Fehlfarben: Xenophonie

| Foto: Julia Hoppen

Fragen statt Antworten

Im Düsseldorfer Kulturleben wurde jüngst die Frage laut, ob es überhaupt noch den politischen Song gibt. Im Mainstream wurde man nicht fündig, denn Meinung ist hier noch nie Verkaufsargument gewesen. Entsprechend gespannt ist man auf die Fehlfarben, die mit ihrem frischen Album XENOPHONIE den Schritt vom Postpunk zum Indierock vollenden und ein elegantes Statement zum Zeitgeist abliefern.

„Xenophonie“ heißt soviel wie „Fremdklang“ und befremdlich ist das eröffnende Stück „Dekade 2“ schon ein wenig. Saskia von Klitzings trockenes Schlagzeug und Michael Kemners Bass laufen vorweg, dann gesellt sich ein eindringliches Riff von Gitarrist Uwe Jahnke dazu. Erst nach über einer Minute ertönt Peter Heins vertraute Stimme. Er zählt die Jahre. Als 2022 das Spiel vorbei ist, legen die Fehlfarben erst richtig los. „Ich muss doch schon lang nicht mehr probieren/die Lage wie sie ist, zu kommentieren“, lamentiert Peter Hein im autobiografischen „Lang genug“. Der Querkopf-Poet schreit sich frei von der Last, Sprachrohr einer Generation zu sein, die von ihm Lösungen für das Leben in einer Welt verlangt, deren Mechanismen längst keiner mehr versteht. Statt Antworten zu geben, provoziert er mit Fragen: „Was ist los in der Arbeitswelt?/Wird hier noch irgendetwas hergestellt?“ Handeln ist angesagt, aber Vorsicht: Nach der Revolution bleibt die Küche kalt! „Richtig in falsch“ klagt mit Paukenschlag und Saxofon den Werteverfall in der Wirtschaft an, „Glauberei“ karikiert die Mechanismen religiösen Wahns. Bei aller Zeitkritik kommt dank „Hygieneporzellan“, einem Loblied auf die Kloschüssel, der Humor nicht zu kurz.

Auf XENOPHONIE präsentieren sich die Fehlfarben als wiedergeborene Band. Mit Produzent Moses Schneider als Regisseur befindet man sich längst nicht mehr im Jahr 32 nach dem Frühwerk MONARCHIE UND ALLTAG, man rockt wie aus dem Jahr 10 nach KNIETIEF IM DISPO. Hein lebt längst in Wien, „Pyrolator“ Kurt Dahlke zog vor kurzem nach Berlin. Alte Fans sind in Sorge: Sind ihre Helden eine Düsseldorfer Band geblieben? Die Antwort gibt ihnen das schwermütige Meisterstück „Herbstwind“. „Manchmal hilft auch kein Fortunaschal“, heißt es da. Man bleibt am Rhein verwurzelt – und sei es nur um der Melancholie willen.

Fehlfarben live auf dem HeimatErbe-Festival in Essen.

Video

Mehr Musik Features

Musik, Konzert

Schlaflos: Kraftklub touren mit neu...

Gute Neuigkeiten von Kraftklub. Die Chemnitzer Jungs hauen am 2. Juni [mehr...]
28.10., Westfalenhalle, Dortmund
Musik, Konzert

Elektro-Wunderland: New Horizons Fe...

Auf zu neuen Horizonten heißt es für den Nürburgring – zumindest [mehr...]
25.+26.8., Nürburgring, Verbandsgemeinde Adenau
Musik, Konzert

Motive und Beweggründe: Bilderbuch ...

Hinter ironisch gebrochenen Werbe-Slogans erschaffen Bilderbuch eine [mehr...]
28.3., Palladium, Köln

Konzertreviews

Konzert | Köln

Fotostrecke: You Me At Six in Köln

You Me At Six spielten am 20.3. in der Kölner Live Music Hall - und so sah [mehr...]
Konzert | Oberhausen

Mit Schnipo Schranke nackig auf der Cocktailbar

Irgendwie passend: Am gestrigen Weltfrauentag (8.3.) löste das Hamburger [mehr...]
Konzert | Köln

Dagewesen: Johnossi in der Essigfabrik in Köln

Johnossi bei YouTube, da kommt immer noch als erstes „Man Must Dance“, ihr [mehr...]
Konzert | Köln

Fotostrecke: Skunk Anansie zerrocken Köln

Was für eine Frau, was für eine Band, was für ein Abend. Skunk Anansie [mehr...]
Köln

Fotostrecke: Two Door Cinema Club in Köln

Wir haben die schönsten Eindrücke von Two Door Cinema Club für euch [mehr...]