Anoushka Shankar Project: Im Zeichen der Sitar

Anoushka Shankar | Foto: Simon Scheuller

Mit der Sitar-Spielerin Anoushka Shankar betritt im April erstmals eine Vertreterin der Weltmusik die „Zeitinsel“ im Konzerthaus Dortmund. Die mehrtägige, bis dato der abendländischen Klassik vorbehaltene Konzertreihe erlaubt der Musikerin in einer Art Solo-Festival, dem Publikum das breite Spektrum ihres Schaffens vorzustellen.

Anoushka ist die Tochter und Schülerin des im letzten Jahr verstorbenen indischen Sitar-Großmeisters und Komponisten Ravi Shankar. Bravourös beherrscht auch sie das traditionelle, hochkomplizierte Saiteninstrument und hat sich wie ihr Vater der klassischen indischen Musik verschrieben – den sphärischen Klangschleifen der Ragas (melodische Grundstrukturen), von deren spiritueller Kraft sie überzeugt ist. Doch die 1981 in London geborene und in San Diego (Kalifornien) aufgewachsene Künstlerin ist ein Kind beider Hemisphären und ist als solches der Popmusik ebenfalls zugeneigt. Als Ergebnis dieser Liaison wirkte sie bereits bei zahlreichen Projekten namhafter Kollegen mit und nahm mit einigen von ihnen, unter anderem Sting und ihre Halbschwester Norah Jones, das Album „Breathing Under Water“ auf.

Auf der Bühne unternimmt sie ihre musikalischen Experimente zusammen mit der 2007 gegründeten Formation „The Anoushka Shankar Project“, mit der die Kosmopolitin auf der „Zeitinsel“ des Dortmunder Konzerthauses für ein abwechslungsreiches Programm sorgen wird.

Getanzte Freiheit

Schon beim Auftakt der viertägigen Konzertreihe lässt sie sich nicht lumpen, überschreitet kulturelle Grenzen und setzt spirituelle Noten: „Svatantrya“ ist eine ungewöhnliche Performance aus Musik, Tanz und Puppentheater, gleichsam Anoushka Shankars eigenwillige Interpretation des Sanskrit-Begriffs, der frei übersetzt vollkommene Unabhängigkeit bedeutet. Die Inszenierung ist zudem die Weiterentwicklung eines 2009 begonnenen Projekts, das nun durch die norwegische Tänzerin Guro Nagelhus Schia sowie durch Anoushkas Schwägerin, die britische Puppenmacherin und -spielerin Sarah Wright, ergänzt wird.

Brave New Worldmusic

So schlicht der Titel, so ereignisreich dürfte sich der folgende Abend – „Anoushka Shankar & Friends“ – gestalten. Immerhin bietet er einen Vorgeschmack auf Anoushkas neues Album, das im Laufe dieses Jahres bei der Deutschen Grammophon erscheinen wird und ebenso wie „Rise“ und „Breathing Under Water“ indische Sounds mit populären Musikrichtungen verbindet. Shankars musikalischer Partner und Produzent des Albums ist der britisch-indische Gitarrist, Komponist und DJ Nitin Sawhney, der zusammen mit ihr sowie der Sängerin Tanya Wells und einigen „Stammspielern“ des Anoushka Shankar Projects die Sneak-Preview gestalten wird.

East meets West

Auf die Vorschau folgt die Rückschau. Und zwar im doppelten Sinne, denn der dritte Teil des Programms basiert auf ihrem letzten Album „Traveller“, das mit entsprechender Besetzung die indischen Ursprüngen des Flamenco auslotet. Damit war Anoushka bereits Ende 2011 im Rahmen ihrer damaligen Welttournee im Konzerthaus zu Gast. Selbstredend wird „A Raga-Flamenco Journey“ mit Gastmusikern aus dem indischen und spanischen Raum keine Wiederholung dieses Auftritts werden, sondern eine Ergänzung, ein erneuter und erweiterter west-östlicher Dialog der vermeintlich so unterschiedlichen Musikrichtungen.

Hommage an Ravi

Mit „An Evening of Indian Classical Ragas“, einem speziell für das Konzerthaus zusammengestellten Programm aus klassischen indischen Ragas, verabschiedet sich Anoushka Shankar aus Dortmund. Begleitet von ihrem virtuosen Ensemble, das sowohl in der nord- als auch der südindischen Musiktradition zu Hause ist, widmet sie diesen Abend in erster Linie den Kompositionen ihres Vaters.

Summa summarum ein veritables musikalisches Globalisierungsprojekt, das dem vielfach angefeindeten „Label“ Weltmusik sicherlich gut tut.

 

konzerthaus-dortmund.de

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