Chuck Ragan: Der Punkrock-Cowboy

Live beim Ruhrpott Rodeo: Chuck Regan | Foto: Lisa Johnson

Amerikanische Songwriter haben eine große Tradition. Von Hank Williams angefangen, über Woody Guthrie bis Bob Dylan, bis hin zu Townes van Zandt und Bonnie „Prince“ Billy. Chuck Ragan gelingt es mit seinem neuen Album „Till Midnight“ diese ehrwürdige Linie elegant weiterzuführen. Hier trifft Redneck-Poetry auf Nashville Country, Bluegrass auf Punkrock und Outlaw-Western-Sound auf Americana Folk.

Mit einem Gros an Einflüssen klingt diese Platte auf den Punkt gebracht wie eine Verneigung vor amerikanischer Folkmusik. Besser noch: wie eine Straßenköter-Version von Bruce Springsteen. Über diese Verbindung ist der Sänger sehr erfreut. „Wow, es ist für mich natürlich eine große Ehre, mit dem ‚Boss’ verglichen zu werden. Unser Anspruch war es, ein schillerndes Album vorzulegen. Aber vielen Dank für den Vergleich, klingt echt cool.“

Chuck lacht viel und wirkt zufrieden. Er ist ein Sympathieträger aus dem Bilderbuch. „Für einen regulären Job hätte ich derzeit gar keine Zeit“, sagt der Vollblutmusiker. „Ständig muss man irgendetwas planen oder organisieren. Natürlich bleibt zwischendrin auch mal ein Tag zum Entspannen. Denn ich brauche auch mal Zeit für mich und zum Entwickeln neuer Songs.“ Ob seine alte Band Hot Water Music noch einmal für ein Comeback bereit sind, lässt Chuck offen: „Wir wohnen alle in verschiedenen Gegenden in Amerika und hatten in den letzten Jahren keinen besonders intensiven Kontakt. Ich kann das derzeit schlecht beantworten. Aber das letzte Kapitel im Buch der Band ist noch nicht endgültig geschlossen.“

Von Festivals und Vorbildern

Seine Punkrock-Wurzeln hat er nicht abgelegt. Wenn er zuhause ist, greift er im Plattenregal immer noch gern zu Bands wie zum Beispiel Quicksand. „Eine Band“, betont er, „die ich absolut bewundere, sind Leatherface aus Sunderland. Das liegt im Norden von England, nahe an der Grenze zu Schottland. Die Art, wie ihr Frontmann Frankie Stubbs Texte schreibt hat mich sehr stark beeinflusst. Er ist ein Poet, der lyrische Wiegenlieder singt – und dabei so rau klingt, als hätte er am Morgen mit Altöl gegurgelt. Ich verehre sie über alles.“

Mit dieser empathischen Haltung wird es Chuck und seinen Mannen leicht fallen, sich ins reinrassige Punkrock-Billing des Ruhrpott Rodeos zwischen Bands wie Lokalmatadore, Cock Sparrer oder Against Me! einzufügen. „Ich liebe es total, in Deutschland zu spielen“, sagt Chuck begeistert und kramt in seinen Erinnerungen: „Auf unserer allerersten Tour waren wir in Rosswein. Das ist ein ostdeutsches 6 000-Seelen-Kaff in der Nähe von Dresden. Die Leute dort haben uns so fürsorglich umsorgt, haben uns quasi jeden Wunsch von den Lippen abgelesen, obwohl wir ja gar nicht viel brauchten. Das werde ich nie vergessen.“

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