Öko-Hochzeit: Ganz in grün

Der schönste Tag im Leben ist zumeist mit jeder Menge Aufwand verbunden. Dekoration, Schmuck, Catering und – nicht zu vergessen – der Traum in Weiß müssen ausgesucht, bestellt und anprobiert werden. Manch eine Braut beginnt etliche Monate vorher damit, sich auf den Hochzeitstag vorzubereiten. Doch bleibt bei so viel Planung noch Platz für das ökologische Gewissen? Schließlich ist der Aufruf, brav dem „Lohas“, dem Lifestyle of Health and Sustainability, zu folgen, schon vor einer Weile in die Bundesrepublik herübergeschallt – und zwar in alle Bereiche. Bio-Baumwolle, regionales Essen und ein niedriger CO²-Verbrauch sind jedem ein Begriff. Kein Problem also auch das Hochzeitsfest ganz in grün zu gestalten? coolibri-Autorin Nadine Beneke hat sich über die Möglichkeit der Green Wedding informiert.

Grün Gekleidet

Tatsächlich ist in der Düsseldorfer Talstraße schnell das Modegeschäft Kaethe Maerz zu finden, das nur mit natürlichen und zertifizierten Stoffen arbeitet. Designerin Katrin Wieschenkämper gründete das Label im Jahr 2009, und nahm sich vor, „edle, wilde und authentische“ Kleidung zu kreieren. Meist traditionelle Materialien und frische Farben und Schnitte vereinte Wieschenkämper schon im Label-Namen: „‚Kaethe‘ als altmodischer Name steht für Tradition, Ursprung, Wurzeln, Bodenständigkeit. Der ‚Maerz‘ steht für die Kraft des Frühlings, das Erwachen, Aufblühen, die Erneuerung.“ Hier werden Brautkleider individuell und maßgeschneidert angefertigt. Vom schlichten Abendkleid bis hin zur Robe ist alles möglich. Hautfreundliche Stoffe wie Bio-Leinen oder Kapokfasern, die oftmals als Pflanzenseide bezeichnet werden, treffen hier auf Muschel- und Kokosknöpfe. Viskose, die aus Holz gewonnene, natürliche Kunstfaser, wird ebenfalls verarbeitet. Im Gegensatz zu Synthetikfasern werden hier also keine Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas verbraucht. Um weitere, lebenswichtige Naturprodukte zu sparen, wird das in den Produktionsstätten verwendete Wasser nach Gebrauch gereinigt und wieder in die Natur zurückgeführt. Außerdem bemüht man sich, schon bei der Logistik zu sparen, und so findet die Produktion ausschließlich in Deutschland statt.

„Öko ist sexy!“ – Diese Meinung vertritt auch die Kölner Designerin Olcay Krafft. Sie ist Expertin in Sachen grüne Mode. Mit ihrer neuen Kollektion AvantgardeGreen zeigt sie, dass pestizidfreie Kleidung keinesfalls an Mehlsäcke erinnern muss und gut im festlichen Rahmen funktioniert. Von verspielten Formen bis zu knalligen Farben sind alle Variationen denkbar. Der Clou: Krafft verwendet nur organische Seide und Baumwolle, fair gehandelt. Kinderarbeit, unmenschliche Arbeitsbedingungen und die Verwendung von aggressiven Chemikalien im Prozess des Baumwollanbaus sind absolute „No-Gos“ für ihre Kollektion.

Grün Gespeist

Auch Katrin Hiller vom Restaurant Kaiserhof in Willich bestätigt die vielfältigen ökologischen Möglichkeiten in puncto Hochzeit. Zweimal bereits hat sie mit ihrem Team schon rein vegetarische Öko-Hochzeitsmenüs zubereitet und die Feier entsprechend ausgerichtet: „Das war überhaupt kein Problem.“ Ein Biobauer befindet sich in unmittelbarer Nähe der Gaststätte, so dass der Transport im regionalen Schaltkreis stattfindet und das Essen frisch und ökologisch wertvoll ist. Berlin sei in diesem Punkt allerdings immer noch der Vorreiter, bestätigt Hiller. Tatsächlich bieten einige Hotels der Hauptstadt schon seit längerem rein vegetarische Menüs an. Außerdem hat der Berliner Brautmodenhersteller Kisui kürzlich für eine Veganerin ein Kleid angefertigt, dessen Seidenstoff ohne Tötung der Raupe, wie sonst üblich, gewonnen wurde.

