TG Mauss: Die hohe Kunst der Entschleunigung

| Copyright Foto: Estelle Klawitter photography

Wirklich ruhig war es um TG Mauss nie: Nach verblüffenden Remixen für seinen Weggefährten Hauschka und zahlreichen Live-Performances als Teil von Sølyst meldet sich der Düsseldorfer mit einem Soloalbum zurück, das in seiner instrumentellen Reduktion überrascht und einen Künstler zeigt, der hörbar zu sich gefunden hat.

Obwohl er zu den authentischsten Musikern der Landeshauptstadt gehört, blieb der Name TG Mauss im Pressetaumel um die Düsseldorfer Szene stets ungenannt. „Es hat wohl damit zu tun, dass ich pausiert habe, als der Salon Des Amateurs überregional bekannt wurde“, vermutet Mauss, und vermutlich hat er damit Recht. Denn er bewegt sich altersmäßig deutlich zwischen den Polen aus sehr alten Kraftwerkern und den jungen Wilden von Stabil Elite. Als Makel erachtet er das keineswegs: „Wenn man von Düsseldorfer Musik spricht, hat man bestimmte Erwartungen. Ich hatte nie vor, einem Format zu entsprechen und möchte persönlich bleiben.“ Und das hört man auch. Mauss’ Vorliebe für Radiohead, die Beta Band und ihre inhomogenen Alben sind auf „Dear Stranger“ bereits im eröffnenden „OMG“ spürbar, wenn ein virtueller Dudelsack und Vocoderstimme ertönen. Der humorvolle Auftakt steht im völligen Kontrast zum folgenden „Tuesday“, das klingt, als ob James Blake und Trent Reznor für ein zeitgemäßes Remake von Flash & The Pans „Walking In The Rain“ kooperiert hätten.

„Ich habe mein erstes Album ‚Mecanical Eye’ wiederentdeckt und wollte wieder das Experiment wagen“, erklärt Mauss die auf Erzählstimme, Soundeffekte und Gitarre reduzierten Songminiaturen. Letztere erinnern an den Minimalismus seines Debüts und sind gleichzeitig Ausdruck seiner Auflehnung gegen die Gefälligkeit des Wohnzimmer-Pops. Entschleunigte Stücke wie „I’m A Child“ feiern die Melancholie mit digitalem Regenfall, tanzbar scheint alleine „Lover“, doch bleibt „Dear Stranger“ immer harmonisch: Auf „dark“ reimt sich im Mauss’schen Kosmos „light“. Der Titelsong könnte nicht passender sein: Der Hörer begegnet fremdartig Schönem und heißt es willkommen.

Live-Auftritte mit Carsten Schulz als Schlagzeuger sind in Planung. Was die weitere Zukunft betrifft, lässt sich TG Mauss treiben und bleibt die große musikalische Überraschung: „Es ist nicht so, dass ich mich neu erfinden muss, aber ich weiß auch nicht, wohin das führt.“

Mehr Musik Features

Konzert

Juicy Beats 2018: Das sind die erst...

Ja schau, welch verfrühtes Weihnachtsgeschenk kommt dann da [mehr...]
27.+28.7. Westfalenpark, Dortmund
Musik

Klang-Therapie: Approximation Festi...

Das Klavier ist vielen lediglich als frühkindliches Folterinstrument [mehr...]
Approximation Festival: 24./25.11., Kunsthalle & Salon des Amateurs, Düsseldorf
Musik, Konzert

Nur Gutes: BADBADNOTGOOD

BADBADNOTGOOD - der Bandname springt einen förmlich an. Und schlecht ist [mehr...]
6.11. Bürgerhaus Stollwerk, Köln

Konzertreviews

Konzert | Köln

Fotostrecke: Kasabian in Köln

Am 7.11. spielten Kasabian im Kölner E-Werk. Wir haben euch eine [mehr...]
Musik | Konzert | Dortmund

Kraftklub: Schüchterne Rampensau auf Crowdsurfing-Kurs

9000 Menschen voll in der Hand und dabei irgendwie nahbar und sympathisch: [mehr...]
Musik | Konzert | Oberhausen

Irievoir und Merci: Irié Révoltés nehmen Abschied in Oberhausen

Es gibt dieses besondere Gefühl, wenn beim Konzert das vermutlich letzte [mehr...]
Konzert | Köln

Technik, die begeistert: Helene Fischer in Köln

Ende dieser Woche werden über 80.000 Zuschauer Helene Fischer live in der [mehr...]
Musik | Berlin

Vielfältige Poplandschaft bei Popkultur-Berlin

Wo sonst Städtetouristen kurz innehalten und ihre Smartphones zücken, um [mehr...]