Herrenmagazin: Wir sind die Popper unter denen

| Foto: Nina Stiller

Die vier Hamburger haben einen Labelwechsel vollzogen und starten einen Neuanfang. Zusammen mit Bands wie Frau Potz und Findus haben sie sich auf dem kleinen Hamburger Plattenlabel Delikatess eingefunden und fühlen sich nun sichtlich wohl als „Popper unter den Kopfpunks“.
Als
Nele Posthausen die Herren im letzten Herbst bei Kaffee und Lebkuchen zum Pre-Listening in der Bochumer Zeche trifft, stellen sie schmatzend fest: „Wir machen gerade ein bisschen viel: Album mischen, auf Tour fahren und dann im April schon wieder auf Tour fahren. Im April dann alles.“


Tickets für Herrenmagazin gibts im coolibri-Ticketshop.


Jetzt ist also Zeit für alles. Mit der neuen Platte „Das Ergebnis wäre Stille“ machen sie die große Runde von Oberhausen über Berlin, Köln, Wiesbaden nach München zurück über Gießen wieder nach Hamburg. Als die Band im Herbst zum Kaffeekranz einlädt, sind sie gerade auf tv noir-Tour. Die Konzerte sind bestuhlt, die Atmosphäre sehr ruhig, beinah andächtig, und Sänger Deniz Jaspersen ist sich sicher: „Die Leute hören besser zu!“ Das war die erste richtige Akustik-Reihe der vier Herren, und um sie zu realisieren, mussten die Aufnahmen zum neuen Album beschleunigt werden.

Vielleicht hat es aufgrund des straffen Zeitplans nur für zehn Tracks auf der neuen Platte gereicht, wahrscheinlicher ist aber die Absicht: „Auch mal einfach nicht zu spielen.“ Das dritte Studioalbum soll Energie erzeugen, ohne die Leute „wegzuballern“ – und das gelingt. Mit dem ersten Track „Regen“ haben sich Herrenmagazin laut Gitarrist Torben Leske alias König Wilhelmsburg für „ein kleines Rock-Epos entschieden“. Der Song geht laut nach vorne und endet für Herrenmagazin typisch in einem „Sonnenaufgang“. Die absolute Steigerung aller Töne und Instrumente zum großen Finale des Songs – und zum Start in das Album. Eigentlich ein Widerspruch. Denn tatsächlich setzen Titel wie „Lang nicht mehr da“ eher auf simple Schlagzeugbeats, seltene Gitarrenriffs und ziemlich dominanten engelsgleichen Gesang.

Gratis Download zum Einstimmen

Wer sich schon früh auf die Konzerte im April einstimmen wollte, kann seit geraumer Zeit den siebten Song „In toten Hügeln“ im Netz finden. Zum freien Download. Er startet wie ein typischer Rock-Kracher, trägt die tiefe Melancholie eines jeden Herrenmagazin-Tracks – und macht Pausen. Gut platziert ruhen Gesang und Melodie für große Steigerungen in einfachen Tonverläufen. Es ist also vieles neu und einiges anders an „Das Ergebnis wäre Stille“. Aber eine Sache, die bleibt gleich: Nur weil das hier Pop ist, guter Indie-Pop, ist es noch lange nicht fröhlich. Die Texte bleiben tieftraurig und sind immer mit melancholischer Gesellschaftskritik versetzt. Eine eindeutige Verbindung der Popper zu ihren neuen Punker-Labelkollegen.

herrenmusik.de

Reinhören

Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Emil Bulls in Bochum

La Confianza eröffneten mit viel Power den gestrigen Abend. An early [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Köln

Konzertkritik: Bonaparte im Kölner Gloria

Spritzendes Blut, entblößte Körper, groteske Kostüme – über die Live-Shows [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertkritik: Sohn beim New Fall Festival in Düsseldorf

Schon von weitem strahlt sie dem Besucher im Nachthimmel angeleuchtet [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertkritik: London Grammar in der Tonhalle Düsseldorf

Der Ausdruck „Gemischte Gefühle“ bringt den Abend in der Düsseldorfer [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertkritik: Yann Tiersen im Kölner Gloria

Bekanntheit und Ruhm erlangte Yann Tiersen vor einigen Jahren durch die [mehr...]