Ein Abend mit Tocotronic

Tocotronic im FZW | Foto: Nele Posthausen

Gedanken formen noch ein Bild, aus seiner Seele

Als Tocotronic die Bühne verlassen, bleibt im FZW ein völlig verdutztes Publikum zurück. Und ein Die-Hard-Fan sagt: „Vielleicht muss man sich ja mal fragen, was Pop-Musik eigentlich schaffen wollen kann. Nur zufriedene, glückliche Gesichter die trällernd das Konzert verlassen – oder ist es nicht viel geiler, wenn die Show vorbei ist und du einfach nur geflasht bist. Und du weißt eigentlich gar nicht recht wieso. Du bist einfach geflasht.“

Das Publikum ist so mäßig aufgewärmt, nach Tusq und Chuckamuck. Ein wenig Unverständnis hat sich breit gemacht: Warum darf heute Abend jeder gleich lang spielen? Immerhin passen die drei Konzerte so perfekt ins durchgeplante VISIONS-Programm: Von acht bis elf drei Konzerte, dann stürmen die Djs die kleineren Floors. 

 

Pünktlich zum sphärischen Tocotronic-Intro samt Lichtgewitter ist die Halle dennoch mit gut gelaunten Fans gefüllt. Als heimlicher erster Höhepunkt entpuppt sich der Drei-Klang aus den Hits „This Boy Is Tocotronic“, „Sag Alles Ab“ und wie Sänger Dirk von Lowtzow sagt: „Liebe Freundinnen und Freunde! Deutschland in die Elbe. Aber Hier Leben, Nein Danke!“. Überraschend dabei ist, dass vor allem die alte und ziemlich punkige Nummer „Sag Alles Ab“ das zögerliche Publikum auftaut. Von 18 bis 48 wird kräftig gesprungen.

Eine Mischung die das Konzert ziemlich gut widerspiegelt. Eigentlich geht die Veranstaltung eine Woche nach Veröffentlichung des neuen Albums ja noch als Release-Show durch. Aber Tocotronic bleiben keinesfalls nur bei den neuen Hits von „Wie wir leben wollen“. Das ist für eingefleischte Fans, wie für Neulinge im Tocotronic-All leicht nachvollziehbar: Beinah jeder Songtitel wird in mal krackeliger, mal brennender Schrift in die Hintergrund-Animationen eingebaut. Und die Mischung funktioniert hervorragend.

Denn das 2013er Album reiht sich mit seinen stetigen Wave- und NDW-Elementen nahtlos in die Diskographie der Band ein. Hier ergibt das, was bei anderen Bands und DJs gerade einfach Trend ist, wieder Sinn.

Und wem dann am Ende ein Konzert-Outro mit Migräne-förderndem Blitzlichtgewitter und einem Feedback-Geschwaber der Gitarren, das dann auch noch in Ingrid Cavens „Die großen weißen Vögel“ übergeht, einfach nichts sagen will – dem sei gesagt: Macht nichts. Vielleicht darf man sich auch einfach über „Auf dem Pfad der Dämmerung“ als neuen, richtig guten Pop-Hit freuen. Endlich mal wieder

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