Callejon: „Eine große Ehre“

Die Düsseldorfer Formation Callejon hat sich von einer Nachwuchsband zur Institution in der deutschen Metal-Szene gemausert. Anders als der Name der Band Callejon (spanisch für Sackgasse) vermuten lässt, sind die fünf Metalcore-Helden noch nicht gegen die Wand gefahren. Im Gegenteil: Im August verschlägt es die Band für einen Konzertauftritt nach Wacken. Kann das noch getoppt werden? Auf der Suche nach einer Antwort traf coolibri-Autor Michael Wenzel den Sänger Bastian „BastiBasti“ Sobtzick und den Gitarristen Bernhard „Bernie“ Horn bei einer seltenen Verschnaufpause.

Für euer aktuelles Coveralbum „Man spricht Deutsch“ habt Ihr euch umbenannt in Kallejon mit K. Ist das eine Anspielung auf Kraftklub?

Bernie: Nein, eigentlich nicht. Wir haben da auch nicht so viel zu zu erzählen, weil es gar nicht unsere Idee war. Wir haben ziemlich lange geheim gehalten, dass wir ein paar verlauste Bauernbrüder haben. Die haben wir angekettet. Irgendwann sind sie abgehauen und haben sich gedacht: Was machen die Typen da? Die machen Krach, machen ein Album und gehen damit auf Tour - das wollen wir auch.

Basti: Und weil die keine Instrumente spielen können, haben sie angefangen, die letzten „Bravo Hits“ durchzuhören und nachzuspielen. Weil sie kein Englisch sprechen, müssen sie auf Deutsch singen. Das ist die offizielle Geschichte. Die inoffizielle: Uns war wichtig, den Leuten klarzumachen, dass dies kein reguläres Callejon-Album ist, sondern ein Spaßalbum. Das gehört in unseren Kosmos hinein, wir wollten das aber komplett trennen. Deshalb haben wir uns Alter Egos gesucht und auch der Name musste sich kurzfristig ändern. Dass das an Kraftklub erinnert, ist ein witziger Zufall.

Zufall ist wohl auch, dass zwei Coversongs, „MFG“ und „Ein Kompliment“ einen Monat später auf dem Comeback-Album von Heino waren. Wie erklärt ihr euch das?

Basti: „Ein Kompliment“ ist definitiv der größte Sportfreunde Stiller-Song. Da liegt es natürlich nicht fern, den zu covern.

Bernie: Natürlich ist es eine krasse Parallele, dass Heino genau zum gleichen Zeitpunkt ein Coveralbum herausbringt, auf dem er einen Querschnitt durch die deutsche Popszene auf seine Art interpretiert. Wir für unseren Teil wollten es partymäßig machen, nicht zu filigran. Wir dachten halt „Stumpf ist Trumpf“. Vielleicht hat sich Heino das auch gedacht und es hat in seine stumpfe Schlagermanier am besten reingepasst. Möglicherweise gibt es auch mehr Parallelen zwischen unseren Bauerntölpelbrüdern und Heino, als man zunächst einmal denken würde.

In diesem Jahr tretet ihr beim „Wacken Open Air“ auf. Wie ist es zu diesem Ritterschlag gekommen?

Basti: Das Wacken ist natürlich das Mekka aller Metalheads, aber wir freuen uns auf die gesamte Festival-Saison. Dieses Jahr treten wir auch beim Hurricane und beim Southside auf. Wie das kommt, ist relativ langweilig: Wir werden angefragt und einfach gebucht.

Bernie: Auf lange Sicht ist das auch Teil unserer Entwicklung und Teil des Wegs, den die Band genommen hat. Wir hatten damals unerwartet diesen Nachwuchswettbewerb gewonnen und seitdem ist viel passiert. Wir haben ein Album veröffentlicht, wurden von Nuclear Blast gesignt. Dort haben wir zwei Alben rausgebracht, sind dann weggegangen, haben einen neuen Deal gemacht. Die nächsten beiden Alben erschienen bei Four Music. Wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt und uns den Erfolg erarbeitet. Der äußert sich nun darin, dass wir auf so geilen Festival wie dem Wacken spielen. Das ist eine große Ehre. Wacken ist ein Phänomen für sich. Kein Festival ist so legendenumwoben, hat so einen Ruf. Ein Dorf im Nirgendwo, wo einmal im Jahr Leute aus aller Welt hinkommen. Und das funktioniert über die Musik – das ist das Schöne.

Bernie, du hast einmal gesagt, dass du nach einem Konzert mit AC/DC in Japan die Gitarre an die Wand hängen würdest. Gilt die Ansage weiterhin?

Bernie: Ich glaube, dass man etwas Größeres, als mit AC/DC zu spielen, nicht erreichen kann. Klar gibt es auch andere Bands, aber für Basti und mich ist das ein Wunschtraum. Wenn das auch noch in Japan wäre – unfassbar! Überhaupt: In Japan zu spielen, wäre geil.

Basti: Nur vor Frauen, die ausschließlich wegen uns gekommen sind.

Bernie: Genau! AC/DC ist natürlich unsere Vorband. Solange wir Spaß dabei haben und körperlich und psychisch dazu in der Lage sind, werden wir auf jeden Fall weiter Musik machen. Das ist, seit wir halbwegs mündige, erwachsene Menschen sind, Teil unseres Lebens. Keiner von uns kann sich vorstellen, ohne das weiterzumachen.

Basti: Man könnte es sogar noch verschärfen: Es ist nicht nur Teil unseres Lebens, es bestimmt unser Leben von vorne bis hinten. Es ging in den vergangenen Jahren immer nur um Callejon. Das ist das Stück Selbstverwirklichung, das wir uns wünschen. Ein Leben ohne Callejon können wir uns einfach nicht vorstellen.

Noch mal zurück zu Japan: Kennt man euch denn dort?

Bernie: Wir bekommen ab und zu mal Feedback aus dem Ausland. Leute fragen an: Kommt ihr mal hierher? Spielt ihr mal in Amerika, in Brasilien oder Indonesien? Was Japan angeht: Dort gibt es ein paar Importalben, aber richtig released sind wir da nicht.

Basti: Wir müssen da wirklich mal hin und gucken, was passiert.

Wie geht es bei euch weiter? Wann darf man mit einem neuen Album von Callejon rechnen?

Bernie: Wir haben in kurzer Zeit diese beiden Alben gemacht, wenn man das Coveralbum dazu rechnet. „Blitzkreuz“ ist vor einem knappen Jahr rausgekommen. Und wir haben ja noch einiges vor der Brust: zuerst die Festivals, dann fünf weitere Konzerte mit Eskimo Callboy im Oktober. Wir sind dabei, einige Songs zu schreiben. Jeder, der sich kreativ betätigt und da viel Leidenschaft reinsteckt, weiß, dass das halt nicht eine Sache ist, die man dann macht, wenn man Lust hat. Das ist ein Drang und dem muss man nachgeben.

Basti: Songwriting passiert. Wir sind bereits im Songwriting-Prozess und bereiten dahingehend alles vor. Wann das Album genau erscheint, können wir noch nicht sagen, weil „Blitzkreuz“ ja unser Einstieg in die „höhere Klasse“ war. Das nächste Album muss natürlich der Oberhammer werden!

Bernie: Wir sind sehr fleißig und haben Spaß daran, neue Songs zu machen. Aber wir nehmen uns natürlich auch die Zeit, das auszufeilen und gut zu machen, damit das nächste Album ein würdiger Nachfolger wird.

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