Gerard: Blau ist eine warme Farbe

Gerard aus Wien gilt neben Casper als weiterer vielversprechender Act im Genre des Songwriter-Raps. Sein neues Album „Blausicht“ entstand in Zusammenarbeit mit einer Garde österreichischer Groove-Spezialisten wie Mainloop oder der deutschen Band OK Kid. Also: „Atme die Stadt“!

Das Besondere an seinen Liedern ist Gerards Blickwinkel, seine Alltagsgeschichten sind durch die Bank mit einem sehr originellen Drive versehen. Dabei schaut Gerard mit viel Respekt auf seine Kollegen: „Von der Erzählweise her finde ich absolut klasse, was Mike Skinner macht“, sagt er und ergänzt, „wie er vom Kleinen aufs Große schließt und Alltagssituationen beschreibt, aber gleichzeitig viel über das Leben an sich sagt, das ist inspirierend für mich.“

Nachdem Skinner The Streets aufgelöst hat, ist er aktuell mit D.O.T. unterwegs; bei diesem Projekt werden kaum Samples verwendet, die Kompositionen werden mit mit echten Instrumenten arrangiert. „Es arbeiten im Hip-Hop zur Zeit viele Leute mit Gitarren“, erklärt Gerard. Seine Soundvision hat eine Person aus dem Umfeld des Warp-Labels maßgeblich beeinflusst: „Jemand wie Hudson Mohawke, der aktuell Sachen für den Rapper Kanye West produziert, ist eine ganz wichtige Figur für mich. Bereits vor sieben Jahren war er als DJ in Wien zu Gast, und ich habe mir gedacht: Wahnsinn, irgendwann wird so Hip-Hop-Musik klingen.“

Video:

„Hals über Kopf verlebt, ich stürz’ in die Clubs"

Doch nicht nur musikalisch hat der smarte Geschichtenerzähler einen eigenen Flow entwickelt, mit zwei Leuten im Management betreibt der sympathische Rapper auch sein eigenes Label: „Als Vertriebspartner konnten wir Groove Attack gewinnen. Die sind zum Beispiel auch für Cro zuständig oder haben früher die Aggro-Berlin-Sachen gemacht. Die haben viel Erfahrung, Indie-Themen betreffend. Ich wollte einfach das, was ich mir für ,Blausicht’ vorgestellt habe, komplett durchsetzen. Das wäre bei einem Major-Label nicht möglich gewesen. Die greifen sich schon an den Kopf, wenn du erzählst, dass die erste Single ein Jahr vor dem Album rauskommen soll.“

Mit seinen Texten spiegelt der 26-Jährige das Lebensgefühl der Generation Maybe wieder, die fehlende Jobperspektiven mit einem ausdauernden Partymarathon kompensiert. Die Zeile „Hals über Kopf verlebt, ich stürz’ in die Clubs, als ob sie mir gehören“ aus dem Song „Verschwommen“ trifft mit viel Schwere den Nagel auf den Kopf.

Doch ein „Fight For Your Right To Party“ kann nicht zur alleinigen Lebensmaxime stilisiert werden, das ist für den Wiener logisch: „Natürlich ist Ausdauer wichtig. Ich habe zum Glück immer Menschen kennengelernt, die es schon bis zu einem gewissen Punkt geschafft haben. Eine Tour zusammen mit Prinz Pi war lehrreich für mich, weil ich da gesehen habe, dass selbst etablierte Acts nur mit Wasser kochen.“

22.8. Zeltfestival Ruhr, Bochum

Casper im Interview: Das Weihwasser wird knapp

Schon Monate vor Tourstart sind viele Konzerte ausverkauft, sein neues Album „Hinterland“ gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Platten des Jahres. Der Wahl-Berliner ist so etwas wie der Marco Reus des deutschen Hip-Hop: Schnell, agil und konterstark rappt sich Casper durch seine Tracks – und das Feld, das er beackert, ist so bodenständig und geerdet wie ein Stadionrasen. Heute spielt Casper [mehr...]


11.7. (19.30 h) 1Live-Bühne, Bochum Total

OK KID: Soundtrack des Jahres

Wie fast in jedem Jahr wartet das Bochum Total-Festival mit einer Vielzahl an Bands auf. Das Trio OK KID gehört am ersten Wochenende vor den großen Sommerferien auf der 1Live-Bühne zu den auffälligsten Acts. Ihre Art Songs zu komponieren ist intelligent, originell und faszinierend zugleich. In der weitläufigen deutschen Hip-Hop-Szene gibt es wahrscheinlich keine Band, die mit OK KID vergleichbar [mehr...]


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