Erfrischend unprätentiös: Sophie Hunger

| Foto: Augustin Rebetez

In der Schweiz ist Sophie Hunger schon jetzt ein Superstar, bereits ihr erstes Album „Mondays Ghost“ erreichte im Land der mysteriösen Bankgeheimnisse Platin-Status. Die vielfältige Künstlerin, die den BVB-Trainer Jürgen Klopp sehr verehrt und ihn auch schon in Öl gemalt hat, schaut zum Entspannen liebend gerne Fußball.


Sophie Hunger im coolibri Ticketshop.


„Ich schätze“, sagt Sophie wie aus der Pistole geschossen, „Ottmar Hitzfeld sehr für seine Arbeit als Trainer. Die Schweizer Nationalmannschaft hat er unglaublich weit nach vorne gebracht, gerade wenn man bedenkt, dass ihm in der Schweiz nicht die spielerischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die er beispielsweise bei Bayern München hatte.“ Das runde Leder wird auch in ihrem Video „LikeLikeLike“ aus dem im Oktober 2012 veröffentlichten Album „The Danger Of Light“ (Rough Trade) aufgegriffen. Im luftigen Sommerkleid und mit hochhackigen Pumps stolziert Sophie hier durch ein spätsommerliches Paris und dribbelt den Ball entlang der Seine, schießt ihn vor historischen Museen in die Höhe oder zeigt sich köpfend in der U-Bahn. Diese Frau hat es einfach drauf, zu der feuilletonartigen Ausstrahlung ihrer Musik erfrischende und unprätentiöse Kontrapunkte zu setzen. Kein Wunder, mit ihrer charmanten und unkonventionellen Art hat sie schon viele Zuhörer entflammt.

In meist ruhigen, aber intensiven Kompositionen zwischen Caféhaus-Jazz und Indie-Rock-Korsetten spricht die Sängerin mit ihrer Band sowohl imaginäre Geschichten als auch kontroverse Motive an. „Themen für Songs zu finden fällt mir nicht schwer, ich kann sehr gut in meine Phantasie einsteigen. Ich könnte über jedes Thema ein Lied schreiben, was meine Haltung transportiert. Egal, ob das jetzt ein Käfer ist, der über den Boden kriecht, oder ein Plakat, das an einer Häuserwand hängt.“ Ist es schwer sich als Künstler stetig neu zu definieren? Sophie überlegt kurz und sagt: „Eins der größten Talente der Menschen ist es, dass sie die Fähigkeit besitzen, vergessen zu können. Das Gehirn, so hat es mal ein Neuro-Wissenschaftler erforscht, ist nicht in der Lage, sich physikalisch zu erinnern, sondern Erinnerungen basieren vollständig auf Vorstellungen, die in der Gegenwart abgerufen werden.“

Mit großer Anerkennung reflektiert die Songwriterin, die ihre Texte sowohl in Französisch, Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch darbietet, ihren eigenen Status: „Ich habe zwar auch nur zwei Hände und zwei Füße, ich muss essen und schlafen – und habe ganz viele Bedingungen, die mich einschränken. Die sind zwar nicht politischer Natur, aber dennoch bin ich sehr glücklich, dass ich ein Leben als Musikerin führen darf. Wie viele Personen meiner Generation haben ein Studium mit hoher Qualifikation absolviert und finden einfach keinen Job, weil es, egal ob wir da jetzt den Arbeitsmarkt in Italien oder Spanien als Beispiel nehmen, einfach keinen gibt. Das ist für mich ein großes Privileg, und dafür bin ich sehr dankbar.“

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