie hoch ist der Etat des New Fall Festivals 2013?

Noch arbeiten wir im sechsstelligen Bereich. Das Budget sagt jedoch in keiner Weise etwas über inhaltliche Qualität oder Anspruch aus. Man kann auch mit viel Geld schlechte Bands buchen.

Welche Posten machen ein Festival wie dieses besonders teuer?

Die Location, unser eigener musikalischer Anspruch und die sehr komplizierten technischen Anforderungen. Die Räumlichkeiten, in denen das Festival stattfindet, sind nun mal für klassische Musik gedacht.

Das Open Source Festival wird von der Stadt seit längerem finanziell bezuschusst. Bekommt ihr auch städtische Gelder?

Ich finde es nicht richtig, das Open Source Festival oder andere kulturell wertvolle Projekte miteinander zu vergleichen. Nur weil das Open Source Festival oder das zakk Unterstützung bekommen, müssen wir das nicht zwangsläufig auch. Aber um deine Frage zu beantworten: Wir bekommen keine Gelder von der Stadt für das Festival. Allerdings zahlen wir für die Tonhalle, wie schon erwähnt, auch nicht die ansonsten übliche Miete. Für den Haushalt 2014 werden wir aber eine Förderung beantragen.

Und die Sponsorensuche, so hört man, wird auch immer schwieriger. Wie schaut es diesbezüglich bei euch aus?

Katastrophal. Ich habe es fast aufgegeben! Ein ständiges Auf und Ab. Es gibt Jahre, da protzen die Unternehmen mit ihrem Geld, und im darauffolgenden Jahr wird plötzlich der Hahn zugedreht. Eine gewisse Kontinuität wäre für alle Seiten hilfreich.

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