Das nächste Lied ist ein Cover: Me first and the Gimme Gimmes

Spike Slawson: geschmeidig wie ein lebensgroßer Wackel-Elvis. | Foto: Ines Maria Eckermann

Drogenwitze, Beleidigungen und Punkrock: Am Mittwoch bringen Me first and the Gimme Gimmes im Dortmunder FZW die Massen zum Tanzen. „Seid ihr bereit, nach Dollywood zu reisen?“, fragt Sänger Spike Slawson bevor er „Jolene“ von Dolly Parton mit Druck ins Mikro feuert. „Wir nehmen euch dahin mit – und bringen euch in ein paar Minuten wieder zurück. Diese Geschwindigkeit, Leidenschaft und Effizienz gibt es nur bei Me first and the Gimme Gimmes.“ Punkrock in der Premiumausführung.

Mit routinierter Präzision schüttelt Slawson die ausladend-dramatischen Gesten eines Boygroup-Sängers aus den Ärmeln seines goldenen Sakkos. Dabei wird er nicht müde immer wieder zu erwähnen, dass es sich beim nachfolgenden Song um eine Plagiat handelt. Auch das: Routine. „Es wird euch überraschen, aber wir sind eine Coverband“, gesteht Slawson schließlich. „Nein! Wir sind DIE Coverband!“ Lasziv blickt er dabei über den Rand seiner schwarzen Sonnenbrille in die wabernde Menschenmasse vor der Bühne, während er geschmeidig wie ein lebensgroßer Wackel-Elvis zwischen seinen Bandkollegen hin und her schreitet.

Nassgeschwitzte Satinhemden

Bei Paula Abduls „Straight Up“ schwitzen sich die Bandmitglieder allmählich in die Satinhemden, als versuchen sie sich mit schwarzer Schrumpffolie zu laminieren. Die goldene Hochglanzkrawatte baumelt wild hin und her als Ersatz-Bassist Jay Bentley (Bad Religion) mit elastischen Beinen in Richtung des Gitarristen Chris Shiflett tänzelt. Von außen ist sein Kopf bereits ergraut, doch von innen ist er immer noch randvoll mit Flausen. Die hat auch Fat Mike, der im FZW nicht dabei ist. Schließlich sei der Bassist damit beschäftigt, im Geld seiner Fans zu schwimmen. Davon ist zumindest Slawson überzeugt.

Me first and the Gimme Gimmes: Punkrock in der Premiumausführung | Foto: Ines Maria Eckermann

Für viele Besucher ist der Abend eine Zeitreise in ihre Jugend. Seit über zwei Jahrzehnten machen Me frist and the Gimme Gimmes aus schnöden Popsongs Punkrock, zu dem es sich bestens pogen lässt.  Am liebsten bedienen sie sich für ihre schmissigen Cover am Mainstream der 60er- bis 80er-Jahre. Dabei machen die fünf Helden des Punkrock weder vor Diskoklassikern noch vor Country-Schmalz Halt.  Das letzte Album hat schon sechs Jahre auf dem Buckel. Doch an Schwung verloren hat die Kombo längst nicht. Denn ohne die Bandmitglieder bräche das Punkrock-Universium vermutlich bald zusammen, schließlich ist Me First and the Gimme Gimmes so etwas wie die Hall of Fame der Szene: Sie sind auch Teil von NOFX, Lagwagon oder den Foo Fighters.

Sich darüber durchaus bewusst feiert sich die Band selbst und verwickelt das Publikum vom ersten Takt an in tanzbare Rhythmen. „Ja, ihr habt Recht, das war wirklich gut“, bedankt sich Bassist Jay Bentley für den Applaus der auf und ab wippenden Masse. Um seine ganz eigene Version von „Me And Julio Down By The Schoolyard“ von Paul Simon einzuleiten, erzählt Slawson eine ebenso erfundene wie betont nicht-jugendfreie Entstehungsgeschichte des Songs.

Zugabe: Deutscher Schlager

Solch pikanten Imaginationen, die immer wieder gegen die Decke strebenden Mittelfinger und die charmanten Beleidigungen, die Slawson großzügig über sein Publikum ausschüttet, gehören bei Me first and the Gimme Gimmes zum guten Ton. Davon verzückt springen die ersten Reihen schwungvoll gegeneinander bis ein großflächiges Pogopit entsteht, der erst mit dem letzten Song zur Ruhe kommt. Als Zugabe spendieren die fünf ihrem Publikum einen deutschen Schlager – und das Versprechen, sich nicht über ihren Akzent lustig zu machen, wenn sie sich mal in Kalifornien begegnen sollten. Me first and the Gimme Gimmes wissen nun mal, was sich gehört – und wie sich echter Punkrock anhören muss. Ines Maria Eckermann

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