Max Herre: Hallo Welt

Vielseitigkeit ist im Wirken von Max Herre ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Nachdem der vollbärtige Stuttgarter im Jahr 2009 mit „Ein geschenkter Tag“ ein eher Songwriting-orientiertes Album herausgebracht hat, ist der neue Longplayer unter anderen Vorzeichen entstanden: hier treffen filigrane Kunstwerke auf dicke Beats.


Hier gehts zum Nachbericht von Max Herres Auftritt beim Zeltfestival Ruhr 12.


Allein die ersten drei Singles decken dabei repräsentativ das ganze musikalische Spektrum ab, das auf „Hallo Welt“ auf geschickte Art und Weise zur Entfaltung kommt. Wo „Jeder Tag zuviel“ mit 1970er Jahre Touch und bedrohlichen Blaxploitation-Anleihen in zügigem Tempo mächtig auf das Gaspedal drückt, ist die zweite Single „Wolke 7“ eine kontrastreiche Ballade. Gastsänger Philipp Poisel croont hier den Chorus mit den Worten „Ich schließe die Augen“ derart breit, dass Erinnerungen an den Mundart-Liedermacher Wolfgang Ambros wach werden. In einem weiteren schillernden Gewand ist „Fühlt sich wie fliegen an“ als dritte Auskopplung ein organischer Neo-Soul-Stomper, der gefällig und bittersüß direkt ins Ohr geht. Eine verzerrte Hammond-Orgel und ein schmissiger Beat sorgen hier für den besonderen Swing. Die Gästeliste, die sich für die Aufnahmen zu „Hallo Welt“ die Türklinke in die Hand gedrückt hat, liest sich wie die Empfehlungsliste für ein Festival. Hier findet sich die Chansonette Sophie Hunger aus der Schweiz ebenso, wie die Rapper Tua, Materia, Patrice und natürlich darf der Hip-Hop-Superstar mit der Pandamaske auch nicht fehlen. „Als Cro ins Studio gekommen ist“, sagt Herre, „hat er gleich einen ganzen Tross an Leuten dabei gehabt.“ Der Udo-Lindenberg-Fan betont zudem, nicht jede Eigenkomposition am Reißbrett zu entwerfen: „Es war vorab nicht geplant, dass dieses Album wieder mehr in Richtung Rap geht. Ich finde Songs müssen vor allem musikalisch und glaubwürdig sein“, sagt der Verehrer vom Literaten Max Frisch, der sich nach eigener Aussage noch nie groß mit der Deutsch-Rap-Szene beschäftigt hat. Umso besser, wenn die eigene Handschrift aus einer Vielzahl an Acts herausragt und klar erkennbar bleibt. Das ist Max Herre par excellence gelungen.

Weitere Albumtipps

CDs

Beatsteaks: Beatsteaks

So schmeckt der Sommer: Zum wiederholten Male durchwürfeln die Beatsteaks [mehr...]
VÖ: 1.8. Warner
CDs

Jonah Tolchin: Clover Lane

Die Legende, Hummeln sei es aus physikalischen Gründen eigentlich [mehr...]
VÖ: 25.7. Yep Records/Cargo
Konzert, CDs

Reverend Shine Snake Oil: Anti Soli...

Vom ursprünglichsten Blues bis hin zum schmerzendsten Experiment, von der [mehr...]
VÖ: 12.6. Noisolution/Indigo

Reinhören

Konzertreviews

Konzert | Dagewesen | Mönchengladbach

Konzertkritik: Elton John mit Hubschrauber in Mönchengladbach

Ein Weltstar ist zu Gast in Mönchengladbach. Direkt vor dem Hockeypark [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Festival 2014 | Mönchengladbach

Nachbericht: Das war HORST 2014

Drei Tage, zwei Bühnen, 31 Bands: Beim diesjährigen HORST-Festival in [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Festival 2014 | Düsseldorf

Fotostrecke: Open Source Festival 2014

Auf dem Open Source konnte man dieses Jahr eine Menge zu sehen bekommen: [mehr...]
Kunst | Konzert | Dagewesen | Düsseldorf

Konzertbericht: Impressionen vom Open Source Festival

Am frühen Morgen zeigt sich der Rhein im grauen Morgenrock: Der Fluss ist [mehr...]
Konzert | Dagewesen | Essen

Dagewesen: coolibri auf der Extraschicht - Ruhris sind nicht aus Zucker

Eine Nacht der Industriekultur in Essen. Auf Zeche Zollverein steht „Das [mehr...]