Johnossi: Am Anschlag

Johnossi live im FZW | Foto: Inga Pöting

Kleine Mädchen und erwachsene Männer – so gemischt war das Publikum am Samstag im FZW. Während die gruselige Vorband Kriget am äußersten Ende des Indie-Pop-Genres entlangkraxelt, lässt das Publikum sich noch nichts anmerken. Doch kaum wabern die ersten Töne von „Into The Wild“, dem Opener des aktuellen Albums „Transitions“ durch die Halle, da erwacht der Zuschauerraum zum Leben.

Obwohl die sphärische Wand aus verzerrten Gitarrenriffs nicht gerade zum Tanzen einlädt, rocken die Fans in den ersten Reihen mit, als wären Johnossi schon bei der Zugabe. Weiter geht’s mit der eingängigen Single „Gone Forever“, spätestens jetzt wippen auch die entspannten Herren hinten an der Biertheke mit dem Fuß. Vorne bricht langsam das organisierte Chaos aus.

Nicht nur das Publikum ist bestens in Form. Auch Frontmann John Engelbert wirkt fit und voll bei der Sache. Während er sich noch vor ein paar Jahren unter einem Vorhang von blondem Haar versteckte, unter dem hin und wieder dunkle Augenringe zum Vorschein kamen, tritt er heute in ordentlich gestylter Kurzhaarfrisur und Brit-Pop-Weste auf. Der Sänger und Gitarrist sieht aus, als würde er genug essen und schlafen. Rundum zufrieden wirkt er zwar nicht, aber vielleicht ist das einfach nicht sein Ding. Zumindest ein paar Zweifel räumt er zu Beginn aus: „I feel very happy today.“

Vielmehr sagt er dann auch nicht, das ist aber auch nicht nötig, denn die Bühnenpräsenz von Engelbert und Drummer Ossi Bonde ist auch so schon am Anschlag. Die Druckwelle, die dem Publikum von der Bühne aus entgegenfliegt, besteht aus den drei Zutaten Akustikgitarre (plus einer Bodenpizza aus Effekten), Schlagzeug und starker Stimme. Nur in manchen Songs werden John und Ossi von einem Keyboarder unterstützt. Die meiste Zeit kommt das schwedische Duo jedoch gut alleine klar, während es eine gelungene Songauswahl präsentiert und sich keinen Patzer leistet.

„Men must dance“ vom ersten Album ist in der Zugabe gut platziert und in dem Mitgröhl-Song „Roscoe“ kommen auch die Borussia-Fans auf ihre Kosten. Die Zwischenrufe nach dem Lieblingsverein sind inzwischen durch „Johnossi“-Chöre ersetzt worden. Schade nur, dass nach 80 Minuten schon Schluss ist.

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