Die Stunde der Philosophen: Uncle Ho verkünden den Wahnsinn.

Uncle Ho verkünden den Wahnsinn. Uncle Ho zelebrieren den Wahnsinn. Uncle Ho verkörpern den Wahnsinn. Und kein Psychiater kann sie retten …

THE MANUFACTURE OF MADNESS heißt das fünfte Studioalbum von Uncle Ho, und wer das Wuppertaler Trio kennt, ahnt, dass hier der Titel Programm ist. „Wir haben mit unserem letzten Album ALL MUST BE DESTROYED natürlich auch unsere geistige Verfassung gemeint“, schlägt Sänger Julian die Brücke von 2003 bis heute. Alles komplett zerstört, der Wahnsinn regiert. Und Uncle Ho haben auf ihrem neuen Album dokumentiert, wie jener erschaffen wurde.

Natürlich ist die Herstellung des Wahnsinns kein Vorgang, wie man ihn in der Sendung mit der Maus darstellen könnte. Also müssen die beiden Hos Julian und Drummer Björn die Herstellung rekapitulieren. Was nicht so einfach ist, wenn man dem Wahnsinn verfallen ist. Und den Luxus genießt, nicht mehr alles so wahnsinnig ernst nehmen zu müssen: „Ach, das ist schon so verdammt lange her. Kann mich kaum noch erinnern. Das Einzige, was ich noch weiß, ist, dass wir den Song ‚Forgive Forget’ nur deshalb gemacht haben, damit Thorsten zeigen kann, wie gut er Gitarre spielen kann“, versucht Björn etwas Luft in sein Gedächtnis-Vakuum zu bekommen. „Forgive Forget“ ist ein über neun Minuten langes Stück auf dem Album, das hauptsächlich aus einem wahnsinnigen Gitarrensolo besteht. Und Thorsten ist der dritte Ho im Bunde, der den wahnsinnigen Anforderungen eines Uncle-Ho-Mitglieds gerecht wird – mit einer Frau verheiratet sein, die älter ist, zwei Katzen und mindestens ein Kind haben sowie einen wahnsinnigen Drang verspüren, mittels Musik Leute zum Ausrasten zu bringen –, aber sich zum Zeitpunkt des Gespräches als Gitarren-Leiharbeiter mit Bosse auf Tour befindet. „Wir haben bei dem Lied den Raum verlassen“, sagt Björn und glaubt sich erinnern zu können, dass er und Julian in der Zwischenzeit irgendetwas wahnsinnig Wichtiges an der Playstation zu regeln hatten.

fett, roh, live, wüst, ungestüm und schmutzig“

Die Zeit im Düsseldorfer Blacksheep Studio beschreiben Björn und Julian im weiteren Verlauf des Gespräches so: „Das Album ist praktisch ein One-Take-Wonder geworden. Und genau so wollten wir es: fett, roh, live, wüst, ungestüm und schmutzig.“ So klingt es wahrscheinlich auch, wenn Julian ein Steak bestellt. In Bezug auf das Album bedeutet das im Klartext: Es ist ein lupenreines Uncle-Ho-Album geworden. Mit den handelsüblichen Party-Smashern, die so nur die Hos hinbekommen, mit den gnadenlos guten Mid-Tempo Pop-Songs und Thorstens Spielwiese, dem Neunminüter. Zehn wahnsinnige Songs – zehn Statements des Wahnsinns. Doch auf den muss man sich eben einlassen. Weswegen es im Smasher „Talk! Talk! Talk! Talk! Talk!” die ultimative Aufforderung dazu gibt: „you are ready to go off but all you ever do is talktalktalktalktalktalk …“

„Reden ist wahnsinnig wichtig“, meint Björn beschwichtigend, um unmissverständlich hinzuzufügen: „Aber Reden über Musik kann auch schrecklich ermüdend sein. Wen interessiert schon das Gequatsche über Clicktracks, Edits, Overdubs oder Basics? Da hören doch nur noch Nerds zu. Unsere Musik findet nicht im Debattierclub statt, sondern auf der Bühne.“

Uncle Ho: The Manufacture of Madness
VÖ: 17.5.
Smarten-Up/Rough Trade

Video:

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