Nachgefragt bei: Frittenbude

Wir haben die Chance ergriffen, die Jungs von Frittenbude einem Verhör zu unterziehen. Gründe gab es schließlich genug: Ihr drittes Album DELFINARIUM ist inzwischen erschienen und passend dazu gab es die dritte Singleauskopplung namens „Heimatlos“, die bei Facebook aufgrund ihrer linken politischen Message für reichlich Wirbel sorgte. Vor dem Bochum Total-Auftritt standen sie uns zur Entstehung des Drittlings, zum ewigen Touren und zu der politisch sehr gemischten Hörerschaft Rede und Antwort. 

Ich begrüße heute Rüde und Martin von Frittenbude, die im Rahmen von Bochum Total auf der Mainstage spielen:

Rüde (noch): Ich hab aber den Namen Rüde abgelegt: Seitdem ich zum Sekt konvertiert bin, nennt man mich nur noch Strizi!

Strizi Streuner!

Martin: Ich hab hier Gras gefunden!

Wie entstehen bei euch die Songs? Es gibt zwei Herangehensweisen: Entweder hat man erst die Texte, wo ich ja schon weiß, dass du, Strizi, die Texte schreibst und der Beat wird drumherum gebaut, um das Gefühl des Textes aufzufangen. Oder es ist eben so, dass erst der Beat steht und der Text darauf geschrieben wird. Wie sieht’s bei euch aus?

S: Es gibt beides: Meistens gibt’s n Text und n Beat und das wird zusammengesetzt und dann wird geguckt, auf welchen Beat der Text passt. Dann gibt’s manchmal Beats, auf die Texte geschrieben werden, aber in den seltensten Fällen ist der Text vor’m Beat da. Beim letzten Album haben wir dann so drei bis vier Tracks auf den Text zugeschnitten. Das ist „Innere Altmark“, „Heute nur einmal“... Martin hilf mir mal!

M: „Von allem zu viel“

S: Und der Letzte des Albums!

M: …Nämlich „Soweit von Paris“

Ihr seid ja unermüdlich auf Tour, vor allem auch hier im Ruhrpott. Welche Veränderungen haben sich nach Release des dritten Albums eingestellt? Was könnt ihr beim Publikum oder generell beobachten?

S: Ich weiß nicht, ich sehe da jetzt nicht großartig Veränderungen. Die Leute kommen, die Leute gehen ab, sind durchgeschwitzt und fertig und gehen wieder nach Hause. Wir spielen halt jetzt länger, wir haben früher immer ein Set von anderthalb Stunden gespielt, wir spielen jetzt zwei Stunden, das reicht den Leuten aber immer noch nicht. Das ist vielleicht eine Veränderung.

Wie viele Zugaben gebt ihr mittlerweile denn?

S: Meistens einmal, dann spielen wir so zwei bis drei Songs. Wenn sie dann noch so richtig, richtig schreien und fast alle da sind, dann gehen wir schon nochmal für einen Song raus, aber wenn da nur noch 20 so fertige Hanseln vorne an der Bühne hängen und man weiß „Es ist auch besser für euch, wenn ihr jetzt mal nach Hause und duschen geht“, dann lässt man das auch sein.

Was ist euer Festivalhighlight dieser Saison?

S: In Sachen Festivals haben wir uns noch nicht so die krassen Auftritte gegönnt. Man muss echt sagen, dass bisher die Clubshows fetter waren.

M: Warum auch immer, vielleicht wird’s ja heute richtig krass.

Das SonneMondSterne-Festival kommt noch, da freut ihr euch sicher drauf!

S: Klar! Das Melt! kommt, das Frequency, das Berlin Festival! 

Heimspiel sozusagen!

S: Ein Zuhause haben wir keins, wir sind fast genau so viel auf Tour, wie wir in Berlin sind. Von daher kann man das immer noch nicht so richtig als Zuhause sehen. Es ist schon das Gefühl: Wenn man von Tour hinkommt, fährt man nach Hause und nicht nach Berlin. Aber unser Zuhause bleibt die Autobahn.

Das fügt sich wunderbar in die nächste Frage: Die Single „Heimatlos“ habt ihr ja passend zur Fußball-EM rausgebracht - Das Cover ziert ein lodernder Deutschland-Flaggenfetzen, wenn ich das richtig sehe.

S: Nee, er lodert nicht! Wir waren auf dem Straubinger Pfingst Openair Festival, das erste auf dem wir gespielt haben, und wir haben uns den Auftritt von Cro angeschaut. Da hatte einer eine Deutschland-Fahne in der Hand. Die fiel dann irgendwann runter und unser Booker hat sich die geschnappt und wollte sie anzünden, das war aber nicht entflammbares Material. Dann hab ich mit einem Messer den (gelben) Streifen abgetrennt und wir haben dadurch eine Antifa-Fahne draus gebastelt. Und der Streifen lag am Boden und wir dachten uns: Okay, das ist eigentlich symbolträchtiger als die schwarz-rote Flagge (Flagge der Antifa, Anm. d. Red.) und haben ein Foto davon geschossen. Als das Label wollte, dass wir das releasen, musste das dann schnell gehen. Beim Label ist es immer so: Die Idee ist da und am nächsten Tag wird’s gemacht. Das Video und das Cover, alles innerhalb von 24 Stunden.

