Kritik: Alligatoah & Trailerpark in Bochum

3:30 Minuten Stille auf der Bühne

Alligatoah und Trailerpark wurden gestern im ausverkauften, bochumer Riff dermaßen abgefeiert, dass eines klar sein sollte: Die Luft im Olymp der Jugendzimmer wird für Casper und Konsorten dünn. Mit seinem Album „Triebwerke“ und der Single „Willst du“ dominierte Alligatoah bereits wochenlang die deutschen Streaming Charts, auch live hatte er seine Fans fest im Griff.

Wenige Takte genügen und die Menge jubelt, unzählige Arme gehen auf und ab, unzählige Stimmen singen die Texte von Lukas Strobel alias Alligatoah mit. Und das nicht nur bei Hits, wie „Trauerfeier Lied“ oder wenn der Text provoziert, wie bei „Fick ihn doch“. Der Großteil der Anwesenden kennt das gesamte „Triebwerke“-Album auswendig – und das zu Recht: Strobels Texte versprühen intelligenten Wortwitz gekleidet in guter Musik. Dabei wird lässig zwischen Gesang und Rap gewechselt.

Alligatoah genoss sein neues Dasein als Superstar sichtlich. Mit Hut und Trenchcoat betrat er die Bühne, gab charmant den Großherrn und ließ sich von Buttlerboi Basti die Stirn abtupfen. Hinter dem verbirgt sich natürlich der VBT-Splash zweitplatzierte Battleboi Basti, der ebenfalls Mitglied bei Trailerpark ist. Und auch er scheint auf den Pods und Pads der Anwesenden bereits einen festen Platz zu haben: Wann immer er in Erscheinung tritt hallt ein „Basti, Basti, Basti!“ durch den Raum.

Neun Titel landeten auf dem Index

Nach kurzer Umbauphase erscheint dann die komplette Trailerpark-Crew in fröhlichen Uncle-Sam-Outfits auf der Bühne. Inzwischen haben vermutlich zahlreiche Fans Alligatoahs Willst-Du-Frage mit Ja beantwortet oder mindestens tief ins Glas geschaut, die Stimmung ist jedenfalls noch einen Ticken nach oben gegangen. Der Unterschied zwischen dem Soloprojekt Alligatoah und Trailerpark lässt sich hier schön veranschaulichen: Während zuvor zu einer Rap-Apres-Ski-Version von Jupp Schmitz „Es ist noch Suppe da“ im Moshpit gehüpft wurde, laden Trailerpark zur Wall of Death ein. Anders ausgedrückt: Während „ficken“ so ziemlich das härteste Wort ist, was einem auf „Triebwerke“ begegnet, landeten vom Trailerpark-Album „Crack Street Boys 2“ neun Titel gerade frisch auf dem Index. Entsprechend musste beim Liveauftritt zum größten Teil auf ältere, nicht-indizierte Songs zurückgegriffen werden. Das nahmen Trailerpark auch gleich zum Anlass um eine 3:30 Minuten lange Schweigeminute für alle indizierten Lieder abzuhalten. Während die Jungs regungslos auf der Bühne verharrten, stimmte das Publikum eines der betroffenen Lieder einstimmig an. Um den Song alleine zu Ende zu bringen, reichte es aber leider nicht, stattdessen wurde die restliche Zeit mit Fußballchören überbrückt.

Um 22:15 Uhr endete der „Partycrasher“-Abend aus zeitlichen Gründen leider ohne Zugabe.

 
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