Musikalisches Date mit Düsseldorf

Person von großem Interesse: Hauschka | Foto: Nadine Beneke

Düsseldorf mal anders: Dass die Landeshauptstadt nicht nur in Sachen Mode, sondern auch musikalisch einiges zu bieten hat, bekamen nun 16 internationale Musikjournalisten zu sehen. Die Initiative Musik des Auswärtigen Amtes lud ein, „On Tour in Germany“ zu gehen. Nach einem Tag in Köln kam die quirlige Gruppe gestern mit einem Reisebus in Düsseldorf an.

„Hello“ erschallt es gleich aus mehreren Mündern am Eingang der Hans Peter Zimmer Stiftung. Janine Blöß und Norman Schlupp winken die Schreiber aus Kamerun, Großbritannien, der Ukraine und vielen weiteren Ländern hinein in die erste Station des Dienstags. Weiß und rot gekachelte Wände umrahmen die riesigen Hallen, drinnen warten verwinkelte Räume und gedämpftes Licht. Die zierliche Janine Blöß erzählt in souveränem Englisch über die Entstehungsgeschichte der HPZ-Stiftung, über Hans Peter Zimmer selbst und über die Entwicklung der Location vom Underground-Tipp der 80er hin zur jetzigen Konzert- und Ausstellungshalle. Manch einer nickt vor sich hin, als Blöß bemerkt: „The Stiftung is always under construction.“ Große bunte Bilder an den Wänden, in den Weg gestellte Tische und ein Lüster aus Rohren, bestückt mit durchsichtigen Glühbirnen, zieren das Zimmer. Das liebevolle Chaos verzückt besonders Jinseop Lee, der mit seiner riesigen Kamera beinahe über eine rote Ledersesselwand fällt, und den Vortrag kurz mit einem lauten Klirren unterbricht. Der Südkoreaner lacht und weiter geht’s.

Liebevolles Chaos
Das präparierte Klavier

Improvisation mit Hauschka

Die Düsseldorf-Guides Michael und Michael (Wenzel, Journalist mit Schwerpunkt Musik und Dimitrov, Teamleiter der Abteilung Musik im Düsseldorf Kulturamt) winken ebenso fleißig weiter wie die drei Musik-Initiatoren aus Berlin. Der Weg führt übers „Backstage“ auf den Hinterhof, danach in den kargen, düsteren Raum, der einst den Hells Angels Platz bot. In einem der Zimmer, die noch Spuren der alten Funktion der Fabrikhallen aufweisen (einst wurde hier Brot gebacken) stehen Tische mit Getränken bereit, sowie ein präpariertes Klavier. Hauschka höchstpersönlich begrüßt die Musikinteressierten und stimmt alsbald ein Privatkonzert an. Verzaubert lauschen die Journalisten den teils vertrauten, teils fremden, rhythmischen Klängen des Künstlers. Stille herrscht im Raum, nur verstohlene Knipser der Kameras sind zu hören. Auf die Frage des jungen Ukrainischen Kollegen Sergej Illin, wie viel der Performance improvisiert gewesen sei, antwortet Volker Bertelmann alias Hauschka trocken: „Everything.“

Plattenläden und Kraftwerks Spuren

Galerie Slowboy, l: Miki Yui, r: Michael Wenzel

Gar nicht improvisiert, aber ebenfalls hochinteressant gestaltet sich der weitere Tag: Nach einem kurzen Pasta-Zwischenstopp im Caffé Enuma fährt der Reisebus weiter in die Mintropstraße 16. Hier befanden sich einst die Kling-Klang-Studios, in denen Kraftwerk wirkten. Zwar zog das Studio 2009 nach Meerbusch-Osterath um, Kollege Wenzel versprüht auf dem Hinterhof jedoch die Idee Kraftwerks, die hier noch längst nicht verschwunden ist. Geschichten über die radelnden Kraftwerk-Mitglieder Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben lassen den Geist des Studios ebenso aufleben wie die Kraftwerk-Klänge aus Jinseop Lees Handy. Auch der Regen tut der Stimmung keinen Abbruch. Zumal die Gruppe schnell weiter zur Galerie Slowboy kutschiert wird. „Time for Shopping“ kommentiert Michael Wenzel, als es in das Innere des Gebäudes an der Oberbilker Allee geht. Emiliano Colasanti vom italienischen Rolling Stone bekommt glasige Augen und bemerkt, dass er sowieso an keinem Plattenladen vorbei gehen könne. In der Galerie angekommen begrüßt Miki Yui die Journalisten. In der Hand hält sie das Buch „Ihr könnt mich mal am Arsch lecken“, welches die Kunst ihres verstorbenen Ehemannes Klaus Dinger dokumentiert. Die Räume der Galerie begeistern sofort: Musikschätze en masse in Form von Platten und seltenen Buttons, Street Art an den Wänden und Kunst auf dem Schreibtisch im Zwischenraum laden zum Stöbern ein. Colasanti hält sich konsumtechnisch tatsächlich zurück. Wer weiß, wie lange die nun kommende Tour andauert.

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