Wummernde Zeitreise: Seeed in Dortmund

| Foto: Arek Goniwiecha

Bevor die Bässe die Seelen in der ausverkauften Westfalenhalle massieren, werden die Gehörgänge der Seeed-Fans zunächst auf die Probe gestellt: Auf die Bühne kommt ein junger Mann mit Nerdbrille und Strickjacke, dessen Musik vor allem von seiner Stimme lebt. Allen Stone gilt als die amerikanische Soulentdeckung des letzten Jahres. Und wirklich, diesem Mann gelingen alle Tonlagen so dermaßen gut, dass man sich zwischendurch fragt, ob das wirklich live ist. Seine Musik ist grooviger Soul, zu dem vereinzelt im Publikum die Hüften gekreist werden. Einige wirken jedoch irritiert „Wer ist das?“ Macht nichts, Stone selbst ist bester Laune, strahlt übers ganze Gesicht und tanzt sich durch sein 30 Minütiges Programm aus dem er dann auch mit wohlwollendem Applaus entlassen wird.

1:0 für den Pott

Nach kurzer Umbaupause geht es direkt weiter: Die ersten Joints machen vor der Bühne die Runde und der Instrumente-spielende Teil von Seeed betritt die selbige, um Peter Fox & Co einen gebührenden Tusch zum Einmarsch zu spielen. Nicht zum letzten Mal an diesem Abend wird  demonstriert, was aus Bass, Blasinstrumenten, Schlagzeug und der Soundmaschine so alles rauszuholen ist. Und dann sind die Dancehall Caballeros auch schon vollzählig und stellen sich schmuck gekleidet  und druckvoll vor: „Wir sind Seeed und das ist unser Gebiet – Hallo Ruhrpott, für euch steht es immer 1:0!“

Molotov Cocktail aus Bass, Trompete und Sprechgesang

Auch bei den nächsten drei Tracks verlassen sie sich auf den Erfolg ihrer alten Scheiben, lassen das Publikum die Teile schwingen, schmeißen die Waterpumpee an und wickeln damit alle um den hübschen kleinen Finger, bis man sich so langsam fragt, gabs da nicht noch was Neues Jungs? Gibt es und zack fliegt einem der Molotov Cocktail aus Bass, Trompete und Rap um die Ohren. Auch die aktuelle Single "Augenbling" wird an diesem Abend nicht für die Zugabe aufgespart, sondern einfach so abgespielt. Die Balladen sind an diesem Abend glücklicherweise nur sparsam gestreut, gerade so, dass sie Tempo und Spannung nur kurzweilig unterbrechen, aber nicht vollkommen raus nehmen. Der Menge gefällts, Hände fliegen in die Luft und auf den Rängen hält es weder Mutti noch Teenie auf dem Stuhl.

Durch die Zeit-Soundmaschine

Das Bühnendesign ist eine Mischung aus Western und Science-Fiction Movie, aus der Wand ragt ein riesiger, leuchtender Halbkreis, der ein wenig an das Stargate-Tor erinnert. Seeed sind zurück in der Zukunft und reisen an diesem Abend durchs Seeed Universum. Tempowechsel, Echos, und kaltes blaues Licht kündigen die Zeitsprünge an. Auch Stücke aus Peter Fox Solorepetoire stehen auf der Liste und auch hier kommt der Verfremdungseffekt zum Einsatz, bis in der Mitter von „Alles neu“ ein Break und warmes Licht das Lied wieder in seinen normalen Rhythmus und ins hier und jetzt katapultieren. Mit Ausflügen ins allgemeine Popgeschehen wird die Solozeit der Band zusätzlich überbrückt: Auf M.I.A.s Paper Planes (slumdog millionaire) singen sie „All I want is Seeed“ und auch Justin Timberlakes „Sexy Back“ wird zur Mash-Up Nummer.

Nach gut 90 Minuten ist es Zeit für die „letzter Song“ und Zugabe-Nummer, all zulange lassen sich die Berliner-Jungs allerdings nicht bitten und lassen sich das Publikum noch zu einigen ihrer Dancehall-Nummern austanzen, bevor sie den Abend, wie man es von Auftritten dieser Größenordnung gewohnt ist, mit Aufstehn und Ding beenden. Wieder sind es also Songs aus den alten Zeiten und so mischt sich in die Euphorie des Abends auch das schleichende Gefühl, dass die Jungs ihrem neuen Album selbst nicht ganz trauen.

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28.2.13 Seeed live in Dortmund (45)

Westfalenhallen Dortmund Vorband: Allen Stone

Seeed, 28.2.13 Dortmund
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