Die Fantastischen Vier: Unromantische Angebote

Irgendwo im Schwabenland zimmerten vor 24 Jahren vier Jungs eine Bühne aus Europaletten und präsentierten am 7. Juli 1989 in einem ehemaligen Kindergarten ihre erste Live-Show: Ganze vierzig Zuschauer waren Zeuge, wie hier der Grundstein für eine der bemerkenswertesten Musik-Karrieren Deutschlands gelegt wurde.

Michi Beck, Andy Y., Thomas D. und Smudo haben es wie keine zweite Band geschafft, Pop und Rap und einem untrennbaren Gemisch zu etablieren. „Für uns als Heranwachsende“, sagt Smudo, „war die Musik damals das bestimmende und persönlichkeitsformende Kulturgut. Rapmusik damals war real und laut. Da wurden Platten nicht aufgelegt, sondern gekratzt und kaputt gemacht.“

In der Popkultur der Bundesrepublik ist die Band seit vielen Jahren eine fest etablierte Institution. Was im hier und heute im Besonderen anders zu früher ist, erklärt der Sprecher von vielen Hörspielen an ein paar Beispielen: „Die Kinder wachsen heute auf mit Facebook und Twitter. Im Klamottenladen läuft im Hintergrund die heißeste House-Music. Alles ist allgegenwärtig: Musik, Mode, Film, Videospiele. Wenn man dann zurückdenkt und sich fragt, was uns an identitätsstiftender Ware zur Verfügung stand, ist die Liste deutlich kürzer.“ Auf den Punkt gebracht, zieht der ehemalige Wirtschaftsinformatik-Student folgendes Fazit: „Wenn ich heute 13 wäre, und die Revolution wollte, würde ich doch nicht Hip-Hop hören!“

Seit vielen Jahren wohnt der 45jährige Vater von zwei Töchtern in Hamburg: „Ich mache viele Sachen. Ich koche gerne, spiele auch mal Schach oder gehe joggen. Ich komme aber so langsam in ein Alter, wo ich meinen Namen ‚Smudo’ etwas albern finde. Ich bin aber froh, dass es Leute gibt, die noch älter sind und noch behämmerte Namen haben. Bono von U2 zum Beispiel, da denkt man doch an ein Äffchen. Oder Campino, das ist ursprünglich ein Lutschbonbon.“

Bodenständig, einfach, normal – so präsentiert sich Smudo gerne in der Öffentlichkeit: „Ich gehe überhaupt nicht mehr in Diskotheken, ich finde auch Festivals langweilig, ich gehe ganz selten auf Konzerte, und wenn, dann stehe ich da wie ein A&R-Manager und denke, aha, was spielt die Band für Hits, was haben die für ein Publikum.“

Ansonsten sind die Fantas alledings nicht so gesetzt und abgeklärt: Mit Alben wie „Die 4. Dimension“, „Lauschgift“ oder „Fornika“ dehnte das Kollektiv den Einflussbereich immer weiter aus. Mit vielen Einfällen ist der eigene Stil stets überdacht und erneuert worden. Die Rapper fanden dabei einen eleganten Weg, ihre Texte, Aussagen und Meinungen immer wieder nachvollziehbar aufzufrischen. Gerade der feine, pointierte Humor ist es, der aus den vier ungleichen Charakteren eine unwiderstehliche Einheit formte. „Diese ganzen tollen Geschichten, dass Frauen sich unsere Namen auf ihre ausladenden Brüste tätowieren“, sagt Smudo, „habe ich nie erlebt. Es kommt durchaus, wenn auch sehr selten, zu offenen Angeboten – die sind dann aber genauso unromantisch, wie das klingt.“

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