Soundscapes: Pop up the Jazz

Energischer Elektropop: Marbert Rocel

Hätten Sie mal jemanden gefragt, der sich damit auskennt“, warben einmal die Gelben Seiten. Bei der Konzertreihe Soundscapes wird das wohl niemand ausrufen, denn das neue Projekt bietet hochkarätige, handverlesene Acts von Kennern für Kenner.

„Ach, das ist Jazz, Frau Panknin? Ich dachte immer, Jazz ist, wo eine Katze die ganze Zeit schreit!“ Dieses Zitat aus dem Publikum – auf einem der Konzerte, die Iris Panknin im Wuppertaler Café Simonz veranstaltet – hat die Bookerin regelrecht „angefixt“: „Ich möchte Leute auf neue, spannende Musik aufmerksam machen“, so die Musikerin, die vielen als Sängerin bekannt ist. Darum hat sie jetzt gemeinsam mit Charles Petersohn und Vladimir Burkhard die künstlerische Leitung für das neue Projekt Soundcapes übernommen, das ab Februar alle zwei Monate in der VillaMedia mit ausgesuchten Konzertperlen überraschen will. Das Trio bringt eine geballte Ladung Kompetenz mit: Iris Panknin ist seit Jahren mit ihrem Barblues und Jazzpop eine feste Größe in der Stadt, Vladimir Burkhardt als Pianist, Sänger und Entertainer in sämtlichen musikalischen Epochen zu Hause. Und Charles Petersohn prägt als Musiker, DJ, Programmgestalter und Kulturmanager seit zwei Jahrzehnten die musikalische Landschaft Wuppertals.

Der Himmel über Wuppertal

„Es gibt schon viel Kultur bei uns“, erklärt die Vollblutmusikerin den Ansatz der Soundscapes, „aber wir wollen noch mehr innovative, moderne Live-Kultur in die Stadt holen, wie es etwa das Sommerloch bereits vorgemacht hat.“ Das Trio glaubt fest daran, dass Wuppertal den Nährboden für ein hochkarätiges Konzept bietet. „Die Stadt hat einen bemerkenswerten kulturellen Überlebenswillen. Diese Stadt, die gerade ihr Schauspielhaus schließt, war immer schon ein Ort, der für außergewöhnliche Musik zwar kein Geld, aber Entfaltungsraum bereithielt. Oft waren es Wuppertaler Impulse, die die deutsche und internationale Kulturszene aufhorchen ließen: von der Punkszene bis zum Pina Pausch Tanztheater, von Neuer Deutscher Welle bis zum Free Jazz von Größen wie Peter Brötzmann oder Peter Kowald.“ Der Satz des 2002 verstorbenen Kowald ,„Music Is An Open Sky“, passt auf das Soundscapes-Konzept, sich nicht an Genres zu binden. Ob World Music, Jazz, Klassik oder Elektronik, nichts ist unmöglich, Voraussetzung: Eigenständigkeit, künstlerische Innovation und handwerkliche Qualität. Das Trio akquiriert für diesen Anspruch durchweg Acts, die Europa-Klasse erreicht haben oder, noch spannender, auf dem Weg dorthin sind. Demnach strecken die Macher der „Fine Live Concert Series“ ihre Fühler auch im Ausland aus.

Alles, außer gewöhnlich

Von Duesz; Foto: Leif Marcus

The Von Duesz, die am 13. Februar zum Auftakt antreten, hat Iris Panknin in Hamburg beim Elbjazz-Festival entdeckt. Nach Auftritten auf der Berliner Fête de la musique oder dem Fusion-Festival in Lärz kommen nun auch Wuppertaler und Anrainer in den Genuss des Bielefelder „Tanzkrauts“.

Mit von der Party ist bei der Soundscape-Premiere auch die vielbeachtete Elektropopformation Marbert Rocel aus Leipzig, die Charles Petersohn in Berlin gesehen hat. Anders, aber auch elektronisch, bieten sie die perfekte Ergänzung und geben dem Soundscapes-Debüt eine zweite Couleur.

Für die nächste Veranstaltung im April hat Vladimir Burkhardt den vielfach ausgezeichneten Jazzpianisten Simon Nabatov gewonnen, der in Köln und NYC zu Hause ist.

Erste Klasse sind nicht nur die Musik-Acts, sondern auch der insgesamt stimmige Rahmen. Nicht nur, dass der Große Saal der VillaMedia für die Konzerte eine passend stilvolle Location bietet, auch das um die Konzerte herum zugeschnittene Küchenkonzept passt: Skandinavische Küche zu norwegischen Acts, Veganes oder Slow Food zu urbanen Klängen. Ein durchdachter Plan also, den die künstlerischen Leiter gemeinsam mit VillaMedia-Chef Jörg Heynkes und dem Wuppertaler Werber Marius Freitag nun voller Hoffnung auf den Weg bringen. Katzenjammer sucht man indes woanders … Oder, wie Iris Panknin es ausdrückt: „Wir machen kein Programm für jeden, aber wen es interessiert, den interessiert es brennend.“

Marbert Rocel: Small Hours

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