Emsig wie die Heinzelmännchen

Als Tim Buktu und Dirk Jessewitsch Mitte der Achtziger die Plattenfirma Pigture Disc gründeten, hatte das eigentlich nur einen Grund, nämlich die Cruisers.

Damals waren die Cruisers drei junge Männer, die sich weithin sichtbar mit dem Rockabilly-Virus infiziert hatten und den lieben langen Tag nichts anderes machten, als in jeder nur denkbaren Form den Nachfahren des Rock’n’Roll der Fünfziger zu frönen. Zuerst kommen einem heute Namen wie Chuck Berry, Eddie Cochran oder – natürlich – Elvis Presley in den Sinn, doch Punk und der Wunsch nach aktuelleren Perspektiven hatten das Genre kräftig umgekrempelt und bis zum Psychobilly voran getrieben – ganz vorne gab und gibt es da zum Beispiel die Meteors.

Aber die Cruisers waren anders. Das Trio mischte fröhlich Country und jede Menge guter Laune ins unglaublich produktive Songwriting, und alles schrie nach einer Platte. Vinyl, mit besserem Sound als von den ewigen Kassetten-Samplern der Szene, war damals noch eine echte Aufgabe. Gemeinsam stellte man sich dem Schlager-Universum der Majors, brachte erst ein, zwei Singles und dann eine Live-Platte heraus und machte die Musikwelt bis in die späten Neunziger unsicher. Damals schon beim dritten Label, zog die Band sich ins Privatleben zurück und ward nicht mehr gesehen.

Vor einigen Monaten hat sich aber alles geändert. Es twittert und facebooked wieder gewaltig und das hat einen Grund. Eine kleine Plattenfirma aus dem Oldenburgischen hat sich wild entschlossen vorgenommen, den frühen Back-Katalog der Cruisers auf CD wiederzuveröffentlichen. Wolfenstein Records werkeln seit März emsig wie die Heinzelmännchen und, siehe da, in kurzer Folge werden die inzwischen zu Sammlerpreisen gehandelten Originale als wundervoll überarbeitete Nachpressungen mit jeder Menge Bonus-Material wieder zu haben sein. Allen voran „Cry For More“ – live aus dem Wuppertaler Haus der Jugend Barmen.

Da lassen sich dann auch die Herren der Original-Besetzung, Duck Holliday, Jim Tonic und Mr. D.T., nicht lumpen und garnieren den musikalischen Gabentisch mit Live-Konzerten – eines davon selbstverständlich auch in Wuppertal, im Frühjahr zum dreißigjährigen Bühnenjubiläum. Beginnen wird der Reigen allerdings am 23. November mit der „1. Wolfensteiner Rock’n’Roll & Rockabilly Night“ in Petersdorf, und dafür gibt’s die „Cruisers Butterfahrt“, im „Pottbus“ ab Haus der Jugend Barmen direkt zum Löwensaal ins Herz des Geschehens … Und das ist ein MUSS!

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