Denovali Swingfest: Hauptsache Musik

Sankt Otten

Freunde der kultivierten Musikliebhaberei werden längst das Bochumer Label Denovali auf dem Radar haben. Zwischen modernen Klassik-Kompositionen, Ambient, Drone, Minimal-Music, Dark Jazz, Electronica und Avantgarde besetzt das Label eine sehr eigene Nische. Einmal im Jahr präsentiert das Label mit dem sogenannten Denovali Swingfest an vier Tagen Bands und Acts wie das Duo Sankt Otten aus Osnabrück, dass zwischen breitflächiger Electronic und Post- und Krautrock-Einflüssen brilliert.

Was es für Bandkopf Stephan Otten bedeutet, ein Puzzleteil im Mosaik von Denovali zu sein, erklärt er wie folgt: „Es ist eine sehr angenehme und entspannte Zusammenarbeit mit dem Label. Es wird den Künstlern rein gar nicht in die Musik reingeredet, du bist da völlig frei. Welches Label gibt dir heute noch die Möglichkeit, extrem aufwendige Vinyl-Editionen zu fertigen. Denovali bringt das heraus, was denen gefällt. Wenn die Labelmacher etwas gut finden, dann wird das veröffentlicht, auch wenn im Vorfeld klar ist, dass es keine große Hörerschaft dafür gibt und die Veröffentlichung ein finanzielles Desaster werden kann. Das ist noch echte Liebe zur Musik.“

Musik ist hier keine Hintergrundbeschallung

Im Billing vom Denovali Swingfest zu sein, spricht für Sankt Otten für eine große Wertschätzung: „Es ist generell super, dort spielen zu dürfen“, sagt Stephan, „solch ein tolerantes und interessiertes Publikum hat man wirklich sehr selten. Die Zuschauer kommen hierher, um die Musik zu hören, und sehen sie nicht als Hintergrundbeschallung für ein alkoholgeschwängertes Wochenende wie auf vielen anderen Festivals. Im Saal selbst herrscht totale Ruhe, und jeder schaut sich fast jede Band an. Ich bin übrigens sehr gespannt auf The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, mein Kollege Oli freut sich am meisten auf Celeste.“

Oli ist Oliver Klemm, der Gitarre, Bass und Synthesizer bedient. Stephan Otten kümmert sich um Programmierung und Synthesizer. Auf ihrem neuen Album „Messias Maschine“ hat das Zweierteam eine große Zahl an Gästen verpflichtet: Die Krautrock-Legenden Jaki Liebezeit (Can) und Harald Großkopf (Wallenstein) sind mit von der Partie, Saxofonist Christoph Clöser von Bohren & Der Club Of Gore ebenfalls.

Das Instrumentalwerk wird als die Neo-Krautrock-Sensation des Jahres gelistet. Gerade der Song „Du hast mich süchtig gemacht“ mit dem kantigen Drumbeat von Liebezeit überzeugt mit individueller Note. Könnte sich Stephan weitere Gäste aussuchen, antwortet er mit drei Wünschen: „Steve Albini wäre sicher eine gute Wahl gewesen, jemand von Kraftwerk auch sehr gerne.“ Außerdem, wenn er noch leben würde, der Jimi-Hendrix-Drummer John „Mitch“ Mitchell: „Der war ein Tier“, sagt der Osnabrücker Musiker.

Sankt Otten werden schon mal als Retro-Version von Tangerine Dream gehandelt, „Dabei kenne ich gar nicht so viel von denen“, wird höflich, aber bestimmt geantwortet. Von der Musik-Legende Captain Beefheart stammt das Zitat „Die Welt ist Gottes Golfball“; welches Teil im Universum ist dann der Sankt-Otten-Song „Gottes Synthesizer“? „Nur ein ganz, ganz kleiner. Gefühlsmäßig geht es in Richtung einer Nachtfahrt auf Gottes Autobahn, und im Autoradio läuft Computerwelt!“

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