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Die Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 für Violine solo gilt in der Geigenspielkunst als Maß aller Dinge und ist laut Brahms „eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke“, beseelt von „tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen“. Wer diese zu durchdringen vermag, gehört folglich zur allerersten Geigergarde. Um den Bogen aber raus zu haben, bedarf es freilich einer über Jahrzehnte erworbenen musikalischen Reife.
Es sei denn, man heißt Ray Chen und ist mit einem exorbitanten Talent gesegnet, dann spielt man die Chaconne bereits Anfang 20 auf eine Art und Weise, dass den Kritikern die Münder klaffen. Und damit erst gar keine Zweifel aufkommen, kombiniert man dieses Meisterwerk mit anderen Bravourstücken und legt ein selbstbewusst mit „Virtuoso“ betiteltes Debüt-Album vor. Dass man in der Folge zum „Jungen Wilden“ am Konzerthaus Dortmund nominiert wird, ist dann nur eine Frage der Zeit.
Als solcher debütiert der charmant-lässige Wunderknabe allerdings nicht mit besagter Chaconne, sondern mit der dritten Solo-Partita von Bach. Ebenso mit Werken von Franck, Ysaÿe und Saint-Saëns, deren Klavierparts Julien Quentin übernimmt.