Konzertbericht: Jahresabsch(l)uss beim Punk im Pott

Die Mimmis

Was für ein Wochenende! Das Fest nach dem Fest ging in die 15. Runde und ließ das Jahr konzertmäßig gebührend ausklingen. In guter Begleitung und mit Bier und Brezeln bewaffnet, ging es Freitag gegen 16 Uhr los in Richtung Oberhausen, und schon beim Umsteigen in Essen wurde klar, dass es wieder voll werden würde. Die S3 war bereits gut gefüllt mit komischen Gestalten, die offensichtlich alle dasselbe Ziel hatten, den Shuttle in die Turbinenhalle nämlich. Hier kam es dann leider auch zum ersten (und einzigen) Ausfall des Tages, als ein ganz besonderer Experte es lustig fand, noch während der kurzen Fahrt eine Scheibe des Busses zu zertrümmern. Bleib beim nächsten Mal doch einfach zuhause, du Arsch! Ansonsten lief alles gut an, kein Gedränge beim Einlass, außerordentlich entspannte Security und eine, für die erste Band, gut gefüllte Halle. Johnnie Rook aus Berlin eröffneten den Tag und machten ordentlich Stimmung mit ziemlich geradlinigem Punkrock und gefühlten 5 Kilo Konfetti. Guter Einstand. Die nachfolgenden Rogers wussten mich nicht zu begeistern, die Marionetz aus München hingegen haben schon irgendwie Spaß gemacht. Und dass, obwohl ich mit dem Label „Fun-Punk“ nie so richtig was anfangen konnte. Die Band um Sänger Sigi Pop (heute mal ganz in Gold) ging aber gut ab und die mittlerweile gut gefüllte Halle ebenso. Als nächste Band betraten Wilde Zeiten die Bühne, denen man ihre (oder besser Sänger Michels) Vorliebe für die Toten Hosen wirklich ansehen und -hören konnte. Wer sich davon überzeugen möchte, kann dies übrigens unter www.wildezeiten.com tun: Die Band hat als nachträgliches Weihnachtsgeschenk ihre neue EP zum freien Download zu Verfügung gestellt. Beim Auftritt der legendären Boskops gehen die Meinungen wohl ziemlich auseinander, viele fanden’s eher durchwachsen, ich fand’s ziemlich gut. Jedenfalls wurde alles gespielt, was ich mir so gewünscht hätte.

Danach wurde es dann richtig kuschelig in der Halle, denn Dritte Wahl betraten die Bühne und haben dieses Jahr auch endlich wieder richtig Spaß gemacht. Seit der ganzen Keyboard-Geschichte war für mich (live) die Luft so ein bisschen raus, dieses Mal allerdings klang alles sehr harmonisch, siehe z. B. hier:

Ne Konfetti-Kanone gab es außerdem auch noch, super! Trotz (oder gerade wegen) ausreichend Bier, außerordentlich guter Pommes und gepflegter Konversation gingen Rantanplan und auch die nachfolgenden Troopers komplett an mir vorbei. Den Abend beendeten wir dann mit Los Fastidios und machten uns mit dem letzten Shuttle-Bus auf den langen Weg nach Hause, wo dann um 4 Uhr die Lichter ausgingen.

Entsprechend spät ging es am nächsten Tag wieder los, diesmal neben Bier und Brezeln auch mit einem „Kater-Killer“-Drink mit Austernpilz und Lemongras-Extrakten, hat bestens funktioniert! Dummerweise verpassten wir durch die verspätete Abfahrt allerdings zwei Drittel der Ruhrpott-Bands. Nach übereinstimmenden Berichten einiger Frühaufsteher waren aber sowohl die Shitlers, als auch Hotel Energieball äußerst sehenswert – beim nächsten Mal dann! Das dritte Drittel, die Idiots aus Dortmund, bekamen wir dann aber wieder mit. Gute Show mit Schweinemaske, blutigem Hemd und so einigen Gitarrensoli, die die Band auch für Wacken passend machen würde. Anschließend endlich Knochenfabrik, die beste Band der Welt! Zum ersten Mal halbwegs nüchtern erlebt und genauso gut wie immer. Massendefekt fielen einer weiteren Pommespause zum Opfer, die waren aber auch echt gut, die Pommes. Um 19 Uhr dann das eigentliche Highlight des Festivals: das Festival der Volxmusik! Pünktlich zu Schließmuskel war die Halle rappelvoll und die Stimmung wirklich super. Ich selbst kannte im Vorfeld nur eine Handvoll Songs von Schließmuskel, war aber ehrlich beeindruckt von der Show, die die vier Herren auf der Bühne ablieferten. Verständlich, warum so viele Leute im Vorfeld immer wieder von Schließmuskel schwärmten. Einen kleinen Eindruck in Bombenqualität gibt‘s hier:

Bin gespannt, ob da noch mehr zu hören/sehen sein wird. Die Mimmis folgten und legten einen klasse Auftritt hin. Zum ersten Mal live gesehen, geht gut ins Ohr. Die Abstürzenden Brieftauben verpassten wir mehr oder weniger, da mal wieder gepflegte Konversation anstand. Die Meinungen nach dem Konzert gingen jedenfalls in beide Richtungen, die einen fanden‘s gut, die anderen eher nicht. Naja, ich oute mich mal und gestehe, dass ich nie auch nur einen Song der Brieftauben je bewusst gehört habe – Fun-Punk und so. Ähnlich verhält es sich mit Egotronic, sicher die musikalisch ausgefallenste Bands dieses Festivals. War ich anfangs doch eher skeptisch, da ich diesen Elektro-Rotz einfach nicht mag, muss ich zugeben, dass es wirklich gut gepasst hat. Super Stimmung in der Halle und insgesamt doch wesentlich besser als erwartet. Loikaemie wurde souverän verpasst, um dann mit Feine Sahne Fischfilet das Festival zu beenden. Bisher nur in kleinen Hallen gesehen, aber auch hier eine Nummer größer, einfach nur großartig! Für mich eine der besten Bands dieses Jahr und der perfekte Abschluss für ein wieder mal fantastisches Punk im Pott! Auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank an Alex und alle Helfer*innen, die wirklich korrekte Security, die Fritteusen-Kraft und sonst alle, die man so getroffen und gesprochen hat! Bis zum nächsten Jahr!

Der Artikel ist in ähnlicher Form zuerst bei Punk im Ruhrgebiet erschienen. 

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