Jennifer Rostock: Tattoo-Fragen sind echt doof

Das aktuelle Album „Schlaflos“ ist bereits der fünfte Longplayer in der Bandgeschichte von Jennifer Rostock. Seit sieben Jahren probiert die Band mit viel Fleiß Alltagsmomente mit Zuversicht in melodiöse Rockmusik zu gießen. Im musikalischen Mainstream sind sie damit längst angekommen.

Zur Vorproduktion des neuen Albums nistete sich die Band im Hannoveraner Horus Sound Studio ein, einem Ort mit großer Tradition. Krautrockbands wie Eloy waren hier in den 70ern zu Gast, Metalbands wie Helloween in den 80ern, und Apocalyptica oder die Guano Apes waren in den 90er Jahren das Aushängeschild in Sachen Crossover. „Mit der Geschichte des Studios habe ich mich gar nicht so intensiv befasst“, sagt Bassmann Christoph Deckert, „wir hatten eher große Zeitdruck-Probleme. Ich habe ein paar Studios abtelefoniert – und das Horus war in dem Zeitraum frei, als wir es brauchten.“ Das klingt pragmatisch und leuchtet ein.

Als Hardrocker wie AC/DC ihre Musik-Karrieren begannen, wollten sie mit ihren Tätowierungen zeigen, dass sie Outlaws sind. Inzwischen sind die Hautbemalungen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was Jennifer Weist, so der bürgerliche Name der Frontfrau, mit ihren zahlreichen Körperbildern symbolisieren will, möchte sie lieber für sich behalten: „Ach, Tattoo-Fragen sind echt doof. Ich habe mir mein erstes mit 13 Jahren stechen lassen – und die meisten haben eine sehr private Bedeutung, darüber möchte ich gar nicht in der Öffentlichkeit sprechen.“

"wir werden immer als die Band mit der tätowierten Ollen wahrgenommen"

Im letzten Jahr saß die 27-Jährige in der NDR-Talkshow, schmiss sich während des Talks an Barbara Schöneberger ran und sagte: „Du hast alles, was eine Frau braucht: Humor und Brüste.“ Das sollte ein Kompliment sein, doch die auf der Ostsee-Insel Usedom geborene Sängerin wirkte dabei ungestüm platt. „Es ist von jeher unser Hauptproblem“, sagt Keyboarder Joe mit flapsigem Unterton, „dass wir als die Band mit der tätowierten Ollen wahrgenommen werden und nicht als Kollektiv mit fünf eigenständigen Individuen. Dabei entscheiden wir alles sehr basis-demokratisch.“ Der Vorteil von Bands, die eine ungerade Mitgliederzahl haben, liege auf der Hand, „weil wir bei allgemeinen Fragen, die die Band betreffen, nicht zu Patt-Situationen kommen, sondern auch bei 3-zu-2-Entscheidungen immer klar mehrheitliche Standpunkte haben. Aber wenn du einer der beiden Unterlegenen bist, fühlt es sich trotzdem doof an.“

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