Konzertkritik: Casper in Dortmund - Don't look back in anger

Casper ist, wenn Emo-Kids sich zum HipHop-Beat biegen. Casper ist, wenn hinter jeder Absperrung ein Moshpit tobt. Casper ist, wenn am Ende alle Oasis singen.

Ohne großes Tam Tam tritt Benjamin Griffey aka Casper vor sein Dortmunder Publikum, schließlich geht es nicht um ihn. „Heute ist das letzte Mal, dass wir mit den Jungs von Portugal. The Man auftreten, also seid besonders lieb,“ spricht der Mann, der am heutigen Abend für eine ausverkaufte Westfalenhalle gesorgt hat, und geht wieder von der Bühne. Und die Menge gehorcht nicht das letzte Mal. Um von der nun folgenden Vorband weggefegt zu werden, hätte es die warmen Worte des Gastgebers aber auch gar nicht gebraucht. Kraftvoll, gekonnt zwischen Indie und Stadionrock mit zweistimmigem, beeindruckend hohem Gesang ziehen Portugal. The Man das Publikum auf ihre Seite. Eine Band, die man sich gerne auch solo noch mal anschauen möchte.

„Das heute ist die Legitimation für alles"

Aber nicht heute, heute gehört der Abend dem Mann mit der rauhen Stimme. Und der beginnt seine eigene Show nun doch gewohnt stark, mit dem Song, der auch seine aktuelle Platte „Hinterland“ eröffnet: „Im Ascheregen“. „Alles Endet (aber nie die Musik)“ wird direkt hinterher geschoben. Zwei Hits sind damit verbraten und die Ansage gemacht: Ich hab noch genug auf Lager, um diesen Abend unvergesslich zu machen. Dass dies einziges Ziel des Abends sein muss, macht der Bielefelder gleich deutlich: „Das heute ist die Legitimation für alles, meine Mama ist nämlich heute Abend hier!“ Und so gibt Sohn Benjamin alles. Die Reise in die Vergangenheit beginnt über XOXO, bis zu frühen Werken wie „die Welt hört mich“. Casper mag zwar Leggins statt Baggypants tragen, die Zweifel, ob der Typ da vorne denn ein echter Rapper ist, fegt er jedoch mit feinster Battle-Freestyle Akrobatik, temporeich zu lupenreinen Beats davon.

"Don't Look Back in Anger"

Nachdem das geklärt wäre, kann der Crossdresser weiter Grenzen überschreiten. Das Publikum folgt ihm, wohin er auch will, springt, tobt, singt und kollabiert. Es geht zurück ins Hinterland zur Countrynummer Lux Lisbon und zum Geschichtensong 20m^2, um dann mit den härteren Nummern aus XOXO-Zeiten kurz die alte Liebe Metalcore zu streifen. Gitarrenlastig geht es auf „Hinterland" ja ohnehin zu und so hat Casper live drei Gitarren, Bass, Schlagzeug und ein E-Piano samt Sänger im Rücken. Die eignen sich auch, um die Nummern zu untermalen mit denen sich Casper in die Herzen seiner Fans einbrannte: „So Perfekt“ und „Michael X“. Und dann, ganz am Ende, als die Zugaberufe auch nach Jambalaya nicht verstummen wollen, folgt die letzte Überraschung des Abends, als alle gemeinsam Oasis „Back in Anger“ singen.

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Kommentare

  1. von Lisa Sänger 27.06.14 (14:56 Uhr)

    Hallo Ana,

    der Artikel sagt ja auch nicht, dass nur Emo-Kids zu Casper gehen. Im Gegenteil, die Einleitung macht deutlich, was für ein vielschichtiges Publikum er anzieht. Das Wort Emorapper findet sich in dem Text ebenfalls nicht. Eine Leggins hatte er an dem Tag an, von mir aus kann er aber auch ohne Hose oder im Rock auf die Bühne, da werte ich nicht.

  2. von ana-till-the-end 29.05.14 (17:27 Uhr)

    Emo-Kids biegen sich zum Hiphop?!
    Ich hör Casper, war Auf einen Konzert von ihm und bin kein Emo!
    Ausserdem ist Emo eine Musikrichtung (Emotional Hardcore)
    Und dass er ein Emorapper ist, stimmt auch nicht. Er trägt auch keine Leggins und eigentlich trägt kaum ein Rapper noch Baggy-Jeans!
    Ich geh mal weiter meine "Emo Musik" hören ! -.-

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