William Fitzsimmons: Das Gegenteil von Kino

Als Kind blinder Eltern war für William Fitzsimmons die Musik die Brücke in seinem Leben, um mit seinen Eltern zu kommunizieren. Eine Sammlung von Gitarren, Pianos und anderen Instrumenten war Teil des Hauses, und William machte schon früh mit der Musik von Bob Dylan, Joni Mitchell und Leonard Cohen Bekanntschaft. Nach seinem Studium arbeitete der 35-Jährige Songwriter für viele Jahre als Psychotherapeut, bevor er sich vollständig der Musik widmete.

Mitte Februar erscheint sein sechstes Album „Lions“. „Hinter dem Titel steckt kein tiefgreifendes künstlerisches Konzept“, sagt William, „es handelt sich eigentlich um eine simple Metapher. Ich sehe mich selbst und andere Leute als Wesen, die aus zwei gegensätzlichen Hälften bestehen. Auf der einen Seite sind wir ehrenhafte oder sogar anmutige Personen – wie Mutter Teresa, Gandhi oder Nelson Mandela. Auf der anderen Seite sind wir aber auch Personen, die einander verletzen. Ich spreche hier nicht von Krieg und Raketen, sondern von zwischenmenschlichen Grausamkeiten. Auch diese Seite gehört zu der Figur des Löwen, wenn er deinen Kopf abreißt und dich frisst. Die Frage ist, wie man diese beiden Gegensätze unter einen Hut bekommen kann. Für mich persönlich habe ich noch keine endgültige Antwort darauf gefunden.“

Seine Erfahrungen probiert er zu komprimieren, das Erlebte wird als Lied verarbeitet. Herausgekommen sind zwölf atmosphärische Folksongs, die meist nur aus Gesang und akustischer Gitarrenbegleitung bestehen. „Ich bin ein Mensch, der sich vor allem dann gut fühlt, wenn er etwas Aufrichtiges, etwas Echtes erlebt. Das mögen besonders gute Neuigkeiten oder besonders schlimme Erfahrungen sein, aber ich empfinde in diesem Moment etwas sehr Intensives. Beispielsweise, wenn man sich nach einem Streit wieder verträgt, egal, ob mit einem Freund oder mit meiner Frau: In diesem Moment schafft man es, zusammen eine sehr komplizierte Lage zu meistern, indem man ehrlich zueinander ist, um dieses Gefühl dann in einen Erfahrungsschatz aufzunehmen.“

Das wichtigste Gefühl hierbei ist natürlich die Liebe. „Es geht nicht mehr um feurige Leidenschaft, aber dennoch ist die Liebe, die ich heute spüre, stärker. Ich will jetzt nicht wie ein verschrobener Vater klingen, aber es ist einfach die Wahrheit. Ich habe vor einigen Jahren ein kleines Mädchen adoptiert. Und ich empfinde heute die intensivste Form von Liebe, die ich je gefühlt habe. Das ist allerdings das komplette Gegenteil von der Liebe, die dir im Kino vorgespielt wird.“

William Fitzsimmons im Stream:

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26.11. König-Pilsener-Arena, Oberhausen
29.11. Lanxess-Arena, Köln

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