Hauschka: Der Klang verlassener Städte

Volker Bertelmann aka Hauschka | Foto: Mareike Foecking

Lautes, dumpfes Hämmern steigert sich unaufhörlich, droht den fernen Ansatz von Melodie zu ersticken und wird schließlich vom Vibrieren gespannter Saiten und Klappern hölzerner Hämmer weggewaschen. „Elisabeth Bay“ ist von düster-gespenstischer Schönheit – der alles erschütternde Opener zu Hauschkas neuem Album „Abandoned City“.

„Das Düstere kommt ein wenig von meiner Arbeit an „Die Ballade vom fliegenden Holländer“ am Hamburger Schauspielhaus. Meine Album-Aufnahmen und die Arbeit an der Musik für das Stück fielen zusammen und mich hat dieses Bedeckte und Ungewisse gereizt.“ So erklärt der Düsseldorfer Pianist und Komponist Volker Bertelmann alias Hauschka seinen neuen musikalischen Weg. „Elisabeth Bay“ ist seine „Stahlwerksinfonie“, das Äquivalent zum Erstling der legendären Band Die Krupps. Die Punks fanden Anfang der 1980er Jahre die Blaupause zum Industrial-Genre im Klang der Metallpressen der Böhlerwerke.

Hauschka hat seine eigene Sprache gefunden, mit dem Klavier als einziger Klangquelle, dem nun Delays, Loopstation und Mikrofone eine neue Farbe verleihen. Die Leersiedlungen dieser Welt geben zwar die Songtitel her, ein Konzeptalbum ist „Abandoned City“ deshalb aber nicht. „Ich habe im vergangenen Jahr zweimal in Kenia gespielt und mich mit Stücken von Diplo und M.I.A. beschäftigt. Ich wollte irgendwie etwas wirklich Basslastiges aufnehmen, das mich daran erinnert“, so Hauschka.

Mit „Thames Town“, einer Melange aus orientalischen Rhythmen und Latin-Melodie, und dem treibenden „Agdam“ sind dem Düsseldorfer gleich zwei potenzielle Hymnen für die Tanzfläche gelungen. „Grundsätzlich ist es für mich eine Herausforderung, mit dem Klavier Tanzmusik zu machen, und ich habe das Gefühl, dass ich mich dem annähere.“ Und wer den melancholischen Hauschka liebt, wird von „Who lived here?“ begeistert sein. Wieder malt der Klangkünstler ein kühl-elegisches Bild, das die Grundstimmung von „Abandoned City“ einfängt: Die Natur ist bereit, den menschenleeren Raum zurückzuerobern. Ein schöner, neuer Tag beginnt.

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