Dagewesen: Lee Fields & The Expressions in der Zeche Carl in Essen

| Foto: Nadine Beneke

Normalerweise ist das Gemecker groß, wenn ein Künstler nach einer guten Stunde wieder die Bühne verlässt. Nicht so bei Lee Fields & The Expressions. Mehr geben geht nicht. Das hat der Soulsänger am Montagabend in der Zeche Carl in Essen unter Beweis gestellt.

Um Punkt acht Uhr geht es los. Mit Soul, wie er nicht schöner sein könnte. Klar, alles nichts Neues: Bläser, Orgel, Rhythmus, Lieder von Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht. Und dennoch: grandios. Denn der augenblicklich präsente Fields ist scheinbar mit allen Instrumenten, insbesondere mit den Drums, verwachsen. Jede kleinste musikalische Regung zeichnet sich auf seinem von einem Anzug mit silbernem Jackett umschlungenen Körper ab. Er stampft auf, geht in die Knie, dreht sich, reißt die Hände in die Höhe.

Glauben erlaubt

Um seinen Hals hängt ein goldenes Kreuz. Glauben ist an diesem Abend erlaubt: Der Soul-Gott singt schließlich höchstpersönlich. Die tätowierte Frau hängt ebenso an Fields Lippen wie der Schnubbi-Hipster mit langen Haaren und der Grauhaarige mit Sechziger-Jahre-Hemd. Der Sänger schmeißt sich immer wieder in Pose, seine kleinen Augen blitzen nur manchmal auf. Zum Beispiel, wenn er das immer stärker tanzende Publikum zum Mitklatschen und Singen animiert. Den Song „Special Night“ kündigt er mit den Worten „A song for this special night“ an, vor dem Titel „Casino“ erzählt er charmant lachend von seinem stetigen Pech als Spieler. Zwischendrin fragt er jeden seiner sechs ebenfalls silbern gekleideten Mitspieler, ob das Publikum wohl Soul habe. Hat es, na klar!

"Der Typ ist der Wahnsinn"

Der Meister seines Genres demonstriert dann beim Mitsingpart noch einmal genau, worum es beim Soul geht: Suspense. Das ewige, prickelnde Herauszögern der großen musikalischen Gefühlsexplosion. Immer wieder muss das Publikum horchen, singen und und warten, bis Fields endlich selbst die Töne heraus schmettert. „Boah, der Typ ist der Wahnsinn“, bricht es aus dem grauhaarigen Mann heraus, der ebenfalls mit dem ganzen Körper mitwipppt. Um Punkt 21 Uhr verabschiedet sich Fields dann. Und wird mit lauten „We want more“-Rufen zurückgeholt. Er verteilt Handshakes an sein losgelöstes Publikum. Die smoothen Gitarrenklänge und Fields' Soul-Power von „Honey Dove“ sind Balsam für die Seele. Knapp zwanzig Minuten danach ist die große Explosion vorbei. Und alle Beteiligten beglückt von dieser – in der Tat - „special night“. Nadine Beneke

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