Ständig auf Achse: Kadavar

Diese Band sieht optisch eher aus, wie eine Truppe Mammutjäger, die um das Jahr 1920 herum am Ural nach alten Urzeitknochen forschte. Mit ihren langen Bärten und verfilzten Mänteln könnten die drei Berliner aber auch die Rollen von Pferdedieben in einem Spaghettiwestern bekleiden, ihr Outfit müsste dafür nicht geändert werden.

Momentan ist das Trio, das einen sehr stilechten Vintage-Sound zwischen Black Sabbath, Mountain und Led Zeppelin spielt, nach längerer US-Tour nun auch wieder bei uns unterwegs. Ihr neues Album ist sogar auf Platz 42 in den deutschen Media Control Charts gechartet – eine faszinierende Tatsache, die selbst bei Metal-Insidern für Erstaunen sorgt. Aber musikalische Trends können sich manchmal blitzschnell ändern. Bands wie Witchcraft, Horisont oder Orchid stehen gerade für die Renaissance des puren Hardrock-Sounds, der so lupenrein klingt, als hätten die jeweiligen Studioaufnahmen zwischen den Jahren 1971 und 1974 stattgefunden.

Mit welchen Ambitionen und Ansprüchen das zweite Album „Abra Kadavar“ aufgenommen wurde, erklärt der Drummer – ein Mann, den alle ,Tiger’ nennen: „Wir wollten, dass die Platte im Frühjahr 2013 erscheint – das war die rein zeitliche Vorgabe. Ansonsten denkt man natürlich permanent darüber nach, welchen Weg man einschlagen kann, was man beibehalten oder ändern will. Aber am Ende waren wir da relativ spontan. Das heißt, wir haben uns nicht lange im voraus überlegt, wie das Ganze am Ende ausfallen soll.“

Gitarrist Lindemann ergänzt: „Ich kann mich an kein wirkliches Ziel erinnern, außer das es schnell fertig werden musste. Ich mag es nicht, Konzepte auszuarbeiten und mich selbst zu limitieren. Die Songs sind alle im Studio entstanden und die Texte quasi auf dem Weg von unserer Wohnung ins Studio – und dann noch mal auf dem Weg zurück. Wir haben über das gesamte Jahr Ideen gesammelt und diese dann im Studio zusammengesetzt. Es war eine neue Art zu arbeiten. Das muss aber so schnell nicht wieder sein, denn es war streckenweise schon ziemlich stressig.“

In den letzten zwei Jahren ist die Band fast ununterbrochen auf Tour. „Allein im letzten Jahr waren wir in mehr als zwanzig Ländern unterwegs“, sagt Lindemann, „und haben dort natürlich viele Menschen getroffen und die unterschiedlichsten Eindrücke gesammelt.“ Sogar das direkte Umfeld freut sich für Kadavar und deren immer größer werdende Popularität. „Ich glaube“, sagt Tiger, „dass fast alle unsere Verwandten und Bekannten es total gut finden, was wir machen. Vor kurzem hat mir meine Tante geschrieben und gesagt, dass sie zu unserem Konzert kommen will. Es ist eher die Generation davor, die sich fragt, was man denn eigentlich ,arbeitet’. Als ich letztes Jahr auf einer Familienfeier war, hat meine Oma mich mit den Worten begrüßt: Wenn ich dich so sehe, dann würde ich mir am liebsten eine große Schere holen und dir die Haare abschneiden!“

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