Köln singt französich: ZAZ im Gloria

| Foto: Lisa Sänger

Das schönste, was Frankreich derzeit zu bieten hat, ist nicht etwa der alte Herr Eiffelturm oder die eitle Champs d'Elysee, sondern eine junge Dame namens Isabelle Geffroy. Als ZAZ tourt sie derzeit durch Europa und verzauberte am gestrigen Donnerstag auch das Kölner Publikum, das einen Tag vor Erscheinen einen exklusiven Vorgeschmack auf ihr zweites Studioalbum „Recto Verso“ bekam.

Noch bevor ZAZ einen einzigen Ton ans Publikum gerichtet hätte, wird sie von der Menge schon mit herzlichem Klatschen und Jubeln empfangen. Das Kölner Gloria Theater ist bereits seit Wochen ausverkauft, die Schlange vor der Tür reichte bis zur St. Aposteln Kirche. Der Jubel verstummt, die kurzweilige Stille wird bald durch Isabelles markante Stimme durchbrochen, die zu einem afrikanisch klingenden Gesang ansetzt. Schon zum Auftakt wird deutlich: auch auf dem neuen Album schwingt die Französin zwischen Genres und kulturellen Wegmarken hin und her. Mal findet man sich mit Drehorgel und Schiffartsklavier im Soundtrack zur fabelhaften Amelie wieder, mal wird moderner Radio-Pop geliefert. Mit Leichtigkeit bedient ZAZ sich im großen Baukasten der musikalischen Welt und kreiert so ihre eigene Version des Nouvelle-Chansons.

Der Look bleibt indessen französisch elegant. Ein schwarzes Glitzer-Kleid und ein auffallender Ring reichen als Blickfang, den Rest erledigen zwei fröhlich strahlende Augen, die unter einem Pony hervorblitzen. Gut gelaunt tanzt ZAZ über die Bühne und nimmt das Publikum mit jedem Song und jedem Satz mit, die französischen Texte von Hits wie „Je Veux“ oder „Les Passants“ werden mühelos von diesem erwidert und mitgesungen. Für ihre Ansagen geht die Petite Dame dennoch auf Nummer sicher: Charmant liest sie deutsche Sätze von einem Blatt Papier ab, Bandmitglieder müssen als Übersetzer herhalten und zur Not wirft sie einfach spanische, englische, deutsche und französische Worte in einen Satz. Isabelle Geffroy wirkt auch auf der Bühne wie eine, mit der man gerne mal an der Bar einen trinken würde.

Auch ihre Band wirkt entsprechend entspannt und hat sichtbar Spaß am Musizieren. Eigentlich könnte die Tour ohnehin auch in ZAZ & Band umgetauft werden, denn auch wenn die charismatische Isabelle natürlich im Vordergrund steht, räumen ihre Songs auch den Musikern viel Platz ein, die in diversen Soli ihr können unter Beweis stellen. Die Gitarristen wechseln zwischen Banjo, E- und Akustikgitarre, der Bassist greift zwischenzeitlich zum Kontrabass und der Schlagzeuger schnallt sich ein umgebautes Waschbrett um den Bauch. ZAZ tanzt und springt derweil über die Bühne, imitiert ein Kazu oder setzt sich selbst ans Schlagzeug.

Über 90 Minuten dauert diese Jam-Session, bis das Publikum schließlich mit einer allerletzten Zugabe von der fast heiseren ZAZ glücklich in die Nacht entlassen wird.

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