Thees Uhlmann: „Ich habe zum Ruhrgebiet eine ganz lange und komische Geschichte."

| Foto: Ingo Pertramer

Auf Kohle geboren und in Schulden gelebt, quält er sich im Stau über den Ruhrschnellweg. Dies ist seine Wiege und dies wird sein Grab, am D&W-Autocenter fährt er dann ab.“ Mit nur wenigen Worten gelingt es Thees Uhlmann auf seinem aktuellen Album „#2“ im Song „Weiße Knöchel“ die süßlich-bittere Melange zwischen Charme und Dilemma einer ganzen Region zusammenzufassen.

„Ich habe zum Ruhrgebiet eine ganz lange und komische Geschichte. Mein Vater hat uns da immer durchgescheucht und uns alles erklärt, weil er Geologe ist“, erzählt der Wahl-Berliner, selbst in einer Kleinstadt in der Nähe von Cuxhaven aufgewachsen. Der Impuls zu „Weiße Knöchel“ sei ihm am Rande eines Besuchs des Punk-im-Pott-Festivals in Oberhausen gekommen. „Wir sind vom Hotel aus auf die Straße getreten und es war wirklich so, als wenn der Kapitalismus da mit dem Faustschlag durchgegangen ist“, erinnert sich Thees nachdenklich und ergänzt am Telefon die eigene Textzeile „Der Spielautomat singt sein einziges Lied, das von der Lüge handelt, dass es Glück gibt“ mit dem für das Ruhrgebiet nur allzu zutreffenden Satz: „Immer da, wo die Leute das wenigste Geld haben, werden die meisten Casinos gebaut.“

Casino Rhuryal

Dass Uhlmann mittlerweile in der Hauptstadt lebt, habe für ihn nur wenig mit dem überbordenden kulturellen Flair zu tun. „Berlin ist mir genauso lieb, wie alles andere. Ein guter Kumpel zum Fußball gucken und dabei die besten Sachen auf der ganzen Welt besprechen. Das ist mir wichtig.“ Dieser Habitus spiegelt sich nicht nur in der bodenständigen Rockmusik von Thees Uhlmann und Band wider, sondern strahlt auch auf das Verhalten der Konzertbesucher über. Sie werden nicht gleich unruhig, wenn der Sänger damit beginnt, erst in aller Ausführlichkeit auf die Ursprünge von Liedern wie „Kaffee & Wein“ hinzuweisen, ehe er sie anspielt. „Ich will alles dafür tun, dass ein Song so doll lebt, wie nur möglich. Dafür muss man die Geschichte erzählen.“

Nächste Gelegenheit dazu ist der anstehende Tour-Auftakt in Essen, auf den sich Thees auch noch aus anderen Gründen freut. „Ich liebe die Weststadthalle. Der einzige Laden, der nicht längs, sondern quer gebaut ist. Außerdem werden viele Freunde wie Mille von Kreator zum Konzert kommen.“ Bliebe noch die Nachfrage, ob es denn eine kleine Chance gibt, dass der Song „Am 7. März“ passenderweise erst nach Mitternacht gespielt wird. „Das versuche ich mal durchzusetzen. Ich bin für solche Spackoaktionen immer zu haben!“

Thees Uhlmann - #2 im Stream

Mehr Musik Features

Konzert, Stadtgespräch

Feine Sahne Fischfilet: Präsentkorb...

Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern sind eine Band mit [mehr...]
13.3. Druckluft, Oberhausen
14.3. zakk, Düsseldorf
Musik

Blur: Neues Album nach zwölf Jahren

Seit 2003 gab es von den Britpop-Urgesteinen keinen musikalischen [mehr...]
Musik, Stadtgespräch

coolibris Musikvideocheck Vol. 9: F...

Das Wetter lässt es noch nicht vermuten, aber schon bald ist es Frühling [mehr...]

Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Köln

Fotostrecke: Kraftklub live im Palladium Köln

Kraftklub haben ihre Fans wie immer vom ersten Takt an voll im Griff. Party [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Köln

Fotostrecke: Architects in Köln

Am 26.2. spielten die Architects in der Live Music Hall in Köln. Wir waren [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Essen

Konzertkritik: Wanda im Hotel Shanghai

Die Wiener Rockband mit dem schönen Namen Wanda hat am 11.2. dem Hotel [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: The Subways in der Zeche Bochum

Auch eine Grippe hält Billy Lunn und Charlotte Cooper nicht vom Auftritt [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Bochum

Fotostrecke: Mono Inc live in Bochum

Ein Martin Engler, der seine Fans am liebsten alle mit Handschlag begrüßt. [mehr...]