Dagobert: Mal Stenz, mal Dandy

Dagobert

Musik aus der Schweiz hat oft einen extremen oder eigenartigen Charakter, ob Düster-Metal von Celtic Frost oder Dance-Pop von DJ Bobo. Eine Prägung mit besonderem Schlag haben auch die Lieder von Dagobert, die zwischen Elektroschlager und Discopop pendeln.

Mit einem eigenwilligen Mundart-Akzent gehört der im Kanton Aargau geborene Sänger zu den großen Überraschungen aus dem Land der Alphörner. Seine aktuelle Single „Ich bin zu jung“ erinnert dabei mit ihrem künstlichen Synthesizer-Swing und der souveränen Lockerheit an Andreas Dorau oder Rocko Schamoni.

Deutsche Sänger sind ein gutes Stichwort, denn seit April 2010 wohnt Dagobert in Berlin. „Für meine Begriffe“, so der 31-jährige, „wird das Leben in Neukölln oder am Prenzlauer Berg immer normaler. Die Wohnungen werden teurer, sonst passiert nicht viel. Mittlerweile sieht es hier aus wie in München, alles ist völlig austauschbar geworden.“

Soundcloud

Mit großen Schritten aus der Geheimtipp-Nische

Mit vielseitigen Engagements ist Dagobert derzeit in aller Munde – ob nun mit einem Duett mit Messer, wo er zusammen mit der Band aus Münster den Serge-Gainsbourg-Klassiker „Bonnie & Clyde“ covert, oder ob Dagobert sich als Nebendarsteller in einem Klaus-Lemke-Film behauptet: Der Sänger kommt gerade mit großen Schritten aus seiner Geheimtipp-Nische heraus. „Die Schauspielerei reizt mich jetzt nicht so“, sagt er, „im Film ,Berlin für Helden’ spiele ich mich ja eher selbst. Und ein wirklich guter Film ist das ja auch nicht. ,Rocker’ oder ,Paul’ waren stark, aber etwas wirklich Besonderes hat Lemke schon lange nicht mehr produziert.“

Mit erstaunlich ehrlichen Aussagen weiß Dagobert zu überraschen. Dabei hat er mal was von einem Stenz (wie Monaco Franze), mal was von einem Dandy (wie Falco). „Musikalisch waren die Scorpions für mich die größte Initialzündung, auch das Solowerk von ihrem ehemaligen Gitarristen Uli Jon Roth verehre ich sehr, ich besitze viele seiner Alben.“ Irgendwie vermutet man dahinter ein ironisches Augenzwinkern, doch Dagobert meint alles so, wie er sagt. „Ich würde gern mal, wenn ich es mir aussuchen dürfte, David Hasselhoff kennenlernen. Der legt in alles, was er macht, sehr viel Besessenheit. Das finde ich faszinierend.“

Für sein neues Solo-Album hat Dagobert die Musik vollständig alleine komponiert: „Früher habe ich mit Cubase gearbeitet, heute arrangiere ich meine Lieder am Rechner mit Logic Pro X“, sagt er über seine Produktionsweise. Die Soundästhetik der Basic-Tracks ist dabei stark von den Achtzigern inspiriert, der Geist von Miami Vice oder Giorgio Moroder schwebt durch Songs wie „Raumpilot“ oder „Für immer blau“. Doch ein besessener Musik-Rezipient ist der Songwriter nicht: „Ich möchte lieber die Musik aus mir selber schöpfen und mich nicht zu sehr von etwas anderem beeinflussen lassen.“

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