Miss Platnum: Glück und Benzin

Alles ist Walt Disney, singt Miss Platnum auf dem letzten Song ihres Mitte März erscheinenden Albums und fasst damit den Grundton von „Glück und Benzin“ zusammen. Alles ist Walt Disney, nur einmal durch die Wirklichkeit gedreht, oder so, wie damals, als man mit der Zimmerantenne die privaten Sender nur körnig und mit leichtem Rauschen empfing.

Opulente Melodien angereichert mit elektronischen Samples. Balkan Beats und folkloristische Balladen. Dazu Ruth Renners warme, kräftige Stimme, mal klar mal durch den Synthesizer verzerrt. So entsteht eine bunte Welt aus verschwommenen Farben wie nach einem ordentlichen Alkoholrausch. „Lila Wolken“ war der Song, der diesen Stil in die Charts brachte und die aus Rumänien stammende Sängerin in den Fokus der Aufmerksamkeit schubste. Neben dem Yasha-Feature „Glück und Benzin“ finden sich mit „Spiegelschrift“ und „Mein Kleid“ noch weiter Songs in dem melancholischen Disco-Pop-Stil auf dem ersten Deutschsprachigen Album der Sängerin. Aber Miss Platnum ist mehr als nur der weibliche Side-Kick für Marteria und Yasha.

Die erste Single des Albums, „99 Probleme“, ist eine Kampfansage an Schönheitsideale, die Musikindustrie und den Vorwurf, sie würde nun die Teenie-Schiene fahren. „Mein Label hat'n Tip, mach mal'n Hit [...] ich mach da nicht mit, dann lieber Kunst/ mach keine Musik für kleine Mädchen und Jungs“. Dazu gibt’s harte Beats, und Sprechgesang. Ein bis zwei Probleme mit ihrem Mann scheint die Gute aber doch zu haben, „Letzter Tanz,“ „Nur die Liebe“ und „Kleiner Schmerz“ erzählen von gescheiterten Romanzen und gebrochenen Herzen. In letzterem setzen heulende E-Gitarren und eine stark verzerrte Stimme Noise-Akzente. In „Gläser an die Wand“ heißt es „Ich weiß ich bin schwierig, dass du mich manchmal hasst/ du hättest so vieles an meiner Stelle ganz anders gemacht/ [ ...] wir waren nie das nette Paar von nebenan/ du bist das was ich will/ und wenn wir feiern fliegen Gläser an die Wand.“ Das Gefühl, anderes als der Rest zu sein und einfach mal auf die Etikette zu scheißen, ist einer der roten Fäden der Platte.

Insgesamt bringt Miss Platnum mit „Glück und Benzin“ frischen Wind in die deutsche Musikszene, fernab von der hochtrabenden Studentenmelancholie ihrer männlichen (meist aus Hamburg stammenden) Kollegen oder dem Mädchengeplärre von Junimond & Co.

 

VÖ: 14.3. Four Music/Sony Music

Video zu 99 Probleme

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