Konzertkritik: Against Me im Düsseldorfer zakk

Against Me im zakk | Foto: Anna Lisa Schmitz

Ein Mittwochabend, das zakk und Against me, ein Abend in den Farben der LGBT*-Szene. Doch als ich in die Halle komme, scheint jede Gruppierung aus Düsseldorf vertreten zu sein. Am Tresen erkenne ich die gewöhnlichen, aber gegen sonst wenigen, Punk-Rock-Fans. Sie repräsentieren die  Seite der Band, die für den alten Hardcore-Punk steht. Die erste Vorband beginnt zu spielen.

Ebenfalls ein Kontrast zur rauen Punk Rock- Szene - der niederländische Akustik-Musiker Tim Vantol. Er wirkt wie ein fröhlicher Surferboy, der in Lagerfeuer-Stimmung seine Lieder über Heimweh und Familie zum Besten gibt. Ich muss grinsen, als ich die alteingesessenen Fans im Takt verhalten mitwippen sehe. Das alles scheint nicht richtig zu passen, bis ich eine Frau sehe,  die ein schwarzes T-Shirt trägt mit der Aufschrift „Gender is over“. Denn genau das ist die andere Seite der Against Me-Fanbase. Eine, die kurz nach dem Outing von Frontsängerin Laura Jane Grace Teil der Konzerte wurde. Denn Grace als erste transsexuelle Sängerin gibt eine hervorragende Vorbildfunktion für junge Trans-Männer und Frauen ab. Der Raum füllt sich. Immer mehr Menschen kommen, als die zweite Vorband The Dirty Nil auf die Bühne  tritt. Die rockigen Melodien machen Vorfreude auf den Main Act. Als es endlich soweit ist und Against Me auf der Bühne steht, schreie ich so euphorisch wie der Rest des Publikums. Lieder des neuen Albums „Shape Shift Me“ folgen. Mosh Pits und Gesangschöre tun sich auf. Bei jedem neu gespielten Song höre ich Freudenschreie. Mitten im Konzert hält Laura Jane Grace inne und spricht zu uns: „No band, no family, no music or friend can save you - but yourself“ . Sofort darauf erklingt das Lied aus dem gleichnamigen Album „Transgender Dysphoria Blues“. Es handelt von den Problemen, die sie als Frau  in ihrem alten Männerkörper hatte.  Vom Wunsch, als Frau angesehen zu werden. Genau bei diesem Song springen die alten Punk-Rock-Fans noch mehr mit als zuvor. Es ist egal ob Trans oder nicht, die ganze Halle zeigt in diesem Moment Solidarität. Das Lied erzeugt eine „ Es-ist-egal-wer-du-bist-Atmosphäre“. Der Abend zeigt mir, dass Against Me nicht  nur auf die Transexualität ihrer Sängerin heruntergebrochen werden sollte. Ihre Musik ist für jeden etwas und als Band schaffen sie es, ein breites Spektrum zu bedienen, ohne sich in eine Schublade stecken zu lassen.

Anna Lisa Schmitz

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