Ton ab! Tonstudios im Bergischen Land

Produzierte auch schon mal einen Radiospot für coolibri: Carsten Bunse, Studio42 | Foto: privat

Man kann im Kleiderschrank rappen, in der Dusche Effekte aufnehmen, aufs Smartphone sprechen und am Computer bearbeiten und die Wohnung mit Eierkartons dämmen. Man kann aber auch Profis ranlassen und alles hochwertig im Tonstudio produzieren. Im Bergischen Land gibt es da zahlreiche gute Adressen.

Nun ja, Jazzer und Klassiker nutzen Homerecording wohl eher als Memo; um sich Geübtes anzuhören und vielleicht an Kompositionen zu feilen. Für professionelle Aufnahmen aber sollten sie im Bergischen Land am ehesten die Greenhouse Studios in Wuppertal aufsuchen. Pianist, Produzent und Tontechniker René Pretschner bietet in einer freistehenden Villa mit umliegendem großen Park eine sehr ruhige, inspirierende Atmosphäre. Seit 1994 wurden hier zahlreiche Produktionen von teils sehr bekannten Künstlern eingespielt: John Taylor, Aki Takase, Jasper van’t Hof - die Liste ist lang.

Aber wohin geht der HipHopper, der sich im Schrank eine Kabine gebaut hat? Wohin die Rockband, die kreischende Gitarren und knallendes Schlagzeug vernünftig abgemischt haben muss? Ganz neu hat sich aktuell der bekannte Wuppertaler Musiker und Tontechniker Andi Herr mit seinem Heyday-Studio aufgestellt. An der Kreuzstraße in Wichlinghausen bespielt er nun satte 150 Quadratmeter Studio. „Das Herzstück ist ein SSL 4000E Mischpult“, schwärmt er. „Der Aufnahmeraum hat eine Größe von 50qm. Dann gibt es noch einen Gitarrenraum für laute Gitarrenverstärker.“ Produziert wird von Pop bis Metal, durchaus namhafte Künstler arbeiteten schon mit ihm: von Reamonn bis Hape Kerkeling, von Bosse bis Carolin Kebekus.

Nummer 1 in Remscheid

Rock, Pop, Metal, Electro und manchmal gar Schlager - Matthias Donner ist seit 20 Jahren Ansprechpartner Nummer 1 in Remscheid. Von Haltestellenansagen für Busse über Produktionen mit und für diverse DSDS- und Voice-of-Germany-Sternchen bis hin zum Songschreiben oder Instrumentieren, Arrangieren und Produzieren für Kunden. Homerecording sieht er derweil nicht als Konkurrenz an: „Im Endeffekt kommen die Bands, wenn sie es ernst meinen, doch zu mir, weil sie feststellen, dass sie das Qualitätslevel, das ihnen vorschwebt, nicht selber erreichen.“ Und es kommen noch Andere: Im Donner Tonstudio kann man nämlich z. B. auch eine Geschenk-CD produzieren lassen - ein Angebot, das im Internet hundertfach gefunden wird. „Ab 59 Euro, im professionellen Studio“, heißt es da beispielsweise. „Das sind Billigangebote für Gelegenheitsmusiker. Warum nicht?“, sagt Andi Herr wenig überzeugt.

Pult-Power bei Heyday | Foto: privat

Und dann ist da noch ein Wuppertaler, der das eher positiv sieht: „Ich finde das gut. So können Menschen mit Lust auf Musik mal in ein Studio reinschnuppern. Außerdem ist eine besungene oder besprochene CD ein sehr persönliches Geschenk. Das sorgt häufig für Freudentränen beim Beschenkten, manchmal aber auch für ein Schmunzeln “ Carsten Bunse hat am Rand des Briller Viertels sein Studio42. Hier ist er auf Analoges Mastering, Mixing und Audio-Restauration spezialisiert. Zu seinen Kunden gehören z. B. Titania Medien (Hörspiellabel), VPT (Vollplayback-Theater Wuppertal), Metaphysics (Söhne Mannheims), aber auch diverse lokale Produzenten wie DoctorDo (auf Vinyl bei HHV), Charles Petersohn oder DJ KB (Prezident). Zum Thema Homerecording kennt Carsten Bunse sowohl das Für als auch das Wider: „Durch die vielen neuen Möglichkeiten hat sich die Studioszene sicher verändert. Jetzt kann jeder zu Hause seine Musik produzieren, abmischen und mastern. Das nimmt einem Studio zwar Kunden weg. Allerdings bedeutet das auch, das mehr Menschen Musik machen, welche als Kunden wieder dazu kommen. Es hilft ja nicht nur die Technik, sondern für den guten Klang braucht es Knowhow und ein geschultes Ohr (oder 2). Diese Dinge kann man nicht als Software kaufen!“

Kein festes Genre

Weiter östlich in Wuppertal, in der Hermann-Enters Straße, hat Matthias Fingscheidt sein Studio. Drei Aufnahmeräume (ca. 35 qm, 12 qm und 6 qm) stehen für Musiker und Sprecher bereit. Genreübergreifend nehmen hier Bands auf, „die meisten bekannteren Wuppertaler Musiker“, wie Matthias Fingscheidt sagt, der nicht mit Kundennamen rausrücken möchte. „Aber die Stadt Wuppertal zum Beispiel hatte mich mit dem Imagesong zur WM 2006 beauftragt.“ Und während Andi Herr in der Zukunft gerne international arbeiten möchte, Matthias Donner vor allem weitere Optimierung vorschwebt und Carsten Bunse augenzwinkernd auf ein „Studio mit sinnlos teurem Equipment und Pool irgendwo in der Sonne “ hofft, zeigt sich Schlagzeuger und Tontechniker Matthias Fingscheidt hochzufrieden: „Genau da wo ich jetzt bin, bin ich richtig. Die Kombination als Musiker mit Tonstudio ist einfach herrlich!“

Letzte Frage in die Männerrunde: Wo sind eigentlich die weiblichen Tonstudiobesitzerinnen? „Jetzt wo du es sagst ... ich kenne auch keine“, bemerkt Matthias Fingscheidt. „Tja, das weiß ich auch nicht“, so Carsten Bunse. „Produzentinnen und DJanes gibt es ja durchaus, und es werden mehr. Ich denke, das könnte in der Studioszene auch so kommen. Nachfragen für ein Praktikum kamen bei mir aber bisher nur von Jungs.“ Anders im Heyday-Studio: „Praktikantinnen hatten wir schon recht viele. Mal abwarten ...“, meint Andi Herr. Doch, oha, Matthias Donner trumpft: „Strike, ich kenne eine! Gaby, die extrem coole Gitarristin der AC/DC-Tributeband Black Rosie, hat ein Studio in Hannover. Einen kleinen Beitrag zu der Frage kann ich aber auch leisten. Meine Freundin Sabine, die auch seit 30 Jahren Musik macht, in drei Bands spielt und eine exorbitante Bass-Sammlung hat, fährt öfters auch Aufnahmen im Studio, u. a. bei Gender-Projekten, die wir regelmäßig für Remscheider Jugendzentren machen.“ Jörg Degenkolb-Degerli

greenhousemusic.de
heyday-studio.de
donner-studio.de
stu42.de
matthias-fingscheidt.de

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