Grün Geschmückt

Auch fürs Schmuckkästchen gibt es gute Nachrichten: Denn um grün zu bleiben, muss es nicht zwingendermaßen ein Trauring aus Holz sein. Die Goldschmiede von Nina Vohs in Köln bietet zum Beispiel überwiegend Gold und Silber aus ökologisch und fair gehandeltem Bergbau an. Dahinter steckt die Organisation OekoAndina e.V., die soziale Projekte organisiert, durch die die „mineros“ (spanisch für Minenarbeiter) aus Argentinien und Bolivien unterstützt werden. Bei OekoAndina e.V. erfolgt der Verkauf der Edelmetalle zu Preisen, die knapp über dem Weltmarkt liegen. Der Aufpreis, der momentan bei sieben Euro pro Gramm Gold liegt, kommt den „mineros“ zu Gute. Die Trauringe sind dabei frei von Cyanid und Quecksilber. Hohe CO²-Emissionen und übermäßiger Wasserverbrauch, sowie Menschenrechtsverletzungen und Vertreibungen werden mit dieser Gewinnungsmethode ebenfalls vermieden.

Um beim Trauringkauf die Umwelt zu schonen, bietet sich außerdem das Recycling an. In der Kölner Goldschmiede können Erbstücke neu verarbeitet werden und falls nötig, lässt die Kölnerin die Schmuckstücke von einer Scheideanstalt aufbereiten. Edelsteine bezieht sie ebenfalls ökologisch wertvoll vom Hamburger Edelsteinhändler Andy Berck, der Minen vor Ort ungeschliffene Rohware abkauft, um sie dann, ohne Zwischenhändler, weiterzuverarbeiten.

Grün Geplant

Für Paare, die gesammelte Informationen zum Thema grüne Heirat benötigen, bietet das Internet eine breite Plattform. Die „Green Wedding Company“ um Ulrike Binias hat sich auf ökologische Eventplanung spezialisiert. Heiratswillige können hier zwischen einer Teil- oder Komplettplanung wählen, die die Hochzeit dann „so nachhaltig wie möglich“ erstrahlen lässt. Angefangen bei möglichst umweltbewussten Fortbewegungsmitteln bis hin zur Einladungskarte per Mail oder auf recyceltem Papier ist alles möglich. Auch die Blumen können aus dem Garten oder saisonal gepflanzt als Dekoration genutzt werden. Dass die Green Wedding Company auch im eigenen Büro die grüne Philosophie vertritt, verwundert da nicht. Hier wird Papier mit dem blauen Engel genutzt, die Korrespondenzen erledigt die Öko-Hochzeitsfirma wenn möglich per Mail und die ausgewählten Elektrogeräte laufen mit Naturstrom.

Dies sind nur einige der Möglichkeiten, das Hochzeitsfest nicht nur auf die Zuneigung zum Gegenüber zu beschränken, sondern quasi mit und für die ganze Welt zu feiern. Ob recyceltes Papier, fair gehandelte Produkte oder eine Hochzeitsreise in den Schwarzwald – langweilig muss es auch in grün nicht werden.

NaB

green-wedding-company.de

Kaethe Maerz, Talstr.79, Düsseldorf, kaethemaerz.de

Olcay Krafft, St. Apernstr.13, Köln, olcaykrafft.com

Hotel und Restaurant Kaiserhof, Unterbruch 6, Willich, kaiserhof.org

Nina Vohs Goldschmiede, Palmstr. 43, Köln, ninavohs.de

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