Marteria: Minimalistisch zurück in die Zukunft

Die Tanzhits sind bei „Zum Glück in die Zukunft II“ klar gesetzt und in der Unterzahl. Neben der aktuellen Generations-Hymne „Kids (2 Finger an den Kopf)“ eignen sich noch zwei weitere Tracks für den Abend im Club. Ansonsten kommt die neue Scheibe von Marteria ruhiger und noch etwas experimenteller als ihr Vorgänger daher.

„OMG!“ swingt in Gatsby-Manier temporeich nach vorne und schmeißt der Hip-Hop-Szene im Nebensatz ein „Gay OK“ entgegen. Zu späterer Stunde könnte auch die harte Riot-Nr. „Bengalische Tiger“ noch die Tanzfläche füllen. In der druckvollen, bassreichen Nummer setzt Marteria den Protesten dieser Welt, von Hamburg über Istanbul bis nach Kairo ein Denkmal: „Jetzt wird Goethe zitiert also Faust hoch!“ Die übrigen Songs der Platte kommen deutlich ruhiger daher. Statt auf temporeiche Bässe und aufwendige Instrumentals zu setzen, ist „Zum Glück in die Zukunft II“ aus minimalistischen Klängen gewebt. Die Tracks werden vor allem durch die tief-brummende Stimme von Marteria getragen, der sich mit Takt- und Sprachgefühl durch die Lieder rappt. Das findet in „John de Travolta“ seinen Höhepunkt, wo beinahe nur noch Geräusche den Text unterlegen.

Ebenfalls wohl dosiert ist die Liste der Features. Natürlich ist ein Track mit der Lila-Wolken-Crew Yasha und Miss Platnum vertreten. Auch hier malt das Trio wieder gefühlsstarke Bilder zwischen harter Realität und Traumwelten. Ansonsten ist das Album eher von Marterias direktem Humor und seiner manchmal gnadenlosen Ehrlichkeit geprägt. Das kommt beispielsweise in dem Track „Die Nacht ist mit mir“ raus, ein Feature mit Campino: Das Ich sitzt hier an der Bar, bestellt Drink um Drink und fährt eben nicht in der, in „2 Finger an den Kopf“ so treffend beschriebenen, Überholspur aus sauberer Karriere, Schwedenurlaub und Ökotrend.

Insgesamt ist „Zum Glück in die Zukunft II“ eine reife, nachdenkliche Platte. Kopfhörermusik voll guter, eloquenter Beobachtungen, die ohne Diss und Gangsterjargon auskommen, ohne dabei in der Studentenecke zu landen.

VÖ: 31.1. bei Sony Music

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