Rocko Schamoni: So wie es ist, so soll es sein

| Foto: Dorle Bahlburg

Der Wahl-Hamburger ist ein vielseitiger Künstler. In den Sujets Film, Fernsehen, Theater, Humor, Literatur, Schmuck-Design oder Musik hat sich Rocko Schamoni schon in den unterschiedlichsten Formaten und Projekten ausprobiert. Aktuell geht er im Frühjahr mit dem Gitarristen Tex Matthias Strzoda auf Tour, um ein paar seiner schönsten Lieder vorzutragen. Im Interview mit Peter Hesse äußerte sich der 46-jährige Multi-Entertainer zu den Themen Erfolg, Bands und – Depressionen.

Gibt es ein Genre, das du gerne noch weiter entdecken möchtest?

Das Kino, weil es sehr viele Bereiche umfasst. Du hast mit Musik, Literatur, Theater, Darstellerei, Mode und allen möglichen weiteren Bereichen zu tun. Allerdings ist es in meinem Leben vermutlich zu spät, hier komplett neu einzusteigen. Ich bereue ein wenig, nicht früher auf die Film-Hochschule gegangen zu sein.

Wie definierst du Erfolg?

Ich hätte mir schon gewünscht, mit der Musik, die ich damals vorgelegt habe, etwas erfolgreicher zu sein. Ich hätte gerne unter meinen Bedingungen Erfolg gehabt, aber vor gut 25 Jahren hat sich das nicht eingestellt. Noch heute ist das in der Schwebe, weil ich nicht zu Eingeständnisse bereit bin, die mir sicher vieles einfacher machen würden. Ich freu' mich, wenn ab und zu mal etwas mehr erfolgreich ist – und wenn nicht, dann ist es eben der Kunst geschuldet. Aber so wie es ist, so soll es sein.

Was ist dein Antrieb, immer weiter zu machen?

Ich komme ja vom Punk, also von der „Machen-Müssen“-Szene her und hab' immer einen starken Druck gehabt, Energie in „irgendetwas“ umzuwandeln. Meine Projekte waren dabei nie sachkundig einstudiert. Ich bin einer, der häufig freud- und neidvoll jene betrachtet, die etwas wirklich gelernt haben. So wie Helge Schneider zum Beispiel oder mein Kollege Heinz Strunk von Studio Braun, der exzellent Flöte oder Saxophon spielt. Das bringt mir Spaß, aber letztendlich kommt es aber darauf nicht an, es geht ja nur um Technik.

Worauf kommt es denn an?

Mir geht es eher um Vision. Wenn ich mir diese Casting-Show-Formate ansehe, geht es dort immer nur um Technik und nie um den einzigartigen Ausdruck oder wirklich speziellen Klang einer Stimme. Immer nur Technik, die aus meiner Sicht keine so große Bedeutung hat. Es wird nie gefragt, ob jemand Witz oder eigene, sonderbare Ideen hat oder vielleicht schräge, aber vorzügliche Songs schreibt. Zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle gab es zahlreiche Hits, die aus tollen und manchmal sehr phantastischen Ideen bestanden

Was begeistert dich zu allererst an einer Band?

Nur weil einer rottig und schrottig daher kommt, bedeutet das noch lange nicht, dass ich ihn gut finde. Früher hatten wir eine Haltung: Wir haben nicht viel, wir wollen auch nicht viel, wir können nicht viel, und wir wollen auch nicht viel können! Wir wollen in Ruhe gelassen werden und über uns selbst bestimmen. Wir wollen Kontrolle über unser Leben haben und erfinden alles, was wir sind, komplett selber.

Aus diesem Impuls sind sehr viele gute Künstler entstanden, die für die Musik auch nachhaltig wichtig geblieben sind. In der Post-Punk-Phase gab es Bands wie beispielsweise Swell Maps oder The Fall, die einen sehr interessanten, harten, strangen und tollen Style erfunden haben. Diese Bands habe ich sehr verehrt, sie haben das Loch zwischen Punk und Kunst kurzfristig gefüllt. Nach der Punk-Welle gab es ein komisches Vakuum, man wusste nicht genau, wo es hingehen soll.

In einer TV-Sendung hast du sehr offen über deine Depressionen gesprochen. Hast du keine Bedenken, zu viel von dir Preis zu geben?

Nö, ich finde es total selbstverständlich, darüber zu reden. Ich rede ja nicht über meine innersten privaten Probleme, was ich von dem oder dem halte oder wie das Verhältnis zu meiner Mutter war. Ich rede über die Systematik von Depressionen. Darüber muss man ganz offen reden können, weil es ein spannendes und interessantes Thema ist – zumindest, wenn man vor hat, damit konstruktiv umzugehen. Vielleicht kann man anderen ja damit etwas sagen, was die möglicherweise ein Stück weiterbringt. Ich habe meiner Depression viel zu verdanken. Deswegen möchte ich auch ganz dankbar darüber reden. Ich habe ganz stark unter ihr gelitten und werde das zukünftig auch. Insofern ist das ein Geben und Nehmen – und darüber darf auch berichtet werden.

Video:

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld


Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertkritik: Cover Me Bad Festival im Port 7

Die einen tragen Piercings, Tätowierungen und die T-Shirts ihrer [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Köln

Konzertkritik: Ben Howard im Kölner Palladium

Ben Howard, das ist dieser freundlich, gut gelaunte, irgendwie unaufgeregte [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Essen

Fotostrecke: Bosse in der Essener Lichtburg

Bosse mit Streichern und Bläsern? Ja, der Axel kanns! In der Essener [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Oberhausen

Konzertkritik: Maybeshewill im Oberhausener Druckluft

Das Druckluft in Oberhausen liegt verlassen und ein wenig verwahrlost auf [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Köln

Konzertkritik: Klaxons und Fenech Soler im Luxor

Es ist noch nicht besonders voll und leider auch gar nicht warm als ich das [mehr...]