Unter Palmen mit Lana del Rey

Schon um die Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle herum hupt es wild. Junge Mädchen, gestandene Männer und mindestens volljährige Begleitpersonen sitzen in Blechgehäusen, mit nur einem Ziel: dem Besuch des Lana del Rey-Konzerts. Ab 18 Uhr waren hier die Pforten geöffnet, um dem Massenansturm Herr zu werden. 

Einmal im Gewühl angekommen geht die Show schnell los. Mit verblüffender Pünktlichkeit steht die Vorband Kassidy auf der Bühne. Vier Schotten um die 20 haben sich Gitarren umgehängt, außerdem tragen sie Ponchos, Jeans und lange Haare. Zur Abrundung des „Sommer der Liebe“-Looks dienen Bärte. Die Optik wirkt offensichtlich: Weibliche Anhängerinnen im Teenageralter bekunden in den vorderen Reihen lauthals ihre Liebe, während Folkrock mit mehrstimmigem Männergesang erklingt.

Ekstatische Mädchen schreien nach mehr, ein mitgekommener Vater gähnt.

Stampfend stehen Sänger Barrie-James O'Neill (von dem im Netz berichtet wird, er „date“ Lana del Rey) und seine drei Gefährten vor einem gerafften, türkis-pink-violetten Vorhang, der Palmen-Schatten wirft. Am linken und rechten Bühnenrand sind zwei schwarze Löwenstatuen platziert. Ein Kerzenständer lässt erahnen, welch pompöse Kulisse hinter dem weißen Schleier wartet. In Stücken wie „Stray Cat“ und „Take another ride“ dominieren hymnische „Ooohs“ und „Aaahs“. Kein Räusperer, kein schiefer Ton verirrt sich hier. Kassidy klingen nach Pferderitt, saftigen Wiesen und Liebesliedern. Passend dazu verabschieden sich die Bärtigen mit einem geschmetterten „I will love you ’til the end of time” nach einer guten halben Stunde. Dann heißt es: „Enjoy Lana del Rey!“ Ekstatische Mädchen schreien nach mehr, ein mitgekommener Vater gähnt. Nebenbei bauen Roadies für die schillernde Hauptperson des Abends um.

In der Pause strapaziert lautstarke, dissonante Hintergrundmusik die Ohren. Ein bisschen klingt sie, als würde es just in einem Horrorfilm spannend werden. Während sich bei den Konzertbesuchern Unmut breit macht, stellt ein bebrillter Mann eine Theorie auf: „Das machen die extra. Damit das Publikum gleich noch entspannter ist.“ Von Entspannung kann allerdings – zumindest für die vorderen Reihen – keine Rede sein. Als eine Arie ertönt, die geraffte Verhüllung fällt und die Palmen-Schatten sich in tatsächliche Palmen verwandeln, folgt hysterisches Gekreische. „Lana, I love you“-Rufe werden im Laufe des Abends noch einige Male laut.

Das Püppchen besticht mit Natürlichkeit.

Das Licht flackert. Goldene Bilderrahmen umhüllen Leinwände und die achtköpfige Band brettert mit getragenen Klängen los. Über allem Ton schweben vier Streicher. Lana del Rey lässt nicht lange auf sich warten. Puppenhaft betritt sie die Bühne, die goldenen Bilderrahmen zeigen im Hintergrund Kreuze, amerikanische Flaggen und die Sängerin selbst in verschiedenen Girlie- und Damenoutfits. Trotz aller Perfektion, trotz aller Überschönheit, passiert das Groteske: Das Püppchen besticht mit Natürlichkeit. Versinkt in ihrer melancholisch-balladesken Musik und bedankt sich unzählige Male beim Publikum: „We’ve been waiting so long to get here.“

Unschuldige Blumen schmücken ihr Haar und die durchsichtigen Ärmel ihres Babydoll-Kleides. „You guys are fuckin‘ amazing!“ freut sich die 26-Jährige. Und das Publikum freut sich mit. Hängt an ihren überdimensionalen Lippen, die immer unglaublichere Töne produzieren. Lasziv nuschelnd in den Tiefen, glasklar und beeindruckend flexibel in den Höhen. Hits ihres Albums „Born To Die“ präsentiert sie dabei ebenso eigen wie einen „Jazzy tune“. Die Coverversionen von „Blue Velvet“ und „Knockin‘ on Heaven’s Door“ klingen schaurig-schön. Der Zauber überwältigt wohl alle. Deshalb verabschiedet sich die Dame auch erst nach einer zehnminütigen Runde durch den Konzertgraben – inklusive Fotoschießen und Autogrammen. Beschwingt gehen die Verzauberten nach Hause. Zu hupen traut sich draußen niemand mehr. 

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