One Eye Open: Die große Sehnsucht mittendrin

Popcorn Heads And Suicide Faces“ ist eines dieser Alben, das den direkten Weg von den Ohren zum Herzen nimmt: Die zehn Songs riechen nach Meer und Moos auf rauem Fels, sie schmecken nach Tränen und nach Schnaps. Eingespielt wurde das melancholische Kleinod nicht etwa auf Island, im Norden Englands oder gar an der Ostküste der USA. Es ist das neue Werk des Trios One Eye Open aus Düsseldorf, das in diesem Jahr den Maßstab für Folkrock setzt.

„Wir sind immer in Düsseldorf gewesen“, bekennt die Stimme der Band, Markus „Major“ Günter, und begräbt damit alle Hoffnungen auf eine abenteuerliche Einleitung zur Bandbiografie. Die bleibt aber, wie sie ist, einzigartig. Denn wer hätte vermutet, dass One Eye Open aus der Grunge-Combo Spunk hervorgegangen sind?

1999 entschied sich Günter, ein paar eigene Songs aufzunehmen. Das Soloprojekt mündete wieder in einer siebenköpfigen Gitarrenband, One Eye Open. Als 2009 die Gigs ausblieben, machte man die Not zur Tugend und brach die Songs der Band auf das Wesentliche herunter. Seit einem Jahr sind „Major“, Heiko Wichelhaus an der Mandoline und Perkussionist Tommy Kirchmann „unplugged“ unterwegs, bei Konzerten auf größeren Bühnen werden sie durch Bass und Geige ergänzt. „Es macht Spaß, das Ganze zu reduzieren und neue Facetten hineinzubringen“, so Günter.

Deshalb sind One-Eye-Open-Konzerte auch keine abgespulten Rituale, sondern Begegnungen mit dem Unerwarteten. Stets sorgen Instrumente wie Melodica, Glockenspiel oder Shrutibox für neue Akzente. „Da ist noch viel Spielraum“, erklärt Tommy mit Blick auf das, was kommt. In der Reduktion beweist sich die hohe Qualität der Lieder, die Vergleiche mit Größen wie den Waterboys und Del Amitri nicht scheuen müssen: Ihr Thema ist die Sehnsucht, sie erzählen aus der Ferne und aus inniger Zweisamkeit und charakterisieren damit treffend die Zerrissenheit der Menschen mittendrin. Das kann feucht-fröhlich wie im Titelsong klingen, kraftvoll („She’s From The Sea“) oder zutiefst melancholisch („Miracle Pictures“). Alle spiegeln Erlebtes wider und sind doch mehr: eine Plattform für die Poesie des Lebens. „Popcorn Heads And Suicide Faces“ macht das wenig Augenscheinliche fühlbar und ist ein mehr als guter Grund, diese Ausnahmeerscheinung in der Musikszene der Landeshauptstadt live zu erleben.

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