Bei Facebook ging‘s ja reaktionstechnisch im Kommentarbereich eurer Fanpage ziemlich ab. Es gab viele, die es nicht richtig verstanden haben und total verwundert waren, dass Frittenbude auf einmal diese politischen Messages transportiert und über die Art, wie ihr euch positioniert. Da waren viele total schockiert. Und am nächsten Tag gehen sie wieder zum Public Viewing.

S: Ich hab mir das bewusst nicht durchgelesen, ich habe es nur geposted und bin danach mit meiner Freundin zwei Tage aufs Land gefahren.

Wahrscheinlich kann man sich das echt nicht geben!

S: Manchmal schämt man sich für dafür, was die Leute schreiben. Dass die Leute, die die Musik von einem anhören, solche Meinungen in sich tragen. Und andererseits hat man genauso für die Leute, die das klarstellen und darauf reagieren, Liebe und Glücksgefühle. Im Endeffekt kann man sich halt nicht aussuchen, wer die Musik anhört, die man macht.

Das ist es, leider. „Wings“ vom dritten Album läuft ja z. B. bei 1Live. Was haltet ihr davon, dass ihr jetzt mehr Airplay habt? Bei „Mindestens in 1000 Jahren“ vom Debüt gab es natürlich auch schon gewisses Airplay, aber wie sieht es jetzt aus? Einige Leute meinten beispielsweise, ihr klingt ja auf einmal ganz schön poppig! 

S: Das Ding ist halt „Mindestens in 1000 Jahren“ ist ja auch schon extrem poppig. Nun zu sagen: „Jetzt machen sie plötzlich Pop und laufen im Radio“ ist nicht der Fall, weil schon die Single vom ersten Album im Radio lief. Wir haben nichts dagegen, wenn das im Radio läuft, wir wollen ja irgendwie Airplay. Wir machen Musik ja nicht, um Zuhause in unserem Keller zu sitzen und Musik für uns zu machen. So beginnt es natürlich, aber dann wollen wir ja auch raus damit. Und wenn auch Radiosender, die uns früher nicht gespielt haben, uns ins Programm nehmen und sagen, das spielen wie ein- bis zweimal die Woche, das pinselt das einem schon den Bauch. Oder Martin?

M: Ja, auf jeden Fall, ist ja auch ein schöner Song!

1Live spricht von DELFINARIUM als eher düsterem Album. Es ist schon merklich der Weggang von den feierlastigen Beats im Vordergrund, hat auch sehr nachdenkliche Songs und einfach mal längere Instrumentalparts, weit weg vom Bollerbeat der Anfangstage. Wie seht ihr das selber? 
 
 
M: Düster ist so ein extrem schweres Wort, düster trifft es nicht genau. Es ist nicht mehr ganz so bunt. Düster ist für mich eher depri und dark und das ist es ja nicht. 

S: Wir haben die Neonfarben ein bisschen rausgelassen. Wenn man es als Bild bezeichnen will, sind die Neonfarben ein bisschen zurückgetreten und wir haben andere Farbtöne benutzt. Magenta!

M: Ocker!

S: Tiefschwarz!

Zum Abschluss: Was ist euer eigener Lieblingssong vom ganzen Frittenbude-Liedgut?

S: Gott, oh Gott! „Der ewige Stenz“, haben wir nie released. Ganz schreckliches Lied! Ich mag „Mindestens in 1000 Jahren“ vom ersten Album total gern, nach wie vor. Vom zweiten Album „Ob es reicht sie zu finden“ und vom dritten „So weit von Paris“, „Innere Altmark“, „Zeitmaschinen aus Müll“ mag ich auch sehr gern.

M: Live fühlt sich zur Zeit „Wings“ irgendwie am besten an. Es ist immer so ein bisschen Gänsehaut-Feeling. „Von allem zu viel“ mag ich sau-gern, mit dem eröffnen wir ja jetzt immer die Konzerte. Ansonsten auch: „Ob es reicht sie zu finden“ und „Mindestens in 1000 Jahren“.

Dann danke Martin und Strizi für das Interview, wir freuen uns auf einen guten Auftritt!

S: Achja, Martin hat auch einen neuen Namen, er heißt jetzt Schwachmartin!

M: Ja, DJ Schwachmartin!


Text zuerst erschienen im Magazin lineofsight.de


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