Fettes Brot: Erste Adresse im Party-Pop

| Foto: Jens Herrndorf

Spätestens seit „Bettina, zieh dir bitte etwas an“ oder „Schwule Mädchen“ gehören Björn Beton, Doc Renz und König Boris zu einer der ersten Adresse im Party-Pop. Doch mit ungewöhnlichen Aktionen beweist das Trio, dass es vom Herzen her eine glaubwürdige, linksliberale Band ist.

Nach einem Konzert von den fantastischen Drei im autonomen Kulturzentrum „Rote Flora“ in Hamburg geriet die Band wegen angeblich „schwerem Hausfriedensbruch“ in die Schlagzeilen. Das besetzte Gebäude ist seit über 20 Jahren in der Hand von Links-Autonomen und soll nun von einem Groß-Investor zu einem gentrifizierten Musik-Zentrum umgebaut werden, was vielen Hamburgern übel aufstößt. Sogar die Polizei weigerte sich, das Konzert mit einem massiven Einsatz zu verhindern.

Egal, ob sie sich politisch engagieren oder einen Popsong arrangieren – seit der Bandgründung im Jahr 1992 ist der Verband von Fettes Brot eine feste Einheit. „Wir kennen uns wirklich in- und auswendig“, so König Boris, „was für unsere Produktivität eher förderlich ist.“ In der hiesigen Unterhaltungsindustrie wollen die Brote keine gesichtslosen Clowns sein: „Es ist ein typisch deutsches Problem, wenn man gleichzeitig ernsthaft und humorvoll auftreten will“, sagt König Boris mit nachdenklichem Unterton und ergänzt, „dabei geht das. Jemand wie Heinz Strunk macht das aus meiner Sicht sehr gut.“

3 is ne Party: ausgetüftelt und funky

Anstelle zu versuchen, ein neues „Emanuela“ oder „Nordisch by Nature“ aus dem Hut zu zaubern, ist das neue Album „3 is ne Party“ sehr ausgetüftelt und funky geraten. Die Band probiert, sich fabrikneu zu definieren, was von der Handschrift her an ein New Yorker Hip-Hop-Trio erinnert: „Mit den Beastie Boys verglichen zu werden, das nehme ich jetzt mal als Kompliment – gerade in unseren frühen Jahren haben wir uns sehr an ihnen orientiert.“ In der Vergangenheit immer mal von Gästen (wie James Last, Pascal Finkenhauer oder Tocotronic) im Studio begleitet, ist die neue Platte komplett im Alleingang entstanden. „Mit dem aktuellen Album wollen wir ein Stück weit unsere musikalische Früherziehung dokumentieren“, betont Boris. „Ein Song wie ,Für immer immer' ist unsere persönliche Referenz an Ingo Insterburg, den wir über die Plattenschränke unserer Eltern entdeckt haben.“

Nun gastieren Fettes Brot Ende Januar in der Dortmunder Westfalenhalle. „Dort haben wir schon einmal mitten im Winter gespielt“, erzählt Boris, „an einem Tag, an dem es ununterbrochen geschneit hat. Zwischendurch war es nicht sicher, ob das Konzert wegen den erschwerten Anfahrtsbedingen stattfinden kann – doch am Ende hat es geklappt, und wir haben mit den Leuten eine dicke Party gefeiert.“

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