Kakkmaddafakka: Herzschmerz für Männer

Bands mit merkwürdigen Namen haben immer Konjunktur: Die U-Bahn-Kontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern und die toten Crackhuren im Kofferraum gehören im deutschsprachigen Raum längst zum Kulturgut. In Norwegen setzt die Band Kakkmaddafakka eine eigene Duftmarke.

Zwischen Indie und Pop hat sich das mehrköpfige Kollektiv eingerichtet und nun mit „Six Months Is A Long Time“ ein sehr melodiöses drittes Album veröffentlicht. „Der Titel bezieht sich auch ein bisschen auf den Aufnahmeprozess, denn wir haben ein halbes Jahr an den Songs gearbeitet“, sagt Bassmann Stian Sævig über die neue CD.

Kein Geringerer als Erlend Øye von den Kings Of Convenience saß am Mischpult, was sich durchaus bemerkbar macht: Die Band klingt reif, folkig und aufgeräumt. Norwegische Klischees machen trotzdem immer wieder die Runde: einsame Waldstriche, wortkarge Menschen, unzählige Black-Metal-Bands und große Erdgasvorkommen.

Wenn Stian über deutsche Eigenheiten sinniert, kommt er sofort auf Nahrungsmittel: „Natürlich liebe ich deutsches Bier, na klar. Außerdem ist das Essen bei euch großartig, ich freue mich jetzt schon auf mein nächstes Schnitzel. Und die Menschen sind durch die Bank echt nett und cool bei euch.“

Im Song „Bill Clinton“ geht es um heranwachsende Männer und ihren Herzschmerz

Auch zu politischen Statements lässt sich der Musiker hinreißen, egal ob es um Unruhen im Gezi-Park oder in Porte Alegre, auf dem Tahir-Platz oder um Stuttgart 21 geht: „Proteste sind die Stimme des Volkes, es ist wichtig, dass die Menschen aufeinander zugehen und miteinander reden. Die Kommunikation muss dabei im Mittelpunkt stehen.“ Enthält der neue Song „Bill Clinton“ denn auch eine politische Botschaft? „Nein, ganz und gar nicht“, betont Stian, „dieses Lied handelt von etwas anderem. Es geht um heranwachsende Männer und um ihren Herzschmerz. Darum, nach einer Trennung wieder zu sich zu finden, nachdem man alles für eine Frau getan hat.“

Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug finden sich auch Klavier und Cello im Aufgebot der Indieband, deren Köpfe das Brüderpaar Axel und Pal Vindenes sind. „Ein Cello verstimmt sich schon schneller als eine E-Gitarre, doch der Sound ist wirklich verzaubernd, ich möchte ihn gerade bei Livekonzerten nicht mehr missen.“ Stian, der aktuell auf Phoenix und ein Best-Of-Album von Paul Davis steht, freut sich schon sehr auf die kommende Tour im Oktober. Gleich für 15 Konzerte ist die Band aus der Hafenstadt Bergen in Deutschland zu Gast: „Es ist schwer zu beantworten, ob es besser ist, auf einem Festival oder in einem Club zu spielen“, so der Bassmann, „ hundert Leute in einem Club können einen größeren Jubelalarm veranstalten als 800 Gelangweilte auf einem Festival!“

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