Judith Holofernes: „Ich wäre gerne ein Otter“

Judith Holofernes kommt für drei Konzerte nach NRW | Foto: Christoph Voy

Lange war es still um Judith Holofernes. In der 2012 angekündigten Wir sind Helden-Pause schrieb sie Tiergedichte und einen eigenen Blog. Zwischendurch hat die 37-Jährige natürlich auch musiziert. Im Februar kam nun ihr erstes Soloalbum „Ein leichtes Schwert“ heraus, eine fröhliche und persönliche Platte. Nadine Beneke sprach mit Holofernes über ihr neues Album, alternative Familienkonzepte und das „Gutmenschentum“.

Man liest immer sehr viele Beschreibungen wie Blues, Schrammelrock und Punk. Wie klingt dein Solo-Album „Ein leichtes Schwert“ für dich?

Das finde ich eigentlich alles ganz zutreffend. Auf jeden Fall beschreibt das Musik, die ich mag. Mir hat das Herz immer am höchsten geschlagen, wenn Groove-Musik mit einer Punk-Attitüde zusammenkommt. Ich mag es einfach, wenn man zu Sachen tanzen kann, ohne dass es so klingt, als hätte jemand da ein Click Track zusammengeschnippelt.

Auf deinen vorherigen Touren hattest du manchmal den Kotzeimer neben der Bühne stehen und später deine kleinen Kinder mit im Tourbus. Was wirst du auf deiner Tour ab April am meisten genießen?

Ich freue mich unanständig auf die Tour. Das erste Mal werden auch zwei Frauen dabei sein, die die Backing-Gesänge übernehmen. In der Vergangenheit haben das immer die zwei Jungs gemacht, was auch schön war, aber natürlich nie genauso wie ich es gemeint hatte. (lacht) Die Mädels spielen auch Instrumente und sind enorm coole Socken. Die größte Veränderung ist, dass am Schlagzeug nicht mein Mann sitzt. Er hat im Studio die Platte eingespielt, ist aber auf Tour nicht mit auf der Bühne.

Was ist es für ein Gefühl, wenn Pola Roy nicht mitspielt?

Natürlich ist das seltsam für uns, weil wir zwölf Jahre in der gleichen Band gespielt haben und weil er auch diese Platte eingespielt hat. Die Entscheidung war nicht leicht. Auf der anderen Seite war uns aber völlig klar, dass das auf jeden Fall für uns die wichtigste Stellschraube ist, ein neues Lebenskonzept. Aber es wird sicher komisch, wenn er das erste Mal im Publikum steht und nicht auf der Bühne.

Foto: Christoph Voy

Was erwartet das Publikum auf der Bühne?

Ich mag es gerne, wenn eine Band auf der Bühne schon ihre eigene Party ist. Und von den ersten Proben, die wir jetzt hatten, kann ich auf jeden Fall sagen, dass wir eine Party haben werden (lacht). Das sind tolle Leute, die man sich gerne anschaut. Ich freue mich, mit dieser Platte auf Tour zu gehen, weil man das Gefühl hat, dass sie sich relativ unmittelbar erschließt. Auch wenn man nicht alle Texte auswendig kann. Man kann gut dazu tanzen. Die Platte ist auch sehr live-ig eingespielt. Die muss man auf die Bühne bringen. Und ich verspreche hiermit heilig, dass wir nicht nur die Platte runter spielen und dann ist Schluss. Das wären ja nur 50 Minuten. Es wird Überraschungen geben. Aber ich muss dazu sagen, damit keiner enttäuscht ist: Ich kann keine Heldenlieder spielen. Zumindest nicht auf dieser ersten Tour. Wir haben uns ja nicht zerstritten. Ich kann mir nicht einfach die Heldenlieder unter den Arm klemmen und wegrennen.

Was spielt ihr anstattdessen?

Schrammeliges und Tanzbares. Es gibt Lieder, die es nicht auf die Platte geschafft haben. Dann wird es Überraschungen für die Hardcore-Fans geben, die mich schon etwas länger verfolgen. Ich greife auf jeden Fall tief in die Kiste.

Auf deiner Platte singst du: „Ich bin kein Wrack, ich bin eine Havarie“. Legen sich die Schäden langsam?

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich tiefenerholt. Ich kann dadurch, dass ich nur noch für mich selber verantwortlich bin, entscheiden, wann mir was zu viel wird und was mir Spaß macht.

Zum Beispiel deinen Blog, in dem du auch Musiktipps gibst...

Als musikalischer Vollnerd macht mir das natürlich total Spaß. Ich habe schon immer so einen missionarischen Hang gehabt, den Leuten meine Lieblingsmusik auf die Ohren zu knallen. Jetzt habe ich ein Forum dafür.

Unter anderem bist du ja großer Dolly Parton-Fan. Im Sommer kommt sie nach Deutschland. Wirst du hingehen?

Ich habe schon Karten. Ich habe auch extra nochmal Dolly Parton 2014 gegoogelt, um zu schauen, ob sie tatsächlich noch so gut singt. Sie sieht aus wie Horror-Barbie, aber sie singt fantastisch. Sie ist immer noch total toll.

Was erwartest du von ihrem Konzert?

Ich glaube, dass sie eine der besten Entertainerinnen überhaupt ist. Ich hoffe, dass sie viele alte Songs spielt, die ich in- und auswendig kann und morgens zum Gute-Laune-Kriegen mitsinge am Radio. Aber ich will sie auch einfach sehen.

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