Düsseldorf feiert: 25 Jahre Unique Records

Unvergessen bis heute: der Unique Club | Foto: Schiko

Aus Liebe zur Musik

Zwischen dem Strudel des schleichenden Labelsterbens und dem klaffenden Maul künstlerischer Beliebigkeit im Pop wirkt es wie das legendäre kleine gallische Dorf aus den Asterix-Comics: Das Düsseldorfer Musiklabel Unique Records feiert in diesem Monat sein 25-jähriges Bestehen und beweist, dass man mit stilistischer Offenheit und Bewusstsein für das Besondere bleibende Akzente setzen kann.

Es war einfach unglaublich: Sollte ausgerechnet die grandiose Beat-Band The Heartbeats kein Label für ihre Musik finden? Kurzerhand gründeten die empörten Düsseldorfer Peter Höppner und Henry Storch ein eigenes Plattenlabel, um die Single „Don’t Tolerate“ der Münchner zu veröffentlichen. Ursprünglich wollten die Musikconnaisseure unter dem Namen Universe Records firmieren, der war aber bereits belegt. Die Alternative fand sich im Englischlexikon: unique – einzigartig. Der Katalog wuchs stetig: Es folgte das Debütalbum „Sins Of The Fourfathers“ der Briten The Prime Movers mit ihrem Sänger Graham Day, Platten der Schweden Wylde Mammoths, der Tommyknockers aus den USA und lokaler Bands wie The Embryonics. Musik zwischen Garage-Rock und Punk, nach deren Veröffentlichung ein Hagel von Demotapes auf die Labelmacher niederging.

„Das Unique war meine Schule, im Guten wie im Bösen."

Ein erstes Zuhause fand der einzigartige Sound des Labels im Rheingoldsaal am Hauptbahnhof, wo Henry Storch gemeinsam mit Künstler Hansa Wißkirchen und anderen DJs die Partygänger freitags auf das Wochenende einstimmte. Vor der durchtanzten Nacht stand meist ein Liveauftritt, wobei sich Acid-Jazzer wie Mother Earth und der französische Hip-Hop-Künstler Soon E MC die Klinke in die Hand gaben. Das stilistische Experiment in der Diskothek verlangte nach einem kleineren Ort als Labor und fand sich ausgerechnet in der verfemten Altstadt: Ein ehemaliges Animierlokal auf der Bolkerstraße wurde zum Mekka für Musikbegeisterte aus der ganzen Republik. Der Unique Club – für Nachtschwärmer nur „das Unique“ – bot Clubkultur pur. Das plüschige Ambiente mit offenen Separées rund um die Tanzfläche wurde zur Kulisse des Nachtlebens und im Video zu „Silly Girl“ der lokalen Pophelden Subterfuge verewigt. Die Veranstaltungsreihe „Wednesday Breaks“ machte die Landeshauptstadt zum Epizentrum der deutschen Drum’n’Bass-Szene, fast jede Nacht konnte man hier ein vielfältiges Programm genießen. „Im Unique konnte ich Rap hören, ohne XXXL-Klamotten zu tragen. Jazz, ohne schlau zu sein. Elektro, ohne schlechte Laune zu haben. Drum’n’Bass, ohne zu tanzen und Soul, obwohl ich noch jung war“, erinnert sich der Fotograf Andreas Schiko. „Das Unique war meine Schule, im Guten wie im Bösen. Das bessere Zuhause für die, denen Düsseldorf zu klein war, aber die auf Düsseldorf standen.“

"Hip Teens, don't wear Bluejeans"

Schikos Fotos, die Max Gadatsch zum zwanzigjährigen Jubiläum des Labels in einem Buch zur Label- und Clubgeschichte zusammenfasste, dokumentieren das bunte Unique-Leben aus Label bei Tag und Club bei Nacht: Ein gealterter Bobby Hebb gibt im Anzug seinen Hit „Sunny“ zum Besten, der von Krankheit gezeichnete Hip-Hop-Künstler J Dilla versetzt vom Rollstuhl aus seine Fans in Ekstase. Die DJanes Chemistry & Storm waren hier, Howie B, Keb Darge und natürlich Eddie Piller. Für Unique gab der Londoner die Schatztruhe seines Labels Acid Jazz zur Veröffentlichung frei. Auf dieser Basis hoben Henry Storch und Tino Stoschek die Compilationreihe „New Testament Of Funk“ aus der Wiege, vergaßen aber nie die lokale Szene. Das Xaver Fischer Trio hat auf Unique bis heute sein Zuhause, und dem Frank Popp Ensemble gelang mit „Hip Teens“ ein bis heute gültiger Überhit.

An den Ort, wo Menschen zusammenkamen, die Musik liebten, erinnert heute nur noch ein getagtes Straßenschild und ein Eintrag im Großen Düsseldorf Lexikon. Das Label hat sich bis heute dem Sterben der Plattenverlage widersetzt. Was ist das Einzigartige an Unique? Vielleicht liegt es an der gelebten Liebe zum Vinyl, was jede Platte zu einem kleinen Kunstwerk macht. Vielleicht an der Stilsicherheit, mit der die Künstler ausgewählt werden. Es geht um Musik mit dem besonderen Detail, Musik mit Seele – sei sie von fantastischen Livebands wie Al Supersonic & The Teenagers oder The Prime Movers. Beide Bands haben ihr Kommen zugesagt, um am 8. Mai den Labelgeburtstag zu feiern. Wie gewohnt wird auch Labelgründer Henry Storch selbst an den Plattentellern stehen und die Nacht zum Tag machen. Auf die Frage, wie es mit Unique Records weitergeht, hat er eine klare Antwort: „Das ist ja wie in einer Ehe: Wer die ersten 25 Jahre schafft, der schafft die nächsten 25 Jahre locker.“

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