Billy Talent: Individualität aus dem Role-Model-Store

Sie sind die Beatles der New-Metal-Ära. Wie keine zweite Band ihrer Generation setzen Billy Talent seit ihrem Gründungsjahr 1999 Energie und Originalität in einzigartige Rockmusik um. Dafür werden sie von vielen unterschiedlichen Szenen sehr geschätzt.

Was das Quartett aus Montreal auf ihren vier Alben bislang geliefert hat, verdient Hochachtung: Hier trifft die zupackende Kraft von Post-Hardcore-Bands wie Refused auf das Melodie-Gefühl der Foo Fighters und die Rhythmik von Fugazi. Überraschende Breaks, ausgefeilte Backing-Vocal-Arrangements und eine raffinierte Gitarrenarbeit sind bei dieser Band große handwerkliche Kunst. Billy Talent schaffen es, eine universelle Allzweckwaffe zu sein. Ihr musikalisches Wissen wird von Album zu Album weiter verfeinert, ohne dass die Band sich wiederholt oder gar langweilige Ideen anbietet. Sie sind Heavy Metal und Punkrock, genau wie sie Hardcore, Classic Rock und Pop geschickt vereinen. Stets geschmackssicher und ausgestattet mit dem richtigen Riecher.

Vier eigenständige Rolemodels

So wie sie aus den genannten Genres ein eigenständiges Konglomerat gefertigt haben, sind auch alle vier Mitglieder eigenständige Role-Models, die ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die stechenden und leicht heiseren Kopfstimmen-Vocals von Sänger Benjamin Kowalewicz sind aus Hunderten von Bands heraus sofort erkennbar. „Eigentlich komme ich vom Hip-Hop“, sagt der charismatische 37-jährige Frontmann, „vor allem Bands wie EPMD, Eric B. & Rakim oder Public Enemy haben mich musikalisch sozialisiert, als ich 15 Jahre alt war.“

Gitarrist Ian D’Sa ist nicht nur wegen seiner brikettartigen Psychobilly-Frisur optisch sofort identifizierbar, er ist der fleißige Songschreiber und Ideengeber für viele Songs, wie zum Beispiel „Fallen Leaves“ oder „Surprise Surprise“. Über sein Selbstverständnis sagt er: „Als Jugendlicher war ich schon ein bisschen ein Einzelgänger. Ich hab viel auf meinem Bett gesessen und pausenlos Gitarre geübt, dazu viel Punk, Classic Rock und Led Zeppelin gehört.“

Bassmann Jonathan Gallant ist die Gemütlichkeit in Person, der auf Touren gerne mal alleine loszieht. „Wenn ich kann und Zeit habe, schau ich mir gerne Sehenswürdigkeiten an. Jedes mal wenn wir beispielsweise in Köln spielen, habe ich mir fast immer einen Besuch im Kölner Dom gegönnt. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk.“

Schlagzeuger Aaron Solowoniuk komplettiert diese grundsympathische Viererbande. Er hat ein gesundheitliches Defizit, was er bewundernswert meistert. Im März 2006 wurde bekannt, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist. Mittlerweile konnte Solowoniuk die Krankheit mithilfe von Medikamenten und viel Willenskraft unter Kontrolle bringen, so dass er weiterhin Schlagzeuger der Band sein kann. Ohne seinen zackigen Drum-Drive wäre diese monumentale Rock-Band auch nur sehr schlecht vorstellbar.

Video

Mehr Musik Features

Konzert, Stadtgespräch

Spot an: Das bringt der März in Wup...

Spot an! Wir zeigen euch, was ihr im März im Bergischen Land nicht [mehr...]
Konzert

Buzzcocks live in Hengelo

Die Buzzcocks gehörten Ende der 70er zu den Pionieren der englischen [mehr...]
13.3. Metropool, Hengelo
Konzert, Stadtgespräch

Sleaford Mods live in Bochum

Die Sleaford Mods kommen im April nach Bochum und werden dort vermutlich [mehr...]

Ins aktuelle Album Reinhören

Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Köln

Fotostrecke: Architects in Köln

Am 26.2. spielten die Architects in der Live Music Hall in Köln. Wir waren [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Essen

Konzertkritik: Wanda im Hotel Shanghai

Die Wiener Rockband mit dem schönen Namen Wanda hat am 11.2. dem Hotel [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: The Subways in der Zeche Bochum

Auch eine Grippe hält Billy Lunn und Charlotte Cooper nicht vom Auftritt [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Mono Inc live in Bochum

Ein Martin Engler, der seine Fans am liebsten alle mit Handschlag begrüßt. [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Köln

Konzertkritik: Hozier in der Live Music Hall

Es gibt wohl kaum jemanden, an dem Hoziers äußerst erfolgreicher Song „Take [mehr...]